„Zwei Szenarien“ möglich

„Zeit erreicht, Istanbul zu verlassen“: Erdbeben-Analyse offenbart die enorme Wucht

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  • Kilian Bäuml
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Gleich mehrere schwere Erdbeben erschütterten am Mittwoch die türkische Metropole Istanbul. Ein weiteres großes Beben könnte unter Umständen folgen.

Update vom 25. April, 11.45 Uhr: Auch zwei Tage nach dem starken Istanbuler Beben kommt die Erde in der Metropole nicht zur Ruhe. Am frühen Morgen ereigneten sich an einer vor der Stadt gelegenen Plattengrenze weitere Beben mit einer Stärke von bis zu 4,5, wie der Katastrophendienst Afad mitteilte. Menschen verbrachten erneut die Nacht im Freien - aus Sorge vor einem weiteren, heftigeren Beben, wie verschiedene türkische Medien berichteten.

Die Türkei liegt in einer der seismisch aktivsten Gegenden der Welt. Mehr als eine Million Gebäude in Istanbul gelten als nicht erdbebensicher. Laut Experten gilt zudem ein Beben der Stärke 7 als überfällig. Das Beben von Mittwoch habe dies nun noch mal wahrscheinlicher gemacht, sagte Marco Bohnhoff vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Käme es in der Region zu einem noch schwereren Erdbeben, könnte sogar ein Tsunami mit drei Meter hohen Wellen drohen, warnte nun ein Seismologe.

Istanbul-Erdbeben schürt weiter Sorge vor noch größerem Erdbeben

Update vom 25. April, 5.33 Uhr: Das Erdbeben der Stärke 6,2 setzte eine Energie frei, die über 30.000 Tonnen TNT entspreche, berichtet AFAD jetzt in einer Analyse. Demnach war das Beben etwa viermal so stark, wie das der Stärke 5,8 vom 26. September 2019.

In Istanbul wächst jetzt die ohnehin schon bestehende Angst vor einem noch stärkeren Hauptbeben. Einige Fachleute warnen seit Jahren vor einem Ereignis mit einer Magnitude von über 7. Das könnte für die Millionenmetropole verheerend sein. Aktuell reisen viele Menschen aus der Stadt ab, schlafen in Autos oder in Zelten. Andere bleiben wiederum entspannt, zu ungewiss ist die Lage.

Die Nachbeben (mittlerweile sind es 291) dürften jedenfalls noch Wochen andauern, prognostiziert AFAD. Seit Donnerstagmorgen (24. April) registriert der Katastrophenschutz eine Tendenz zur Abnahme. Insgesamt vier der Nachbeben übertrafen eine Magnitude von 4.

Update vom 24. April, 21.22 Uhr: Nach dem starken Erdbeben melden sich mehrere türkische Minister zu Wort. So zitiert das türkische Nachrichtenportal hurriyet den Minister für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel, Murat Kurum, und den Minister für Verkehr und Infrastruktur, Abdulkadir Uraloğlu. In einer Erklärung teilten die Minister mit: „Wir haben insgesamt 1756 Schadensmeldungen erhalten. 80 Prozent der Meldungen in Istanbul befinden sich auf der europäischen Seite.“

Insgesamt wurden demnach 83 Gebäude beschädigt, öffentliche Gebäude werden aktuell noch untersucht. Um Istanbul für die Zukunft sicherer gegen Erdbeben zu machen, arbeite man an einer Umgestaltung. Vor allem die Bausubstanz vieler Gebäude halte Erdbeben nicht ausreichend stand. „Das Erdbeben in Istanbul ist eine Frage der nationalen Sicherheit und Unabhängigkeit. Es ist eine Angelegenheit, die sogar die Unabhängigkeit der Türkei beeinträchtigen wird. Wir werden weitermachen, bis es in Istanbul kein einziges riskantes Gebäude mehr gibt.“

Update vom 24. April, 18.07 Uhr: Nach dem schweren Erdbeben in Istanbul sind mehr als 100.000 Menschen mittlerweile in Notunterkünften untergekommen. Andere wiederum verlassen die Stadt, übernachten in ihren Autos, campieren im Freien. Wie der Deutsche Reiseverband laut dpa mitteilte, sind deutsche Touristen von den Beben anscheinend kaum betroffen. Nur wenige Gäste seien vor Ort.

Weil viele Experten vor einem noch stärkeren Nachbeben warnen, wollen viele Menschen nicht in ihre Häuser zurück. „Bei einem Erdbeben haben wir nirgendwo Zuflucht. Also wir bleiben hier, um wenigstens ein bisschen Schutz zu haben“, sagte ein Mann, der im Freien übernachtet hatte, der türkischen Nachrichtenagentur DHA.

Menschen versammeln sich nach dem starken Erdbeben in Istanbul im Freien. Teils übernachten sie auch dort.

Update vom 24. April, 14.35 Uhr: Nach den Erdbeben in der Region um Istanbul mit mehr als 200 Verletzten gibt es Warnungen vor einem weiteren und deutlich gefährlicheren Beben. Laut Marco Bohnhoff vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam könnte es mit einer Stärke von 7,4 große Zerstörung anrichten - das stärkste Beben lag bisher bei 6,2.

Eine solche Erschütterung wäre laut Bohnhoff etwa 60-fach stärker als das stärkste der bisherigen Beben - und fände keine 20 Kilometer von der Millionenmetropole entfernt statt. Manche Fachleute, die in türkischen Medien zu Wort kommen, rechnen sogar mit einer Magnitude von 7,7. Obwohl Experten seit Jahrzehnten vor einem großen Erdbeben warnen, gilt die Metropole am Bosporus mit rund 16 Millionen Einwohnern nicht als erdbebensicher.

Einer Studie der Stadtverwaltung zufolge könnten bei einem Beben der Stärke 7,5 etwa 14.500 Menschen sterben, andere Experten gehen von deutlich mehr Toten aus - manche gar von Hunderttausenden. Das Beben von Mittwoch habe ein solches starkes Beben nun noch mal wahrscheinlicher gemacht, denn damit sei ein Übergangsbereich der ohnehin schon kritisch geladenen Verwerfung unterhalb Istanbuls aktiviert worden.

Nach schwerem Erdbeben in Istanbul: Zahlreiche Menschen in Notunterkünften

Update vom 24. April, 12.25 Uhr: Erste Zahlen der dpa besagen, dass etwa 101.000 Menschen inzwischen Zuflucht in Notunterkünften gefunden haben. Darunter sind Schulen, Moscheen und Logistiklager. Diese Information gab der türkische Innenminister Ali Yerlikaya während einer Pressekonferenz bekannt. Bisher seien laut Angaben des Städteministeriums etwa 1400 Meldungen über Gebäudeschäden eingegangen.

Update vom 24. April, 12 Uhr: Nach dem schweren Erdbeben in Istanbul verlassen zahlreiche Menschen die Metropole. Hotels entlang der türkischen Ägäisküste verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Hotelbuchungen. Flugtickets ab Istanbul in andere Städte der Türkei waren am Abend des Bebens und auch am Donnerstag nicht mehr zu erhalten, berichtete eine dpa-Reporterin. Auf den Websites der Fluglinien seien alle Flüge ausgebucht gewesen.

Experten betonen aktuell, dass die Sorge vor einem sehr großen Erdbeben aktueller denn je sei. Doch längst nicht alle können oder wollen abreisen. Manche Bekannte seien etwa gebeten worden, auf jeden Fall zur Arbeit zu kommen, berichtete die dpa-Reporterin. Für jene, die nicht zurück in ihre Häuser wollen, hat der Türkische Rote Halbmond damit begonnen, Lebensmittel in Sammelunterkünften bereitzustellen, berichtete der Staatssender TRT Haber.

Lage in Istanbul kommt nicht zur Ruhe: Knapp 300 Nachbeben registriert

Update vom 24. April, 10.04 Uhr: Nach dem schweren Erdbeben mit einer Stärke von 6,2 registrierte Afad mittlerweile über 300 Nachbeben. Diese Erschütterungen traten entlang der tektonischen Gräben im Marmarameer auf.

In türkischen Medien äußern sich zahlreiche Seismologen und Geologen, die mehrheitlich ein weiteres großes Beben erwarten. Die genaue Zeit bleibt ungewiss, doch die Stärke könnte 7,4 erreichen, wobei einige Experten sogar eine Magnitude von 7,7 in Betracht ziehen.

Viele Menschen haben aus Furcht vor einem großen Beben Istanbul bereits verlassen. Andere verbrachten die Nacht im Freien oder in ihren Fahrzeugen, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. In einem Interview äußerte der Geologe Celal Sengör von der Technischen Universität Istanbul, sei langfristig gesehen nun „der Zeitpunkt erreicht, Istanbul zu verlassen“. Diese Aussage zog sofort Kritik der regierenden AKP auf sich. Ein Chefberater von Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Sengör daraufhin in einem Beitrag auf X als „Idioten“.

Update vom 24. April, 07.45 Uhr: Die Erdbebenserie in der türkischen Metropole Istanbul reißt nicht ab. Der Katastrophendienst Afad meldete am Morgen weitere Nachbeben, darunter eines der Stärke 4,1.

Nach Angaben von Gesundheitsminister Kemal Memisogl auf der Plattform X gab es insgesamt 236 Verletzte – davon 173 in Istanbul, die übrigen in anderen Provinzen. Ihm zufolge wurden 15 Menschen noch in Krankenhäusern behandelt. Manche der Betroffenen hätten sich bei dem Versuch verletzt, sich mit Sprüngen aus Gebäuden in Sicherheit zu bringen. Laut dem Istanbuler Gouverneursamt gab es zunächst keine Berichte über eingestürzte Häuser. „Aufgrund der Nachbeben, die nach dem Hauptbeben anhalten, ist es wahrscheinlich, dass Erdbeben bis zu einer bestimmten Stärke für eine gewisse Zeit auftreten werden“, hieß es.

Bewohner in Istanbul übernachten teilweise draußen – Erdogan versucht zu beschwichtigen

Update vom 24. April, 05.42 Uhr: Nach den Erdbeben in Istanbul herrscht weiterhin Schockstarre unter den Einwohnern. Viele Menschen verbrachten die Nächte im Freien und errichteten Zelte in Parks oder auf anderen Grünflächen, wie türkische Medien berichteten. Obwohl das Beben keine größeren Schäden verursachte, schürt es die Angst vor einer laut Experten unvermeidlichen Katastrophe. Bis zum Abend registrierte der Katastrophendienst Afad 184 Nachbeben.

Präsident Recep Tayyip Erdogan versicherte: „Unsere Bürger können beruhigt sein. Als Staat werden wir weiterhin rund um die Uhr mit allen unseren Einheiten in Alarmbereitschaft bleiben und für unsere Nation arbeiten, die Situation unter Kontrolle zu haben.“ Dennoch sind viele Bewohner besorgt. Über eine Million Gebäude gelten als unsicher. Fachleute befürchten, dass ein erwartetes Großbeben der Stärke 7 Zehntausende Menschenleben fordern könnte. Die mangelhafte Bausubstanz wird als eine der Ursachen genannt.

Das Istanbuler Gouverneursamt meldete zunächst keine eingestürzten Gebäude. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich von beschädigten Strukturen fernzuhalten. Städtebauminister Murat Kurum (AKP) ließ zwölf Gebäude vorsorglich evakuieren.

Update vom 23. April, 22.33 Uhr: Das Beben am Mittwoch sei das Schwerste in der Region seit über 25 Jahren gewesen. Nach GFZ-Angaben hatte das erste Erdbeben eine Stärke von 6,2 in einer Tiefe von rund zehn Kilometern, etwa 60 Kilometer westlich von Istanbul im Marmarameer. Nur 13 Minuten später habe die Erde erneut gebebt, diesmal mit einer Stärke von 5,3 - südlich in etwa 40 Kilometern Entfernung.

Update vom 23. April, 20.10 Uhr: Bis zum Mittwochabend hielten mehr als 120 teils starke Nachbeben die Menschen in Angst und Schrecken. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus jener, die die Stadt verließen, um im Umland zur übernachten. Und die Sorge vor einem noch größeren Hauptbeben wächst: Nicht nur der Geologe Okan Tüysüz prophezeit ein solches, auch Erdbebenforscher Naci Görür schreibt auf der Plattform X, dass er fest mit einem rechne. Im Marmarameer verläuft eine tektonische Plattengrenze. Die aktuellen Erschütterungen erhöhten die Spannungen dort zusätzlich, so Görür. Wann das große Beben die Megametropole treffen könnte, ist allerdings ungewiss. 

Istanbul gilt jedoch als schlecht vorbereitet. Die Millionenmetropole am Bosporus ist laut Social-Media-Posts von Kritikern total verbaut, selbst Freiflächen, die eigentlich für solche Notfälle gedacht sind, seien nicht zugänglich – manche sogar mit Zäunen abgeriegelt. Auch eine Warn-SMS hätten viele nicht erhalten, obwohl es ein solches System gibt. Entsprechend groß ist die Angst der Einwohner.

Schweres Erdbeben in Istanbul: Experte fürchtet massives Hauptbeben – „Zwei Szenarien“ möglich

Update vom 23. April, 18.30 Uhr: Nach der Erdbebenserie in Istanbul mit Erschütterungen von einer Stärke von bis zu 6,2 ist die Lage für Urlauber kompliziert. Wer in diesen Tagen nach Istanbul fliegen will, sei reiserechtlich nun in einer schwierigen Situation, sagt die Reiserechtsexpertin Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ). Aber Angst oder Unbehagen allein würden keine kostenfreie Stornierung rechtfertigen.

Formelle Warnungen des Auswärtigen Amtes vor Reisen in die Region zum Beispiel seien ein wichtiges Indiz, aber auch keine alleinige Voraussetzung für das Rücktrittsrecht, so die Expertin. Entscheidend ist immer die konkrete Lage vor Ort, nicht die persönliche Einschätzung des Reisenden.

Update vom 23. April, 17.22 Uhr: Wissenschaftler halten weitere Erdbeben für wahrscheinlich. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zwei Szenarien: Entweder ist die unmittelbare Region nun vorerst entspannt und die Seismizität klingt langsam ab, oder die durch das Beben erzeugten Spannungsumlagerungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für ein größeres Erdbeben in der Region“, sagte Marco Bohnhoff vom Potsdamer Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ). Man beobachte die Vorgänge sehr genau. 

13 Minuten nach dem ersten Beben wurde die Erde erneut erschüttert. Diesmal mit einer Stärke von 5,3 südlich der türkischen Hauptstadt in etwa 40 Kilometern Entfernung. Das zweite Beben deute den Wissenschaftlern zufolge daraufhin, dass die Spannungen sich verlagert haben. Dadurch seien weitere Erdstöße wahrscheinlich.

Update vom 23. April, 17 Uhr: Auf den Straßen der Stadt mit ihren 16 Millionen Einwohnern spielten sich am Mittag nach dem rund 13 Sekunden andauernden stärksten Erdstoß dramatische Szenen ab. Viele Menschen stürzten in Angst aus den Häusern, viele verletzten sich, als sie in Panik aus den Fenstern sprangen. Familien eilten zu Krankenhäusern, um ihre kranken Angehörigen von dort abzuholen und in Sicherheit zu bringen, wie Bilder des Staatssenders TRT zeigten. Was folgte, waren mehr als 50 teils starken Nachbeben.

Das Hauptbeben war auch in Teilen Griechenlands und Bulgariens deutlich zu spüren. Genau wie türkische Seismologen befürchten auch griechische Wissenschaftler, dass ein großes Hauptbeben noch ausstehen könnte. Laut Innenministerium sind keine Toten zu beklagen, Wohnhäuser sind nicht eingestürzt.

Erdbebengefahr in Istanbul

Istanbul ist aufgrund der Nordanatolischen Verwerfung insgesamt einem hohen Risiko für Erdbeben ausgesetzt. Darüber informiert das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Dort heißt es weiter: „Die Arabische Erdplatte drückt Anatolien nach Norden gegen die Eurasische Erdplatte. Anatolien weicht dabei aus und schiebt sich an der Eurasischen Platte entlang nach Westen. Die Störungszone erstreckt sich über 900 Kilometer von der Osttürkei bis in die Ägäis.“

Update vom 23. April, 16.11 Uhr: Am Donnerstag und Freitag bleiben alle Schulen in Istanbul geschlossen. Zwar wurden laut Bildungsminister Yusuf Tekin „keine ernsthaften Auswirkungen“ des Erdbebens an den Gebäuden verzeichnet. Doch in der Millionenmetropole ist die Angst vor einem starken Nachbeben groß.

Viele Menschen suchen aktuell das Freie und brauchen dafür Platz. „Im Einklang mit dem Bedürfnis nach sicheren Aufenthaltsmöglichkeiten, stehen unsere Schulhöfe allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung“, schreibt Tekin auf der Plattform X.

Update vom 23. April, 15.40 Uhr: In Istanbul werden nach den Erdbeben 151 Verletze behandelt. Sie seien „aus Panik aus der Höhe gesprungen“, schrieb das Istanbuler Gouverneursamt auf der Plattform X. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Innenminister Ali Yerlikaya schrieb auf der Plattform X, es gebe bislang keine Kenntnisse über Tote. Über größere Sachschäden war zunächst nichts bekannt. Die Stadt wird seit dem Mittag immer wieder von Beben erschüttert, das stärkste mit 6,2.

Nachbeben deutlich näher an Istanbul – Erdbeben mit 4,9 gemessen

Update vom 23. April, 14.46 Uhr: Eines der Nachbeben ereignete sich deutlich näher an Istanbul, als die Erschütterungen zuvor. Mit einer Stärke von 4,9 ereignete es sich laut AFAD rund 17 Kilometer vor der Küste der Stadtgemeinde Büyükçekmece.

Experten warnen eindringlich – Hauptbeben steht offenbar noch aus

Update vom 23. April, 14.23 Uhr: Nach einer Reihe von Erdbeben in Istanbul geben Experten keine Entwarnung. Das Hauptbeben werde noch kommen, schrieb Erdbebenforscher Naci Görür auf der Plattform X. Im Marmarameer vor der 16-Millionen-Stadt verläuft eine tektonische Plattengrenze. Experten warnen seit langem, ein Beben rund um die Stärke 7 sei überfällig. Die aktuellen Erschütterungen erhöhten vielmehr noch die Spannungen, so Görür. In einem früheren Interview hatte er gesagt, er erwarte Hunderttausende Tote bei einem Beben.

Der türkische Städtebauminister Murat Kurum hatte gewarnt, Istanbul werde einem Erdbeben nicht standhalten. Insgesamt würden 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als erdbebengefährdet gelten.

Update vom 23. April, 14.15 Uhr: Die Angst vor einem weiteren großen Erdbeben in der Türkei hält weiter an. Der Geologe Okan Tüysüz erklärte dem Sender NTV, dass ein weiteres großes Erdbeben nicht ausgeschlossen werden könne (siehe vorheriges Update).

Laut Berichten des Staatssenders TRT holten manche Menschen ihre Angehörigen aus Krankenhäusern, um sie in Sicherheit zu bringen. Ein Mann soll vor Angst aus dem Fenster gesprungen sein und sich verletzt haben. Fernsehbilder zeigten zudem, dass viele Bewohner sich im Freien aufhalten, unter anderem in überfüllten Parks.

Update vom 23. April, 13.11 Uhr: Nach einem Erdbeben der Stärke 6,2 wird die türkische Millionenmetropole Istanbul von zahlreichen Nachbeben erschüttert. Der Katastrophendienst Afad meldete mehrere Beben der Stärken 4 bis 5 - alle mit Epizentren im vor der Stadt gelegenen Marmarameer. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein weiteres großes Beben folge, sagte der Geologe Okan Tüysüz dem Sender NTV.

„Ich spreche unseren Bürgern meine besten Wünsche aus“, teilte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf der Plattform X mit. „Wir beobachten die Situation genau“.

Schweres Erdbeben auch in Griechenland zu spüren

Update vom 23. April, 13.08 Uhr: Das Erdbeben der Stärke 6,2, das am Mittag Istanbul erschüttert hat, war auch in Teilen Griechenlands deutlich zu spüren. Vor allem im Nordosten des Landes am Grenzfluss Evros zur Türkei hin wurden die Menschen in Angst versetzt, berichteten griechische Medien. Zuvor hatten sie aufgrund der ersten, schwächeren Beben bereits eine Warn-SMS des griechischen Katastrophenschutzes erhalten. 

Meldungen über die Erdstöße gab es außerdem von etlichen Ägäisinseln, darunter Chios und Lesbos. Schäden habe es jedoch nicht gegeben, hieß es in den Berichten übereinstimmend.

Update vom 23. April, 12.56 Uhr: „Das Erbeben der Stärke 6,2 war auch in Ankara zu spüren“, schreibt der Bürgermeister der türkischen Hauptstadt auf der Plattform X. Auch hier gingen Menschen auf die Straße.

Aus dem Istanbuler Stadtteil Üsküdar berichtet eine Frau unserer Redaktion: „Alles hat sehr stark gewackelt, im Haus sind Dinge umgefallen.“ Berichte über größere Schäden oder Verletzte gibt es bislang aber nicht.

Erstmeldung vom 23. April, 12.20 Uhr: Istanbul – Am Mittwoch ereigneten sich gleich mehrere schwere Erdbeben in der türkischen Metropole Istanbul. Laut dem Katastrophendienst Afad hatte das bisher heftigste Beben eine Stärke von 6,2. Nach Angaben des Afad und des Innenministers Ali Yerlikaya ereignete sich das Beben um kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) vor dem Küstenort Silivri im Marmara-Meer.

Schwere Erdbeben erschüttern Istanbul: Bislang keine Berichte über Opfer

Das Beben war in den umliegenden Provinzen zu spüren, wie der Innenminister im Onlinedienst X erklärte. Nach vorläufigen Angaben der Behörden gab es weder Opfer noch Schäden. Die Epizentren lagen Afad zufolge an unterschiedlichen Stellen im vor der Stadt gelegenen Marmarameer. Türkische Medien sprechen von einem „furchterregenden Ereignis“ in der eh schon gefährdeten Region.

TRT Haber berichtet von einem „schrecklichen Erdbeben“ sowie Bürgerinnen und Bürgern, die vor Angst auf die Straßen gestürmt sind. Schon das schwächere Beben mit einer Stärke von 3,9 war bis in die Bezirke auf der asiatischen Seite des Bosporus zu spüren gewesen.

Schweres Erdbeben trifft Istanbul: Millionenmetropole in der Türkei erschüttert

Erst vor zwei Jahren, am 6. Februar 2023, erschütterte um 4:17 Uhr ein Beben der Stärke 7,7 den Südosten der Türkei und Nordsyrien. Um 13:24 Uhr folgte ein zweites Beben der Stärke 7,6. Tausende Menschen starben. Experten gehen davon aus, dass ein Beben rund um die Stärke 7 in der Metropole mit 16 Millionen Menschen überfällig ist. Laut türkischem Städtebauminister Murat Kurum gelten 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als erdbebengefährdet.

Die Türkei liegt in einer der seismisch aktivsten Gegenden der Welt. Die Region ist Teil des Nordanatolischen Verwerfungssystems, einer großen tektonischen Plattengrenze, die für zerstörerische Erdbeben mit vielen Opfern bekannt ist. Die Verwerfung verläuft nur wenige Kilometer vor der Stadt im Marmarameer. Hinzu kommt, dass die Stadt teilweise auf ungünstigem Untergrund liegt: Der südwestliche Teil etwa liegt nicht auf festem Grund wie Granit, sondern auf einer ausgetrockneten Lagune.

Rubriklistenbild: ©  Omer Yildiz/Khalil Hamra/picture alliance/dpa/AP/DIA Photo via AP

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