Teures heizen

Energiekrise 2022: Was beim Gaspreis eingerechnet und von Verbrauchern mitbezahlt wird

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Gas ist teuer, ein Resultat der Energiekrise 2022. Die Bundesregierung plant verschieden Entlastungen. Verbraucherschützer raten zur Kontrolle der Rechnungen.

Berlin – Gasumlage, Gaspreisbremse, weniger Mehrwertsteuer auf Gas zahlen – die Ideen und Vorschläge sprudeln nur so aus den Köpfen von Politikern und Experten in Deutschland. Schlussendlich geht es um die Frage: Wie lassen sich die Energierechnungen von Verbrauchern und Wirtschaft im Winter im einigermaßen erträglichem Rahmen halten? Ein Überblick.

Energiekrise in Deutschland: Gasumlage schon wieder gekippt – doch was sind die Alternativen?

Die geplante Gasumlage ist bereits Geschichte, bevor sie aktiv wurde. Nun liegt ein Alternativmodell einer Expertenkommission auf dem Tisch der Bundesregierung. Noch ist das neue Konzept aus Abschlagsübernahme und Preisbremse politisch nicht beschlossen – aber schon zur Erstattung der zurückgezogenen Umlage gibt es unter Versorgern verschiedene Vorgehensweisen. Verbraucherschützer empfehlen, genau hinzuschauen.

Die gekippte Gasumlage und ihre Nachwirkungen: Kurz vor ihrem geplanten Inkrafttreten am 1. Oktober 2022 wurde die Gasbeschaffungsumlage abgeblasen. Doch da hatten manche Versorger längst begonnen, ihre Kunden über die Mehrkosten zu informieren und das Geld einzuziehen. Die Abgabe sollte zunächst verwendet werden, um große Gaseinkäufer zu stützen, die wegen der enorm gestiegenen Weltmarktpreise seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Schieflage geraten waren.

Vor allem die Rettung von Uniper mit Steuermilliarden verschärfte allerdings die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Umlage. Einige Gasversorger konnten in der Kommunikation mit Verbrauchern und der Anpassung ihrer Kalkulationen nicht so schnell auf das Hin und Her der Politik reagieren. In der Folge gibt es nun ein Sammelsurium unterschiedlicher Abrechnungsmodi.

Gasumlage wurde von vielen Unternehmen nicht vorab berechnet

Nicht erheben, schnell zurücknehmen oder später erstatten: Etliche Unternehmen hatten darauf verzichtet, die Umlage schon vorab zu kassieren beziehungsweise in die Abschlagspläne einzubeziehen. Dies trifft etwa auf die Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu, wie ein Sprecher mitteilte – deshalb müsse nichts zurückerstattet werden.

Gasumlage gekippt, Mehrwertsteuer runter – auf dem Gasmarkt ist viel los. Trotzdem ist Gas für Verbraucher noch teuer.

Auch die Pfalzwerke in Ludwigshafen ließen die Umlage weg. Das ist auch bei Enercity in Hannover der Fall. „Wir hatten die Umlage angekündigt, aber berechnen sie jetzt nicht“, sagte Chefin Susanna Zapreva, Mitglied der Gaspreiskommission des Bundes. Rheinenergie in Köln erklärte: „Wir hatten unsere Kunden informiert, dass wir die Umlage erst ab 1.11. einführen wollten.“ Daher sei keine Weiterberechnung erfolgt. Mainova in Frankfurt versicherte, Gaskunden müssten vorerst keine höheren Abschlagszahlungen im Grundversorgungstarif in Kauf nehmen.

Der regionale Anbieter EWE in Oldenburg schreibt auf seiner Homepage: EWE wird den Anteil der Gasbeschaffungsumlage an der zum 1. November verkündeten Preiserhöhung nicht mehr erheben. Konkret sinkt der Preis bei den betroffenen Kunden um insgesamt 3,152 ct./kWh.

Energiekrise 2022: Umlagen zum Gas treiben auch den Gaspreis in die Höhe

Es gibt noch zwei weitere Umlagen: für die Absicherung der Füllstände der Gasspeicher und für die Stabilisierung der Gasnetze. Die Mainzer Stadtwerke erhöhten zum 7. Oktober die Abschläge, um die Kosten für die drei Umlagearten abzudecken – alle betroffenen Kunden seien per Post informiert worden. „Kunden, die aufgrund eines Wegfalls der Gasbeschaffungsumlage jetzt eine Senkung des Abschlags wünschen, können sich bei uns melden“, hieß es. Ansonsten würden die höheren Abschlagszahlungen als Guthaben bei der Jahresrechnung verbucht.

In Leipzig hatten die Stadtwerke die Abschläge wegen der Gasumlage zum 1. Oktober erhöht, in der Jahresabrechnung sollen die Preise nun rückwirkend wieder reduziert werden. Der Dresdner Versorger Sachsen Energie stoppte bereits Mitte September die Abschlagsanpassungen, als die Debatte um die Gasumlage an Fahrt aufnahm. Man habe die Kunden in dieser unsicheren Lage nicht unnötig belasten wollen: „Wir berechnen und prüfen gerade die Gasabschläge neu. Alle Kunden, deren Abschlag sich ändert, werden zeitnah per Brief oder im Onlineservice darüber informiert.“

Die EWE wird die Gasspeicherumlage zum 1. November erheben. Laut deren Homepage sind dies konkret 0,07 Cent/kWh.

Mehrere Stadtwerke reagierend umgehend auf Aus der Gasumlage – Tarife teilweise schon umlagebereinigt

Die Stadtwerke Erfurt, Gera und Jena-Pößneck haben eigenen Angaben zufolge auf das Aus für die Gasumlage sofort reagiert und diese nicht bei ihren Kunden eingezogen. Im brandenburgischen Cottbus seien alle Tarife umlagebereinigt, teilten die örtlichen Stadtwerke dort mit.

Auch die Städtischen Werke SWM Magdeburg wollen die Gasumlage nicht einziehen. Bei den Stadtwerken Neubrandenburg wurden die Abschläge zum 1. Oktober erhöht – alle Kunden sollen im Januar in der 2022er-Abrechnung jedoch genauso „sämtliche bis dahin rechtlich fixierten Entlastungen“ berücksichtigt bekommen. Das gilt oft ebenfalls für die voraussichtlichen Gesamt-Mehrkosten: Überregionale Gasanbieter wie Montana aus Grünwald bei München kündigten an, sie seien gemäß der politischen Vorgaben angehalten, Kunden auch darüber zu informieren.

Gegen die Energiekrise in Deutschland: Weniger Mehrwertsteuer auf Gas bis März 2024

Einrechnen der Mehrwertsteuer-Senkung: Bis Ende März 2024 sollen für Gas nur sieben statt 19 Prozent erhoben werden, um den Kunden zusätzliche Entlastung zu bringen. Bei EnBW ist dies „jetzt schon ausgewiesen“. Manche Versorger wie Rheinenergie warten noch den letzten Schritt des gesetzgeberischen Vollzugs ab: „Es ist alles vorbereitet, die gesenkte Mehrwertsteuer umgehend weiterzugeben, sobald sie im Bundesanzeiger veröffentlicht ist.“ Bei den Leipziger Stadtwerken wird sie nicht eingerechnet, solange die Bekanntmachung aussteht.

In Mainz sollen in der Jahresabrechnung 2022 für Januar bis September 19 und für Oktober bis Dezember dann sieben Prozent veranschlagt werden. Auch die Pfalzwerke wollen bis zur Gesamtschau warten. Enercity in Hannover betonte im Grundsatz: „Die Umsatzsteuer-Senkung verrechnen wir sehr wohl, und die Abschläge werden reduziert.“

Trotz Energiekrise 2022: „Gasverbrauch ist zu stark angestiegen“ – Bundesnetzagentur schlägt Alarm

So äußerten sich auch die Stadtwerke Erfurt, Gera und Jena-Pößneck. In Cottbus soll es rückwirkend ab dem 1. Oktober eine stichtagesgenaue Berechnung geben. Der Berliner Versorger Gasag will den Kunden „garantieren, dass in den Rechnungen mit Leistungszeitraum ab Oktober 2022 auf jeden Fall der neue Umsatzsteuersatz berücksichtigt werden kann“. Die EWE teilt nur mit, dass sich aufgrund der Umstellung sich die Erstellung der Rechnungen verzögert.

Der Gasverbrauch ist zu stark angestiegen.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur

Anreize zum Energiesparen: Eine staatlich finanzierte Preisdämpfung könnte diejenigen, die es sich leisten können, sogar zum Verbrauch von mehr Energie anregen. Dies ist gefährlich, soll eine Gasnotlage im Winter abgewendet und gleichzeitig das Klima nicht über Gebühr belastet werden. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, warnte kürzlich im Rückblick auf Ende September: „Der Gasverbrauch ist zu stark angestiegen“ – sogar über den Durchschnittsverbrauch der Vorkriegsjahre.

Die Versorger müssen ihren Kunden daher auch eigene Einspartipps geben und sie über Minderungspotenziale aufklären. Etwa darüber, welchen Spareffekt eine geringere Raumtemperatur hat.

Verbraucherschützer fordern schnelle Einspeisung der Mehrwertsteuer-Senkung

Die Erwartungen der Verbraucherschützer: Das Vorkassieren der Umlage war bereits auf Kritik gestoßen, denn die Kunden geben ihren Versorgern damit de facto einen verkappten Kredit. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) äußerte Verständnis, dass Anbieter nach dem Zickzackkurs der Regierung einige Zeit brauchen, um die ständigen Veränderungen in der Verwaltung und Abrechnung zu verdauen.

Es könne aber nicht sein, dass das zu erstattende Geld lange auf den Konten der Versorger bleibe, warnte der vzbv. Man erwarte, dass die Unternehmen jedenfalls nicht bis zum Jahresende warteten. Die Kunden sollten ihre nächsten Abrechnungen detailliert durchgehen. Auch die Mehrwertsteuer-Senkung müsse so rasch wie möglich eingepreist werden.

Gaspreisbremse als Mittel gegen die Energiekrise in Deutschland soll ab März 2023 greifen

Ausblick auf die Gaspreisbremse: Im Dezember soll der Staat für die Verbraucher laut Kommissionsvorschlag eine Einmalzahlung auf Basis des Abschlags zum September-Verbrauch leisten. Der zeitliche Bezug zum Frühherbst soll verhindern, dass der Konsum im Winter extra hochgetrieben wird, um mehr Unterstützung zu erhalten. Möglichst ab März 2023 soll dann die eigentliche Preisbremse für Haushalte und kleine Firmen greifen: Für 80 Prozent des Verbrauchs aus dem September 2022 wird ein Grundkontingent zu zwölf Cent je Kilowattstunde übernommen. Darüber hat der deutlich höhere vertragliche Arbeitspreis Bestand.

Wie genau sie dieses zweistufige Modell in ihre Abrechnungspraxis übertragen sollen, ist bei vielen Versorgern noch unklar – etwa in Mainz oder Leipzig. Teils wird ein nochmals erhöhter Aufwand erwartet. In Cottbus gibt man sich skeptisch: „Wir sehen derzeit noch keinen klaren Weg, wie das Ganze funktionieren soll.“ EnBW erklärte: „Sobald die Vorschläge konkret ausgestaltet und gesetzlich verankert sind, wird die EnBW diese in der Preisgestaltung berücksichtigen.“

Rubriklistenbild: © Petra Nowack/Heinz Gebhardt/imago

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