Vorstellungsgespräch

Recruiter erklärt, bei welchen Alarmsignalen Sie ein Bewerbungsgespräch abbrechen sollten

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Jobinterviews können auch ohne „Psychotricks“ stressig sein. Ein Fachmann erläutert, warum einige HR-Mitarbeiter immer noch manipulative Fragen stellen.

Das Vorstellungsgespräch ist für viele der wohl aufregendste Schritt im Bewerbungsprozess. Der Kandidat lernt zum ersten Mal den Arbeitsplatz und sein zukünftiges Team kennen, und kann sich nun in einem persönlichen Gespräch von seiner besten Seite zeigen. Normalerweise verlaufen Bewerbungsgespräche professionell – die Kandidaten sind oft schon aufgeregt genug. Immer wieder kursieren Horrorgeschichten, in denen von Psychotricks wie dem Kaffee-Trick und absurden Fragen („Was ist Ihre Lieblings-Eissorte?“) berichtet wird, die Rückschlüsse auf Bewerber zulassen sollen.

„Wer heute noch solche Tricks anwendet, ist aus der Zeit gefallen“, sagt der HR-Projektmanager Daniel Wörz BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Wertschätzende Personaler würden den Kandidaten respektvoll und auf Augenhöhe begegnen –„und finden andere Wege, herauszufinden, ob der Bewerber ins Team passt.“ Solche Psychotricks und manipulative Fragen seien ein Trend aus der Beratung sowie der Tech-Industrie. Die Tricks würden zeigen, dass das Unternehmen eine „schlechte Personalauswahl“ macht.

Experte: Diese Tricks und Fragen nutzen Personaler im Bewerbungsgespräch

Es gibt eine Vielzahl an Psychotests und Fragen, die die Bewerber beim Vorstellungsgespräch aus der Reserve locken sollen. Ganz banal fange der sogenannte Kaffee-Trick an: Dem Bewerber wird eine Tasse Kaffee angeboten. Am Ende des Gesprächs werde dann darauf geachtet, ob der Bewerber seine Tasse zurück in die Küche räumt – wodurch Rückschlüsse auf die Eigenverantwortung gezogen werden sollen. „Das ist aber nicht der Fall. Es zeigt nicht, wie motiviert oder ordentlich der Kandidat ist“, sagt der Experte. Ob die Person die Tasse wegräumt oder nicht, sage nichts darüber aus, ob sie ihre Arbeit gut machen wird, erklärt Wörz. Er findet „Das sollte man nicht so machen“.

„Welches Küchengerät wären Sie gern?“ – Manche Fragen haben in einem Bewerbungsgespräch nichts zu suchen. (Symbolbild)

Zudem gibt es noch die „Brainteaser“: Das sind Fragen, die nichts mit der professionellen Aufgabe zu tun haben. „Wie passt eine Giraffe in den Kühlschrank? Wie viele Tennisbälle passen in ein Auto? Welches Tier, Küchengerät, oder Superheld wäre Sie gern und warum?“, sind einige Beispiele. Psychotricks sollen oft die Stressresilienz der Kandidaten testen: „Es wird rhythmisch mit einem Stift geklickt oder mit der Hand auf den Tisch geklopft. Oder die Interviewer unterbrechen den Kandidaten in seinem Antwortfluss und stellen dauernd Zwischenfragen“, berichtet Wörz. Manche Personaler würden auch unlogische Pausen von mehreren Sekunden an unpassenden Stellen in das Gespräch einbauen, um die Bewerber zu verunsichern.

Den Stift-Trick hat Wörz kürzlich sogar selbst als Bewerber in einem Vorstellungsgespräch erlebt. Ein HR-Manager wendete ihn an. „Der eigentliche „Trick“ war, dass er im Verlauf des Gesprächs begann, mit seinem (teuren) Kugelschreiber regelmäßig und rhythmisch auf den Tisch zu klopfen“, schreibt Wörz in einem LinkedIn-Beitrag. Der HR-Manager wollte „damit die Stressresilienz erproben. Und ob ggf. jemand darauf reagiert, z.B. er soll das unterlassen oder komplett ins Schleudern gerät.“ Wörz ließ sich nach eigenen Angaben nicht aus der Fassung bringen.

Trotzdem gehen solche Tricks für ihn zu weit. Der Experte macht deutlich: „Die Grenze ist überschritten, wenn es keinen psychologisch validen Bezug zur Aufgabe gibt.“ Stressresilienz könne nicht über Psychotricks im Vorstellungsgespräch bewiesen werden.

Personal-Experte: Tests im Bewerbungsgespräch können in Ordnung sein

Harmlose Tricks allerdings würden häufig bei Auszubildenden und Trainees angewandt. So erhielten die Bewerber zum Beispiel eine Liste mit Gesprächspartnern. Am Bewerbungstag fänden die Gespräche dann in einer anderen Reihenfolge statt. Die Kandidaten sollen dabei zeigen, dass sie „in der Lage sind, sich auf veränderte Situationen und Charaktere einzulassen. Man möchte sehen, dass der Bewerbende Nachfragen stellt. Wer sind die neuen Gesprächspartner? Was ist ihre Rolle im Unternehmen?“

Auch kleine Aufgaben im Vorstellungsgespräch seien nicht grundsätzlich abzulehnen. Doch: „Der Test muss einen Bezug auf die künftige Aufgabe und Rolle im Unternehmen haben“, erklärt der Experte. Den Kandidaten darum zu bitten, mit seinem zukünftigen Team einen kurzen Bericht zu erarbeiten, könne sinnvoll sein, sagt Wörz: „Ein solcher praktischer Case ist in Ordnung.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panthermedia

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