Nach Maschmeyer-Interview

Gen Z zu faul? „Es geht alles ohne Anstrengung“ – Ex-Lehrerpräsident sieht Schul-Phänomen

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Bessere Noten, aber schlechtere Bildung. Abiturienten schneiden besser ab – trotz „unglaublichem geografischen und historischen Analphabetismus“.

„Die Gen Z ist nicht faul“, sagt Carsten Maschmeyer im Interview mit dem Münchner Merkur über die junge Generation. „Sie sind einfach anders und haben abweichende Prioritäten.“ Maschmeyer bezog sich vor allem auf die Jobwelt – aber auch im Schulunterricht hat die Generation Z immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Wie ist die Lage wirklich?

Pisa-Schock, Bildungs-Beben, Schulkrise: Die Schlagzeilen zum deutschen Bildungssystem klingen alarmierend. Fakt ist: Deutsche Abiturienten erzielen immer bessere Noten. Es gibt Abidurchschnittswerte von 2,3 und in vielen Bundesländern ein Fünftel bis Sechstel an Einserabituren. Also doch keine Bildungsmisere? Naja, sagt der langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus: Gute Noten seien nicht gleichbedeutend mit guten Schülern.

Bessere Abinoten der Gen Z: „Schülern wird vorgegaukelt, dass sie mehr drauf hätten“

„Die Ansprüche sind stark gesunken“, sagte Kraus dem Münchner Merkur. „Man kann nicht sagen, dass die Schüler einfach besser geworden sind.“ Denn: „Mit den guten Noten wird ihnen vorgegaukelt, dass sie mehr drauf hätten, als sie es wirklich haben. Zeugnisse sind damit zum Teil ungedeckte Schecks.“

Der frühere Lehrerpräsident sieht einen „unglaublichen geografischen und historischen Analphabetismus“ bei den Schülerinnen und Schülern. „Fragen Sie mal junge Menschen nach den Landeshauptstädten und Regierungen der Bundesländer“, so Kraus. „Sie werden von den Antworten schockiert sein.“

Zur Person

Josef Kraus, Jahrgang 1949, arbeitete mehrere Jahre als Gymnasiallehrer, Schulpsychologe und Schulleiter. Von 1987 bis 2017 war er Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Kraus hat mehrere Bücher geschrieben, sein aktuellstes Werk trägt den Titel „Im Rausch der Dekadenz: Der Westen am Scheideweg“.

„Gen Z gewöhnt sie sich die Haltung an: Es geht alles ohne Anstrengung“

Die Allgemeinbildung sinkt also ab. Auch, weil sich die junge Generation Z (Jahrgang 1995–2010) nicht mehr wirklich mit Dingen beschäftige, so Kraus. „Sie kennen Wirklichkeit überwiegend aus zweiter Hand und in Häppcheninformationen.“ Heißt: „Für eine intensivere, ausdauernde Beschäftigung mit Themen sind sie eher nicht zu haben. Sie lesen wenig bis nichts Umfassendes.“ Und: „Ihr Wortschatz verkümmert auf dem Niveau von X, Instagram und TikTok.“

Durch bessere Schulabschlüsse werde es nicht besser: „Weil die schulischen Ansprüche immer geringer werden und die Noten trotzdem immer besser, gewöhnen sie sich die Haltung an: Es geht alles ohne Anstrengung.“

Überträgt sich diese Haltung dann auch in die Arbeitswelt? Maschmeyer zumindest verneint das. „Das haben schon unsere Urgroßväter über unsere Großväter gesagt, die Großväter über unsere Väter und die Väter über uns.“ Zu den von Maschmeyer beobachteten abweichenden Prioritäten zählen flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice und das sogenannte Work-Life-Blending. Zudem sucht die junge Generation laut Maschmeyer „einen Arbeitgeber mit Purpose“. Damit ist ein gewisser Sinn in der Arbeit gemacht. „Für sie ist das wichtiger als nur ein hohes Gehalt“, so der Investor.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Wosunan Photostory

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