VonChristoph Gschoßmannschließen
Die Türkei galt lange als bezahlbares Urlaubsparadies. Diese Zeiten sind vorbei, denn die Inflation zwingt die Gastgeber, die Preise anzuziehen.
München - Im Moment sollte man sich nicht nur wegen der Extremwetterlagen in vielen Teilen Europas genau überlegen, ob ein Urlaub Sinn ergibt. In Griechenland gibt es nach monatelangen Waldbränden sintflutartige Regenfälle, auch auf Mallorca und auf dem Balkan sorgen Stürme für Verwüstungen. Und auch die Preise der Reisen werden höher. Nicht nur der Mallorca- und der Kroatien-Urlaub ist deutlich teurer geworden, sondern auch in der Türkei kosten Übernachtungen künftig erheblich mehr. Nur wenige Länder wie Albanien locken derzeit mit günstigen Preisen.
Inflation in der Türkei extrem hoch: 47,8 Prozent im Juli
Wie der Branchendienstleister STR berichtet, sind die Preise für Hotels in dem Land am Bosporus um exorbitante 37,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Als Grund wird die Wirtschaftspolitik des Landes genannt. Die Türkei leidet seit Jahren noch deutlich stärker als Länder in Europa unter einer massiven Inflation.
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Allein im Juli stieg sie um 47,8 Prozent an, was sich bereits auf die Hotelpreise auswirkte. Die Hoteliers in der Türkei haben kaum eine Alternative, als Erhöhungen an die Touristen weiterzugeben: „Wir müssen die Preise anheben, weil unsere Kosten für Personal, Mahlzeiten und Renovierungen immer weiter steigen“, erkläre ein türkischer Hotelbesitzer dem Handelsblatt. In der Metropole Istanbul zahlen Reisende im Schnitt 138 Euro pro Tag für ein Hotelzimmer. Das ist nur noch unwesentlich weniger als der europäische Durchschnitt, der 140 Euro beträgt.
Urlaub in der Türkei: Post-Corona-Boom setzt sich nicht fort
Für Insider kommen die hohen Preise nicht überraschend. „Wir haben lange vor zu hohen Preissteigerungen gewarnt“, betont Deniz Ugur, der den auf Türkeiurlaube spezialisierten Reiseveranstalter Bentour leitet, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Viele Hotels, aber auch viele Touristen hätten gedacht, dass der Post-Corona-Boom immer so weitergehe. „Doch das war ein Irrtum.“
Im Vergleich zu anderen Urlaubsländern hinkt die Türkei derzeit stark hinterher. Laut Tourism Databank stiegen die Übernachtungszahlen in Griechenland gegenüber dem Vorjahr besonders stark an, und zwar um 143 Prozent. Italien (58 Prozent), Frankreich (45 Prozent) und Spanien (35 Prozent) folgen. Nur in der Türkei ging die Zahl der Hotelübernachtungen um acht Prozent zurück. Früher galt die Türkei als Preis-Leistungs-Paradies für Pauschalurlauber. Das ist aber nun nicht mehr der Fall. Laut einem Vergleich der britischen Verbrauchervereinigung zahlt man für die günstigste wöchentliche Pauschalreise in der Sommersaison in Spanien rund 807 Euro. Wer in die Türkei fliegt, bezahlt 932 Euro, und muss damit mehr als 120 Euro mehr bezahlen. (cgsc)
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