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Erst zwei Jahrzehnte nach den ersten Hinweisen wurde Jeffrey Epstein festgenommen. Zwölf mutmaßliche Opfer reichten nun eine Klage gegen die US-Bundespolizei ein.
New York City – Hätte der Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein schon früher aufgedeckt werden können? Zwölf mutmaßliche Opfer des US-Millionärs reichten am Mittwoch (14. Februar) eine Klage gegen die US-Bundespolizei FBI wegen unzureichender Ermittlungen gegen Epstein ein. Dessen Missbrauchsnetzwerk war im Jahr 2019 aufgeflogen. Schon 1996 hatten sich mutmaßliche Opfer an das FBI gewandt, um die Bundespolizei der USA zu Ermittlungen gegen den Millionär zu bewegen – ohne Erfolg.
Laut Klageschrift: FBI erhielt bereits zwischen 1996 und 2006 zahlreiche Hinweise zu Sexualstraftaten
Die Klage gegen das FBI stützt sich darauf, dass die US-Bundespolizei zwischen 1996 und 2006 immer wieder Berichte und Hinweise zu Sexualstraftaten und Menschenrechtsverletzungen durch Jeffrey Epstein und dessen Komplizen erhalten hatte. Diesen sei die Bundespolizei aber nicht ausreichend nachgegangen, so der Vorwurf der zwölf Klägerinnen. Beispielsweise habe die Polizei von Palm Beach das FBI im Jahr 2005 darüber informiert, dass eine 14-Jährige für Sex in Epsteins Anwesen gebracht worden sei.
Erst ein Jahr später habe die Bundespolizei Ermittlungen eingeleitet, heißt es in der Klageschrift. Die „grobe Fahrlässigkeit des FBI“ habe für die zwölf Klägerinnen zum „fortgesetzten sexuellen Missbrauch in den Händen von Jeffrey Epstein“ geführt, so der Vorwurf. Zwischen 2006 und 2008 hatte auch die Investmentbank JP Morgan Chase die Bundespolizei mit der Besorgnis kontaktiert, dass Transaktionen in Millionenhöhe im Zusammenhang mit Kinderprostitution stehen könnten.
Klage gegen US-Bundespolizei FBI: „Hat Sexhandel und sexuellen Missbrauch ermöglicht“
Die Zivilklage solle nun „die Rolle des FBI bei Epsteins Sexhandel-Ring ein für allemal“ klären. Zudem fordern die mutmaßlichen Epstein-Opfer eine Entschädigungszahlung, in welcher Höhe war zunächst nicht beziffert. „Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat das Federal Bureau of Investigation Jeffrey Epstein Sexhandel und sexuellen Missbrauch von zahlreichen Kindern und jungen Frauen ermöglicht, indem es nicht den Job gemacht hat, den das amerikanische Volk von ihm erwartet“, so die Klageschrift, die bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde.
Das FBI habe auch versäumt, angemessene Überprüfungen durchzuführen, als Epsteins Büro Reisedokumente für Mädchen beschaffte, hieß es weiter: „Von 2009 bis 2019 war das FBI mitschuldig, den fortlaufenden Sexhandels mit Minderjährigen ermöglicht zu haben sowie die Vergewaltigung und den sexuellen Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen, die zwischen New York, Palm Beach und den US-Jungferninseln sowie an vielen anderen Orten stattfanden.“
Fall Jeffrey Epstein: Klage gegen FBI folgt auf veröffentlichte Namensliste
Im Januar 2024 hatte ein US-Gericht eine Namensliste zum Epstein-Fall veröffentlicht. Auf dieser tauchten die Namen von bis zu 175 Menschen auf, darunter die ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump. Dabei wurde allerdings betont, dass ein Auftauchen auf der Liste noch kein Fehlverhalten unterstelle. Die genannten Personen hätten lediglich Verbindungen zu Epstein und seiner früheren Geliebten Ghislaine Maxwell gehabt.
Der Millionär und Geschäftsmann Epstein war einst ein mächtiger Investor mit Beziehungen zu hochrangigen Persönlichkeiten in den USA und im Ausland. Nach Bekanntwerden seines Missbrauchsrings wurde er verhaftet und angeklagt. Zu einem Gerichtsprozess kam es nie, denn Behördenangaben zufolge hatte der US-Amerikaner 2019 in seiner New Yorker Gefängniszelle Suizid begangen.
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