Starker Wintereinbruch

Kälte-Welle wie seit 19 Jahren nicht mehr: Italien versinkt im Schnee – auch im Süden

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In Italien kommt eine Menge Schnee vom Himmel, etwa wie hier auf Sardinien.
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Während man nördlich des Alpenhauptkamms sehnsüchtig auf die weißen Flocken wartet, versinkt Italien im Schnee – auch Sardinien. Das zeigen erstaunliche Bilder.

Rom – Schneeberge in Regionen, wo Palmen wachsen und die für ihre Strände berühmt sind: Italien kämpft mit einem heftigen Wintereinbruch. Vor allem die Regionen Ligurien, Emilia-Romagna, Toskana und Sardinien sind betroffen.

Der Agentur ANSA zufolge fielen etwa in Varese (Ligurien) am Montag (9. Dezember) in den Hügeln oberhalb der Riviera in einer Stunde 14 Zentimeter Schnee, in der Gegend von Savona an der Küste waren es drei Zentimeter. Die Temperaturen sanken in der Region auf -4,9 Grad in Poggio Fearza im Landesinneren. Das Ganze wurde von heftigem Sturm begleitet, mit Böen über 100 km/h im Landesinneren und etwa 90 km/h entlang der Küste. Die Folge ist ein heftiger Seegang. Grund für die extreme Wetterlage ist ein Tiefdruckgebiet, das den Mittelmeerraum fest im Griff hat und kalte Luft aus Osten in die Urlaubsregion pumpt.

Wetter-Chaos in Italien: Wochenlang ist es so kalt, wie seit 19 Jahren nicht mehr

Das kalte Wetter in Italien hält schon seit Wochen an. Die Wetterstation am Flughafen Aosta registrierte etwa den kältesten November seit 19 Jahren. Die Tiefsttemperatur lag bei -8,3 Grad am 24. November. Es gab 19 Frosttage mit Tiefsttemperaturen unter null Grad. Der Flughafen von Aosta liegt mit 546 Metern in etwa so hoch wie München, wo keine derartigen Temperaturen gemessen wurden.

In der Emilia-Romagna fiel Schnee bis in die Po-Ebene hinunter, auf den Pässen der Apenninen schneite es stundenlang, auch am Dienstag (10. Dezember). Der Katastrophenschutz der Toskana rief gelben Alarm aus. „Achtung, an die Ketten- oder Winterreifenpflicht auf den Straßen denken, wenn Sie die Schönheit des Schnees in vollen Zügen genießen wollen!“, postete der toskanische Gouverneur Eugenio Giani in den sozialen Medien. Der Naturpark Antola bei Genua postete seltene Schneefotos bei Facebook.

In den Alpen-Regionen Veneto und Trentino fiel am Wochenende sogar bis zu ein halber Meter Schnee. In der Region Modena rückten Bergretter aus, weil ein älterer Mann in den Bergen des Apennin in seinem Haus eingeschneit war und keinen Strom sowie nur wenig zu essen hatte. Die fünf Einsatzkräfte erreichten ihn nur über Tourenski und brachten ihm Nahrungsmittel und schalteten den Bürgermeister ein, der sich nun um den Mann kümmern soll.

Sardinien versinkt im Schnee: Touristen und Zimmervermieter freuen sich

Auf Sardinien und in den Abruzzen war die Schneefallgrenze zwischenzeitlich auf etwa 1000 Meter gesunken. Auf den bis zu 1834 Meter hohen Bergen bildet sich eine geschlossene Schneedecke – auch auf den Straßen. Schneepflüge und Streufahrzeuge waren im Einsatz. Die Touristiker im Nuoro-Gebirge freuen sich über die weiße Pracht. „Wir sind ausgebucht, die Leute wollten Schnee und Berge“, sagte eine Bäuerin, die Zimmer vermietet zum Portal unionesarda.it. „Wir wollten um jeden Preis dort sein, um Zeit an diesem wundervollen Ort zu verbringen“, berichtet den Reportern ein Mädchen, das am Morgen mit einer großen Gruppe von Freunden ankam.

In Kalabrien an der Stiefelspitze Italiens schneite es in den bis zu 2248 Meter hohen Bergen der Sila und des Pollino auf 1200 Meter herunter. In den tieferen Lagen Süditaliens und auf den Inseln prägten starke Winde und sintflutartige Regenfälle die Wetterlage. Venedig wurde von dem neuen Sturmflutsperrwerk MOSE vor dem Hochwasser geschützt, das der Sturm in die Adria-Bucht der Stadt drückte. Schon im November 2023 war das Hochwasserschutzsystem aktiviert worden.

Experten hatten bereits einen harten Winter für Italien vorausgesagt. Wegen starker Winde waren kürzlich rund 150 Skifahrer im Skigebiet Alagna Valsesia an der Grenze des Piemont zur Schweiz in den Bergstationen der Skilifte gefangen, weil keine Bahn mehr fahren konnte. Im November hatten heftige Regenfälle die Apenninen Halbinsel überflutet. Wetterexperte Dominik Jung hatte vor sintflutartigen Regenfällen in Italien gewarnt.

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