Steinlawinen an Seiser Alm und Drei Zinnen

Gleich mehrere Felsstürze in den Dolomiten: Video zeigt, wie Bergwanderer flüchten

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Hohe Temperaturen und Wolkenbrüche im Wechsel lassen die Dolomiten-Berge bröckeln: Mehrere Felsstürze brachten an der Seiser Alm und den Drei Zinnen Bergwanderer in Lebensgefahr.

Gröden/Sexten - Der Klimawandel setzt den Alpen in diesem Sommer in noch nie dagewesenen Ausmaß zu: Die Gletscher schmelzen, und der Permafrost im Inneren der Gipfel taut auf. Mehrfacher Starkregen hat dieses Jahr viele Felsen zudem unterspült. Besonders anfällig sind die Gipfel der Dolomiten in Südtirol, dem Trentino und dem Veneto im Norden Italiens. Das Kalkgestein, das die bizarren Gipfel formt, ist besonders anfällig für den Klimawandel. Es kommt zu Felsstürzen im Akkord.

Video zeigt, wie Bergwanderer vor Felssturz flüchten

So löste sich vor den Augen einer Gruppe von Bergwanderern am Langkofel (3181 Meter) oberhalb der Seiser Alm eine große Gesteinslawine. Ein verwackeltes Video vom Donnerstag voriger Woche zeigt, wie die Bergwanderer hektisch zur Seite springen. Das Geröll hatte sich am Daumen der Fünffingerspitze gelöst, die dem Langkofel sein charakteristisches Aussehen gibt. Von der Toni-Demetz-Schutzhütte aus beobachteten viele Touristen am Donnerstag das Geschehen.

Die Lawine streifte laut salto.bz einen Weg, auf dem sich Wanderer befanden, auch ein Bergsteiger, der gerade in der Wand der Fünffingerspitze kletterte, erlebte den Steinschlag live mit.

Der Hubschrauber der Bergwacht suchte das Areal ab, die Besatzung entdeckte aber keine Hinweise darauf, dass Menschen zu Schaden gekommen sein könnten. Die Bergrettung Gröden war ebenso im Einsatz.

Auch bei den drei Zinnen kommt es zu wiederholten Felsstürzen

Auch in der Region der drei Zinnen in den Sextener Dolomiten kommen die Gipfel nicht zur Ruhe. Am Montag brach an der Nordseite der Dreischusterspitze (3145 Meter) ein großer Felsen ab. Erst wenige Tage zuvor hatte es am höchsten Gipfel der Sextener Dolomiten einen größeren Felssturz gegeben, berichtet die Bergrettung Innichen auf Facebook. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand. Die Bergrettung warnt aber Alpinisten vor einem Aufstieg in dem betroffenen Bereich.

Am Mittwoch vor einer Woche war dem Sender rai zufolge auf der Seite zum Innerfeldtal ein Felssturz beobachtet worden, der deutlich größer war als der jüngste.

Klettersteig im Veneto von Felssturz getroffen

Auch in den südlichen Dolomiten gab es einen Bergsturz in der Gruppe des Monte Schiara (2565 Meter) bei Belluno (Veneto). Laut ildolomiti.it beobachtete der Verwalter der Berghütte Settimo Alpini am Samstag, dass sich im Bereich der Klettersteige am Teston di Schiara Felsmassen gelöst hatten und in die Tiefe donnerten.

Auch hier stieg ein Hubschrauber des Alpenrettungsdienstes auf, um nach Verschütteten zu suchen. Außerdem setzte er drei Bergretter ab, die den Zustand des Klettersteiges der Ferrata del Marmol an der Kreuzung mit der Ferrata Zacchi überprüften. Anschließend begaben sich die Retter zum Marmol-Biwak Marmol, um nach Alpinisten zu suchen, um diese davor zu warnen, die beschädigten Klettersteige zu benutzen.

Auch im Westen des Trentino bröckelt das Gebirge

Auch in den Brenta-Dolomiten im westlichen Trentino gab es am Samstag einen Bergsturz: Am Samstag lösten sich am Punte di Campiglio (2969 Meter) bei Madonna di Campiglio von einer vertikalen Wand eine etwa 15 Meter hohe und von fünf Meter breiter und dicker Fels, was einem Volumen von 300 bis 400 Kubikmetern Gestein entspricht. Nach einem Hubschrauber-Suchflug gab es auch hier Entwarnung.

Bergwanderer vor der Silhouette der Dolomiten in Südtirol, Italien. (Archivbild)

Bei den letzten Unwettern hatte es in Cortina D‘Ampezzo und am Gardasee Felslawinen gegeben. Im Frühsommer brach in den kleinen Dolomiten der Gipfel der Cima Carega in sich zusammen. Im benachbarten Tirol kollabierte bei einem gigantischen Bergsturz in der Silvrettagruppe im Juni der Gipfel des Fluchthorns.

Rubriklistenbild: © Il T Quotidiano/youtube

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