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Der Supervulkan der Phlegräischen Felder in Italien zeigt nach einer Ruheperiode wieder Aktivität durch Beben. Jetzt wird der Ernstfall geprobt.
Pozzuoli – Seit gut zwei Jahren versetzt der Supervulkan der Phlegräischen Felder Hunderttausende Bewohner des Golfes von Pozzuoli im Westen Neapels in Angst und Schrecken. Teils kräftige Beben sorgten für Schäden und vor allem Angst unter den Menschen in der Region im Süden Italiens. Wissenschaftler halten einen bevorstehenden Ausbruch in der Vulkan-Caldera mit einem Durchmesser von 16 Kilometern jederzeit für möglich.
Pünktlich zum „Ferragosto“, also dem Himmelfahrtstag am 15. August, schien sich der Vulkan mit den 59 Millionen Bürgern Italiens aber in die Ferien verabschiedet zu haben. Die Zahl der Beben ging drastisch zurück. Gab es im Juni und Juli durchschnittlich noch an die 50 Erdstöße am Tag, wurden an mehreren Tagen im August und September gar keine Beben mehr registriert. Insgesamt wackelte die Erde im September 149 Mal, im Juni und Juli waren es je über 1200 Erdstöße. Auch die Bodenhebung halbierte sich von zwei Zentimetern im Monat seit April auf einen Zentimeter im September. Im Juli hatten noch Erdstöße ein Stück der Steilküste abbrechen lassen, in den Wohngebeten taten sich mysteriöse Löcher auf. Und dann plötzlich herrschte Stille.
Der Supervulkan im Süden Italiens meldet sich aus seiner Sommerpause zurück
Doch seit Anfang Oktober ist der Supervulkan wieder aktiver geworden. Am Samstagmorgen (5. Oktober) erschütterte ein Schwarmbeben den Golf von Pozzuoli. Die stärkste Erschütterung erreichte dabei eine Magnitude von 2,4. Im Vergleich zu dem bislang heftigsten gemessenen Erdstoß in den Phlegräischen Feldern im Mai dieses Jahres, der eine Magnitude von 4,4 hatte, ist das wenig. Damals wurde das 1000-fache an Energie freigesetzt. Auch am Sonntag (6. Oktober) bebte es wieder 14 Mal mit einer maximalen Stärke von 1,7.
Die Ruhe ist also vorbei, und auch die Hebungsrate scheint sich dem jüngsten Wochenbericht des Vesuv-Observatoriums des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zufolge in der letzten Septemberwoche wieder beschleunigt zu haben. In diesem Jahr hob sich der Boden insgesamt bereits um 15,5 Zentimeter. Seit November 2005 wurden etwa 133,5 Zentimeter Bodenhebung registriert. In den vergangenen 70 Jahren summiert sich die Hebung sogar auf vier Meter.
Italienischer Katastrophenschutz setzt neue Katastrophenschutzübung in Vulkanzone an
Also alles andere als Entwarnung also, darum finden von Mittwoch bis Freitag (9. bis 12. Oktober) die Evakuierungsübung EXE Flegrei 2024 statt, die dritte und letzte Katastrophenschutzübung in diesem Jahr in der Region, bei der auch die Evakuierung der Roten Zone getestet wird – das ist das Gebiet mit dem höchsten Risiko von Starkbeben und vulkanischer Aktivität. Alleine hier leben fast 400 000 Menschen. Das geübte Szenario ist ein Übergang von der jetzigen Alarmstufe Gelb zu Alarmstufe Orange. Die Nationale Kommission für die Vorhersage und Prävention großer Risiken – Vulkanrisikosektor (CGR-SRV) – wird am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten. Am Freitag wird der unmittelbare Erwartungszustand eines Ausbruchs simuliert.
Dabei wird der Versand einer Alarmmeldung an alle Handys in der gesamten Region Kampanien getestet, um die Bürger über die Simulation einer möglichen vulkanischen Aktivität in den Phlegräischen Feldern zu informieren. In dieser Region leben 5,802 Millionen Menschen. Ab 9 Uhr wird die Evakuierung der Bevölkerung von sieben Gemeinden der Roten Zone geübt – die Teilnahme ist freiwillig. Die Bürger werden in Wartebereiche gelotst, wo sie registriert und dann mit Sonderzügen und Bussen in die Partnerregionen erfolgt, die für die Aufnahme der Evakuierten im Notfall vorgesehen sind.
Neue Studie des italienischen Vulkan-Forschungszentrums spricht von Ausweitung der Gefahrenzone
Was die Dringlichkeit der Übung weiter unterstreicht, ist eine neue Studie des INGV: Francesca Bianco, Direktorin der Vulkanabteilung des INGV und Co-Autorin der Studie, sagt: „In den letzten 15 Monaten – von Oktober 2022 bis Dezember 2023 - gab es im westlichen Teil der Caldera eine Ausweitung der Bruchbereiche in einer Tiefe von etwa 3000 Meter unter dem Meeresspiegel.“
Die räumliche und zeitliche Verteilung der Erdbeben höben wichtige Eigenschaften des für die Phlegräischen Felder typischen Phänomens des Bradyseismos mit den von Beben begleiteten Hebungsphasen hervor. Bianco: „Das bestätigt, dass die Instabilitätsphase der Phlegräischen Felder noch andauert, wobei sich die Bruchzonen nach Vergleich der durchgeführten Messungen allmählich nach Süden und Westen ausdehnen.“


