Krisen-Ende oder Ruhe vor dem Knall?

Ruhe vor dem Knall? Supervulkan in Italien eigenartig still

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Die Phlegräischen Felder scheinen eine Sommerpause einzulegen.
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Mehr als ein Jahr hat der Supervulkan viele Menschen mit Erdbeben und einer massiven Bodenerhöhung in Angst versetzt. Jetzt ist plötzlich Ruhe.

Pozzuoli – Es ist ein monströses Schreckgespenst, das mehr als dreieinhalb Millionen Menschen im Großraum Neapel in Atem hält. Eine halbe Million davon lebt alleine in seiner Roten Zone: der Supervulkan der Phlegräischen Felder im Süden Italiens. Er gilt potenziell als der gefährlichste Vulkan der Erde, da auf ihm so viele Menschen leben, wie sonst nirgends auf so einem Lavafeld. In der Vergangenheit hat er mindestens zweimal die Region in einem Umkreis von bis zu 80 Kilometern Tod und Verderben gebracht. Sogar für das Aussterben der Neandertaler soll er mitverantwortlich sein.

Charakteristisch für die riesige Caldera mit einem Durchmesser von 16 Kilometern ist, dass sie zu atmen scheint. Sie hebt und senkt sich. Seit dem Höhepunkt des römischen Reichs ging es mächtig nach unten, weshalb die Ruinen der antiken Hafenstadt Baiae versanken und immer noch unter Wasser liegen. Bis ins hohe Mittelalter ging das Niveau seit Christi Geburt um etwa 20 Meter nach unten. Es folgte eine Anstiegsphase um rund 15 Meter, die mit dem im Vergleich zu den Eiszeiteruptionen kleinen Ausbruch des Monte Nuovo bei der Hafenstadt Pozzuoli 1538 endete. Danach ging es bis April 1950 wieder gute fünf Meter nach unten. Seitdem steigt das Niveau wiederum an - um mittlerweile mehr als sechs Meter.

Der Supervulkan in Italien scheint zu atmen – der Boden hebt und senkt sich, manchmal bricht er aus

In den 1970er und 1980er Jahren verursachten zwei Hebungsphasen, die von Beben begleitet waren, Evakuierungsmaßnahmen. Seit Mitte des vorigen Jahre sorgt eine neue Hebungsphase, begleitet von teils relativ heftigen Beben, für Angst und Schrecken – die Sorge vor einem neuen Ausbruch wurde immer größer da. Bis zu 1430 Beben pro Monat wurden registriert, vor allem im Juni und im Juli. Sogar eine Stück Steilküste stürzte ins Meer. Die heftigsten Erdstöße hatten Magnituden von 4,4, es gab Gebäudeschäden, Hunderte Häuser wurden evakuiert und müssen saniert werden.

Immer wieder sorgen Erdbeben für Schäden in den Phlegräischen Feldern wie hier Ende Mai.

Doch seit Mitte August scheint der Supervulkan Ferien zu machen. Kurz vor Ferragosto, also Maria Himmelfahrt (15. August) und somit dem Tag, an dem ganz Italien an den Strand fährt, ließen es die Phlegräischen Felder nochmal mit 142 Beben an einem Tag krachen, seitdem ist es relativ still geworden. Es gibt nur noch maximal gut 20 Erdstöße am Tag, zeitweise zeigte die App, die die Erdstöße den Einheimischen für 24 Stunden meldet, gar keine Erdstöße mehr an. Die letzte Wochenbilanz: Zwischen 26. August und 1. September 2024 wurden 28 Erdbeben registriert, in der Woche zuvor waren es 34. Zwar war hier auch ein kleineres Schwarmbeben mit dem größten Stoß der Stärke 3,7 dabei, dennoch geht der Trend deutlich nach unten.

Supervulkan plötzlich ruhig: Pünktlich zu Ferragosto scheinen die Phlegräischen Felder Urlaub zu machen

Noch deutlicher sind die Zahlen, die die Höhenmesser rund um die Hafenstadt Pozzuoli, die im Zentrum des Supervulkans liegt, melden: Am Dienstag kam der zweite ermutigende Wochenbericht des Vesuvobservatoriums für die Phlegräischen Felder heraus, das vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) betreut wird: Wichtigste Botschaft: Die Hebungsrate des Supervulkans hat sich verlangsamt. „In den letzten 20 Tagen hat sich die Geschwindigkeit des Bodenhebens verringert“, heißt es im jüngsten Bericht des Vesuvobservatoriums. Die Kurve ist auf der Seite des INGV flacher geworden.

Doch die Forscher sind noch vorsichtig, was eine Entwarnung betrifft: „Echte Fortschritte lassen sich erst mit den Daten der nächsten Wochen ermitteln“, heißt es auf der Homepage. Immerhin soll sich die Hebungsrate von zwei Zentimetern im Monat auf eineinhalb Zentimeter reduziert haben.

Ist die Ruhepause am Supervulkan in Italien ein gutes oder ein schlechtes Omen?

Bei den Bewohnern der Region keimt Hoffnung auf: „Es ist zu hoffen, dass die Steigerung auf null geht und es dann wieder nach unten geht“, schreibt ein User in der Facebookgruppe der Bewohner in der roten Zone des Supervulkans. Ein anderer ist nicht ganz so optimistisch: „Ich denke das positive ist, dass die Zahl der Erdbeben zurückgegangen ist, aber die Geschwindigkeit des Bodenhebens bleibt. Andere sehen in der derzeitigen Stille ein böses Omen: „Verlangsamung bedeutet nicht, dass es vorbei ist oder schlimmer, es könnte ein Hinweis auf einen Ausbruch sein. Vielleicht steht uns der Mega-Crash bevor.“

Zuletzt hatten andere italienische Vulkane für Furore gesorgt: Europas größter Vulkan, der Ätna, lieferte mit spektakulären Eruptionen beeindruckende Bilder. Der kleine Stromboli auf der kleinen gleichnamigen Insel schien sich ein Duell mit dem großen Bruder liefern zu wollen und brach ebenfalls heftig aus.

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