VonPia Seitlerschließen
Ein Kind möchte sein Spielzeug nicht teilen. Eine Mutter wird wütend und entfacht eine Debatte: Wie sollten Eltern in solch einer Situation reagieren?
„Wir waren gerade auf dem Spielplatz mit meiner Tochter und da gehen wir jetzt nicht mehr hin“, beginnt eine junge Mutter auf TikTok ein Video. Grund für den Ärger der Mutter ist ein Vorfall mit einem anderen Kind namens Frederike. Denn: „Frederike möchte nicht, dass meine Tochter mit ihren Sandelsachen spielt“, sagt die TikTokerin genervt.
Mit ihrer Wutrede über den Spielplatz-Vorfall ging die Mutter auf TikTok viral. Mehr als zwei Millionen Mal wurde ihr Video angesehen. „Frederikes Mama mag nicht, dass man impulsartig nach seinem eigenen Kind ruft, weil Frederike das nicht kennt“, erzählt sie weiter. Eltern sollten eher in die Ohrmuschel flüstern, so kenne das Frederike.
Spielplatz-Situation sorgt für Diskussionen: Sollten Kinder ihre Spielsachen teilen?
„Ich hoffe, das ist ein Scherz?“, fragt eine TikTok-Nutzerin. „Frederike wird irgendwann mit dem Leben hart konfrontiert werden. Das Kind wird zum Außenseiter erzogen“. In den knapp 10.000 Kommentaren berichten weitere Eltern von ihren Erlebnissen auf dem Spielplatz. Besonders der Satz zu den Spielsachen, die Frederike nicht teilen wollte, löst Diskussionen aus.
„Ich fand es ganz schlimm auf dem Spielplatz, wenn andere Kinder meinem Kind SEINE eigenen Spielsachen weggenommen haben“, berichtet eine Mutter. Eine weitere schreibt: „Also wenn Frederike IHRE Sachen nicht teilen möchte, finde ich das okay. Sag ich euch ganz ehrlich. Ich würde auch nicht jedem Fremden meine Sachen geben“. Andere schreiben, wie wichtig es sei, dass Kinder lernen zu teilen und berichten von „verängstigten Eltern, die Angst haben, dass die Kinder andere Spielsachen nehmen“.
„Ohne gleich einzugreifen“: Was Eltern auf dem Spielplatz mit ihren Kindern beachten sollten
Wie sich Eltern in solchen Spielplatz-Momenten verhalten können, weiß Sabine König. Die Sozialpädagogin hilft seit vielen Jahren Eltern mit Erziehungsproblemen. Sich zu weigern, seine Spielsachen zu teilen, sei im Alter zwischen eineinhalb und drei Jahren „ein altersgemäßes Verhalten“. In dieser Altersspanne befinden sich Kinder in der Autonomiephase – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit des Kindes. In dieser Phase entwickelt das Kind ein Bewusstsein für sich selbst als eigenständige Person. Teilen und Zurückstecken falle laut König schwer, die Ich-Entwicklung stehe im Vordergrund und das „Wir“ müsse erst entdeckt werden.
Wenn ein Kind auf dem Spielplatz ungefragt die Sachen eines anderen Kindes nimmt, rät sie: „Erst einmal warten“. Eltern sollten schauen, ob sich das andere Kind beschwere, ob es sich um eine Kontaktaufnahme des eigenen Kindes handele, oder ob daraus ein gemeinsames Spiel entstehen könne. Wenn Unmut auftrete, sollten Eltern sich dazu gesellen, „ohne gleich einzugreifen“, sagt König BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie könnten Ideen geben, wie: „Möchtest Du Deine eigenen Spielsachen auch einbringen? Was glaubst Du, warum sich das Kind beschwert?“
Diskussion über das Teilen auf dem Spielplatz – wie sich Eltern verhalten können
Und wenn das Kind nicht teilen will? „Keine Panik, respektvolles Begleiten, bestenfalls der Hinweis, dass das Kind dann auch nichts von anderen Kindern nehmen kann“, sagt König. Teilen lernen die Kinder trotzdem, denn laut der Expertin müssten sich Eltern in den seltensten Fällen um Entwicklungsschritte bemühen. Es sei nur notwendig darauf zu achten, dass im häuslichen Bereich nicht nur die Wünsche des Kindes im Mittelpunkt stehen, sondern auch die der Erwachsenen und Geschwister Raum haben.
„Kinder brauchen Zeit, um Bedürfnisaufschub, Frustrationstoleranz und Impulssteuerung zu lernen“, sagt die Sozialpädagogin BuzzFeed News. Mit fünf Jahren sollten sie dies bewältigt haben, aber auch dann könne es noch zu Spannungen – und die seien normal und natürlich – kommen. Falls sich andere Eltern beschweren, dass ihrem Kind etwas weggenommen werde, können die Eltern respektvoll das fremde Kind darauf aufmerksam machen und das Spielzeug für das eigene Kind zurückverlangen. Das sei „nicht gut, aber machbar“, so die Expertin. In der Regel kümmerten sich Kinder sehr gut um ihre eigenen Interessen.
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