Vor kurzem erst 100-jähriges Jubiläum

Juba: Die Hauptstadt des Südsudans

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Juba, Hauptstadt des Südsudans.

Die Bevölkerung der südsudanesischen Hauptstadt Juba besteht aus etwa 500.000 Einwohnern. Die Hauptstadt ist Zentrum von Geschichte und Politik des Südsudans.

Juba – Die junge Hauptstadt des Südsudans hat erst vor kurzem ihr 100-jähriges Jubiläum feiern können. Mit einer Bevölkerung von rund 500.000 Einwohnern ist die Hauptstadt die mit Abstand größte Stadt des Südsudans.

Juba: Geographie und wichtige Daten

Erst im Jahr 1922 gegründet, ist Juba (oder Dschuba) eine der jüngsten Hauptstädte der Welt. Dieser Fakt korrespondiert gut mit der Geschichte des Südsudans, da es sich bei der aktuellen Republik Südsudan um das jüngste Land Afrikas und der Erde handelt. Der Staat betrachtet sich seit dem Jahr 2005 als autonom und wird seit dem Jahr 2011 auch dementsprechend von der Politik der Weltgemeinschaft anerkannt.

Im Gegensatz zu der großen islamischen Dominanz im Nachbarland Sudan ist die Bevölkerung des Südsudans eher christlich geprägt. Die prozentualen Verteilungen sehen wie folgt aus:

  • 1. Christentum: 60,5%
  • 2. Traditionelle afrikanische Religionen: 32,9%
  • 3. 6,2% Islam
  • 4. 0,4% Andere Religionen / Keine Religion

Die Hauptstadt selbst hat eine Fläche von lediglich 52km², was exakt der Fläche der Stadt Luxemburg in Europa entspricht. Mit rund 500.000 Einwohnern lebt mit etwa 5%, ein nur vergleichsweise kleiner Teil der Bevölkerung des Südsudans in der Hauptstadt. Da die Hauptstadt nahe dem Äquator liegt, ist das Klima dementsprechend heiß und eher trocken. Die Temperaturen liegen schwankungsarm bei einem Jahresmittel von 27,5 Grad Celsius. Juba kommt auf knapp 2700 Sonnenstunden im Jahr. Baden-Württemberg ist das sonnigste Bundesland Deutschlands und bringt es lediglich auf gut 1800 Sonnenstunden pro Jahr.

Juba: Gründung der Stadt

Schon im frühen Mittelalter bestand eine Abgrenzung des nördlichen Teils des Sudans vom südlichen Teil des Sudans, der heute Südsudan genannt wird. Das nubische Königreich Alwa war eines der drei christlich geprägten nubischen Königreiche der Geschichte. Dessen Einflussgebiet reichte etwa bis an die heutige Nordgrenze des Südsudans heran. Dieser Einfluss dauerte bis etwa ins Jahr 1500 an. Zusätzlich wanderten ab dem 10. Jahrhundert die nilotischen Völker Afrikas in das Gebiet ein.

Diese zeichnen sich durch eine gemeinsame, die nilotische, Sprache aus. Beispiele dieser Völker waren die Dinka, die Nuer und die Schilluk. Aus diesen beiden Einflüssen heraus erklärt sich die heutige Zusammensetzung der Religionen im Südsudan. Noch heute gehören mehr als 90% der Bevölkerung entweder dem Christentum, oder einer der traditionellen afrikanischen Religionen an. Dies steht im großen Kontrast zum, auch in der Politik, islamisierten Nachbarland Sudan.

Im Jahr 1821 begann das Osmanische Reich von Ägypten aus den Nordsudan einzunehmen. Diese Operation war von Erfolg gekrönt und so startete man ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Jagd auf Sklaven im südlichen Sudan. Diese Provinz war bis dato nicht eingenommen worden. Da immer wieder osmanische Truppen in das Land eindrangen, wurde hier bereits der Grundstein für die Feindschaft zwischen dem südlichen und dem nördlichen Sudan, sowie die Abneigung der Bevölkerung des heutigen Südsudans gegenüber dem Islam gelegt. Im Jahr 1871 konnte das Osmanische Reich schließlich auch den südlichen Sudan angliedern.

Nach der Machtergreifung durch die Briten ab dem Jahr 1875 kam es zu Aufständen, die vor allem gegen das von den Briten auferlegte Verbot des Sklavenhandels aufbegehrten. Daraus resultierte die Mahdi-Bewegung, die einige Teile des Landes unter ihre Gewalt bringen konnte und den Sklavenhandel wieder erlaubte. Wieder einmal konnte die Nordgrenze des heutigen Südsudan nicht überquert werden und somit war der südliche Sudan wieder einmal sich selbst überlassen.

Die Mahdi wurden im Jahr 1898 von den Briten geschlagen und diese läuteten im ganzen Land das Zeitalter der Kolonialisierung ein. Eine Zusammenarbeit zwischen griechischen Händlern und den britischen Kolonialherren führte im Jahr 1922 zur Gründung der heutige Hauptstadt Juba an einem strategisch günstigen Punkt am Weißen Nil.

Juba: Sezessionskriege und Autonomie des Südsudans

Die Zuwanderungsströme und kriegerischen Auseinandersetzungen der Geschichte ließen zwei völlig verschiedene Landesteile im Norden und Süden zurück, die sich zusätzlich aus völlig verschiedenen Ethnien und Religionen zusammensetzten. Trotzdem entschied die Politik im Nordsudan zusammen mit den britischen Kolonialherren, dass die Landesteile zusammengehören sollten.

Die sogenannte ‚Dschuba-Konferenz‘ fand im Jahr 1947 in Juba statt. In der Folge fanden mehrere Sezessions- und Bürgerkriege statt, in denen der Südsudan seine Unabhängigkeit forderte. Der erste erstreckte sich vom Jahr 1955 bis ins Jahr 1972 und forderte mindesten 500.000 Todesopfer aus Armee und Bevölkerung beider Landesteile. Er endete mit einem Waffenstillstand und einer autonom verwalteten Region im Südsudan.

Im Jahr 1983 flammten die grausamen Kämpfe wieder auf, in die auch Kindersoldaten involviert waren. Wieder erstreckten sich die Kämpfe über viele Jahre bis ins Jahr 2005. Es kam schließlich auf Druck der internationalen Gemeinschaft zu einem Friedensabkommen und der Autonomie des Südsudan. Im Jahr 2011 wurde die Republik Südsudan nach einem Referendum großflächig als unabhängiger Staat akzeptiert.

Juba: Politik

Bis heute ist die Politik des Staates Südsudan nicht stabil. Nach der Geschichte jahrelanger Kämpfe um Staatsgebiet und politische Führung, zuletzt im Bürgerkrieg zwischen 2013 und 2018, kommt nur langsam Ruhe im Land an.

Die Hauptstadt Juba wird von einem, von der Bevölkerung gewählten, Stadtrat geleitet, dessen Leitung wiederum durch den jeweiligen Bürgermeister erfolgt. Die Institutionen der Politik des Südsudans befinden sich allesamt ebenfalls in der Hauptstadt. Allen voran einem Zweikammerparlament, welches aus der Nationalen Legislativversammlung und einem Rat der Staaten besteht. Dieser Rat bildet sich aus den verschiedenen Bundesstaaten des Südsudans.

In den verschiedenen politischen Indizes rangiert das Land stets auf den letzten Plätzen. So wird das Land von internationalen Beobachtern als instabil, unfrei und korrupt wahrgenommen.

Juba: Wirtschaft

Der Südsudan hat viele natürliche Ressourcen, von denen die Bevölkerung in der Geschichte des Landes kaum profitiert hat. Es ist gemeinhin bekannt, dass die Politik sich einen Großteil der Profite selbst zuführt. Nach Berechnungen von Experten könnten allein die Mittel, die die Politik unterschlägt, ausreichen, um die Armut im Land zu bekämpfen. In einem nicht nur wirtschaftlich unterentwickelten Land sticht die Hauptstadt Juba mit Wachstum heraus. Viele Dienstleistungsunternehmen des Landes haben ihren Sitz in der Hauptstadt.

Die größten Exportwaren des Landes sind Rohöl, Gold, Getreide und Holzprodukte. Das Volumen der Exporte belief sich im Jahr 2019 auf mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar. Wobei etwa 95% davon auf den Handel mit Rohöl entfallen. Der Südsudan hat eines der größten Ölvorkommen in Afrika und gilt dennoch als das zweitärmste Land der Welt. Der Grund dafür ist wohl in der massiven Korruption der Politik zu suchen.

Juba: Traditionelle Küche

Die südsudanesische Küche ist etwas traditioneller als die Küche im Nachbarland Sudan. Hier fehlt der arabische Einfluss und die Zeit unter den Briten war ebenfalls deutlich kürzer. Viele Speisen haben die ersten Völker etabliert. Die beliebtesten sind:

  • Kuidong: Eine Speise der Dinka Bevölkerung. Eine gesüßte Mehlspeise, die mit Milch, Joghurt, Mehl, Zucker und Butter hergestellt wird. Wird für gewöhnlich als Dessert gegessen.
  • Kisra: Kisra ist ein Fladenbrot aus fermentiertem Mehl. Es wird traditionell mit einem Eintopf aus getrockneten Zwiebeln, Fleisch, Gewürzen und Erdnussbutter gegessen.
  • Umfitit und Elmaraara: Diese Vorspeise wird roh serviert und besteht aus Schafsinnereien, Zwiebeln, Erdnussbutter und Salz. Diese Vorspeise wird für gewöhnlich vor einer größeren Hauptspeise verzehrt.
  • Kajaik: Durch die vielen Flüsse im Südsudan ist auch Fisch in der Geschichte der traditionellen Küche des Südsudans heimisch. Dieser Eintopf besteht aus getrocknetem Fisch und wird auch oft als Haferbrei gegessen.

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