Video zeigt gewaltige Staubwolke

Bei Italiens Supervulkan: Steilküste bricht nach Beben ab – Phänomen tötete bereits mehr als 100 Menschen

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Vor den Augen der Badegäste stürzte ein Teil der Steilküste ein.
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In den Phlegräischen Feldern im Süden Italiens ist ein Abschnitt der Steilküste eingestürzt. Badegäste wurden von dem Ereignis überrascht. Kurz zuvor hatte sich ein Erdbeben in der Nähe ereignet.

Monte Procida – Es ist Hochsommer im Süden Italiens. Temperaturen von bis zu 36 Grad treiben auch in der Bucht von Pozzuoli die Einheimischen ans Meer. Nichts wie ab ins Nass, um sich ein wenig abkühlen zu können. Doch die Bucht von Pozzuoli ist nicht irgendeine Bucht. Sie ist Teil der riesigen Caldera der Phlegräischen Felder, ein Megavulkan, der in der Eiszeit mindestens zweimal mit kolossalen Ausbrüchen die ganze Bucht von Neapel verwüstet hat. Seit vorigem Jahr schüren Erdbeben die Ängste der Einheimischen – rund eine halbe Million Menschen leben in der Roten Zone des Supervulkans. Auch Wissenschaftler warnen vor einem bevorstehendem Ausbruch.

Gegen 11.57 Uhr erschüttert am Donnerstag (11. Juli) ein Erdstoß der Stärke 2,7 die Region. Diese Beben sind die Menschen im Golf von Pozzuoli längst gewohnt, der Supervulkan hatte schon mit wesentlich stärkeren Erdstöße mit einer Stärke von 4,4 für Schäden und Panik gesorgt. Doch wenige Minuten später hallt ein Donnern durch die Luft am Strand von Miliscola in Monte Procida, der Nachbargemeinde von Pozzuoli. Große Staubwolken ziehen übers Meer. An der Steilküste ist ein Stück der 100 Meter hohen Wand abgebrochen, die direkt an den Strand angrenzt. Steine, Kies und Sand donnerten in die Tiefe.

Donnern und Staubwolke versetzt Badegäste in Angst und Schrecken

Laut lacittanews.it versetzte der Erdrutsch viele der anwesenden Schwimmer in Angst und Besorgnis, da sie durch den Lärm herabfallender Trümmer und den durch den Erdrutsch freigesetzten Staub erschreckt wurden. Es gab nach bisherigem Kenntnisstand keine Opfer, der schmale Strand unter der Steilküste, an die ein Wanderpfad entlang führt, war bereits gesperrt.

Schnell machte aber das Gerücht die Runde, dass das Erdbeben, das sich kurz zuvor in sechs Kilometer Entfernung ereignet hatte, den Erdrutsch verursacht hatte. Das Vesuv-Observatorium des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie INGV in Neapel dementierte das. Der Direktor des Vesuv-Observatoriums Mauro Di Vito betonte gegenüber LaPresse: „Der Erdrutsch ist ein Ereignis, das in Momenten auftreten kann, in denen meteorologische Verhältnisse bestimmte Prozesse begünstigen können. In Momenten besonderer Dürre und Trockenheit des Bodens neigt dieser dazu, sich neu auszurichten und daher zusammenzubrechen.“

Bürgermeister macht Supervulkan verantwortlich und fordert Konsequenzen

Josi Gerardo Della Ragione, der Bürgermeister von Bacoli, dem Nachbarort von Monte Procida, sieht dennoch ein Zusammenhang mit dem Supervulkan. Der hebt sich langsam und schüttelt mit seinen Beben die ganze Region durch: „Ich werde jetzt fragen, ob die Regierung die Sicherheit der Bergrücken gewährleistet, die ständig durch die Erschütterungen des Bradyseismus belastet werden“, so Della Ragione,

Unter Bradyseismus versteht man das Phänomen der vulkanischen Bodenhebung und der damit verbundenen Erdbeben. „Die Bergrücken leiden derzeit unter Bradyseismus mit anhaltenden Erschütterungen und sind von Natur aus anfällig für Erdrutsche“, so der Ortschef.

Die Erdrutsche in den Phelgräischen Feldern forderten bereits über 100 Todesopfer

Die Hügel und Hänge der Region bestehen aus lockerem Tuffgestein, das sich bei den Ausbrüchen der vergangenen 50.000 Jahre abgelagert hat – erkaltete Asche, in die größere zu Steinen erstarrte Lavabomben eingelagert sind. Die von Hebungen und Erdbeben verursachten Erdrutsche haben im Gebiet der Phlegräischen Felder bereits Hunderte Menschenleben gefordert.

So ereigneten sich einer Studie des italienischen nationalen Forschungsrates zufolge zwischen 1828 und 2017 insgesamt 2302 Erdrutsche in der Region. Bei 53 Erdrutschen kamen demnach insgesamt 127 Menschen ums Leben. Die meisten Erdrutsche ereigneten sich an der Küste, wo die Meeresbrandung für besonders große Erosion sorgt.

Derzeit sorgen nicht nur die Phlegräischen Felder für Aufregung: Auf Sizilien gibt es einen erneuten heftigen Ausbruch des Ätna. Gleichzeitig hat sich am Stromboli auf der gleichnamigen Insel nördlich von Sizilien eine Eruption in Ausmaßen ereignet, die es lange nicht mehr gab.

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