„Arge Sorgen“

Kunde entdeckt versteckte Nachricht auf Rechnung erst am nächsten Tag

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Ein Unternehmer will mit seiner Belegschaft einen netten Abend in einer Kneipe verbringen. Die Rechnung, die er dort erhält, macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Berlin - „Wer kennt es nicht? Da will man mal in Ruhe mit dem Team 69 Mexikaner in einer Berliner Kneipe trinken und bekommt die Stimmung einer Telegram-Gruppe gratis dazu“, schreibt Masih Sediquian am Dienstag (11. März) auf Linkedin. Am Donnerstag (20. Februar) vor der Bundestagswahl wollte der Gründer des IT-Startups TrustSpace mit seinen Kollegen und Kolleginnen einen lustigen Abend verbringen.

Sie landen im Bierhaus Tempelhof, einer urigen Sportsbar mit „echtem Berliner Charme“, wie die Kneipe auf ihrer Website schreibt. Die Rechnung hebt der 28-jährige Unternehmer für die Buchhaltung auf und fotografiert sie. „Erst am nächsten Tag ist mir die versteckte Botschaft aufgefallen“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Kassenzettel in Berliner Kneipe „erklärt einiges, was wir an diesem Abend erlebt haben“

„Falls du bis Sonntag nicht überfahren oder erstochen wurdest, hättest du dann die Wahl, ob es mit Dtl. [Deutschland] weiter bergab oder wieder bergauf gehen soll!!!“, steht auf dem Kassenzettel, der um 00:13:44 Uhr am 21.02.2025 gedruckt wurde. Der afghanischstämmige Berliner habe mit seinem Migrationshintergrund selbst „schon so viel Quatsch erlebt“, dass er erst gedacht habe, die Leute seien zu „abgestumpft“, als dass sie so ein Zettel interessiere.

Aber da habe er sich wohl getäuscht, sagt er BuzzFeed News Deutschland. „In meinem Freundeskreis hat der Kassenzettel echt für Entsetzen gesorgt.“ Deshalb habe er am Montag (10. März), zwei Wochen nach der Wahl beschlossen, das Foto des Kassenbons auf LinkedIn zu teilen. In nur vier Stunden hatte der Beitrag 55.000 Aufrufe, am Mittwochvormittag (12. März) sind es 100.000.

Rückblickend „erklärt der Kassenzettel einiges, was wir an diesem Abend erlebt haben“, sagt Sediquian. „Schon als wir in die Kneipe gekommen sind, hat dort ein ganz unfreundlicher Vibe geherrscht“. Als er beim Bezahlen eine ziemlich große Summe Trinkgeld gab, habe er nicht mal ein ‚Danke‘, sondern nur „böse“ Blicke bekommen. „Als Fußballfan und Hertha-Sympathisant wäre ich gern nochmal in die Kneipe gegangen und hätte mich gemeinsam mit dem Wirt über den Schiri aufregen können. Aber er regt sich, glaube ich, lieber über mich und meine Herkunft auf.“

Dieser Kassenzettel aus einer Berliner Kneipe sorgt auf LinkedIn für Entsetzen. „Rückblickend erklärt er einiges, was wir an diesem Abend erlebt haben“, sagt der Mann, der ihn erhalten hat.

„Niemand ist hier Rassist“: Bierhaus Tempelhof rechtfertigt sich für Kassenzettel

In den Kommentaren unter Sediquians Beitrag rufen LinkedIn-Nutzer dazu auf, der Kneipe negative Bewertungen zu hinterlassen, sprechen gar von einer „Nazi-Bar“. Viele sehen in der Botschaft auf dem Kassenzettel eine Aufforderung, die AfD zu wählen. Nach der Messerattacke in Aschaffenburg mit einem afghanischen Tatverdächtigen hatte die in Teilen gesichert rechtsextreme Partei Regierungspolitikern vorgeworfen, für die Tat verantwortlich zu sein und besonders laut eine schärfere Asylpolitik gefordert. Dabei gibt es zwischen Herkunft und Kriminalität keinen direkten Zusammenhang, wissen Experten. Und die beim mutmaßlichen Täter vermutete psychische Erkrankung lag „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ der Tat zugrunde.

Wir fragen das Bierhaus Tempelhof an, was es mit der Botschaft auf dem Kassenzettel auf sich hat. Der Wirt, Christoph Hamberger, fühlt sich missverstanden. Seit der Kassenzettel im Netz kursiere, seien einige negative Googlerezensionen über seine Kneipe geschrieben worden. „Die Leute kommen immer sofort mit der Nazikeule“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. „Niemand ist hier Rassist. Ich habe einige Angestellte mit Migrationshintergrund“, behauptet Hamberger.

Es sei ihm mit der Botschaft nicht um die Herkunft von Tätern gegangen, sondern um die Taten selbst. „Ich will eben nicht erstochen oder überfahren werden“, sagt er. Dass er damit zur Wahl der AfD aufgerufen habe, nennt er „totalen Quatsch“. Im Grunde genommen sei er mit keiner der Parteien zufrieden. Er mache sich „arge Sorgen um die innere Sicherheit in Deutschland“. Ob er die Botschaft auf dem Kassenzettel bereut? Wenn er gewusst hätte, welches Ausmaß die versteckte Botschaft auf dem Kassenzettel haben würde, hätte er es sich vielleicht noch einmal überlegt, sagt er.

Rubriklistenbild: © Masih Sediquian

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