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Forscher untersuchen die Verbindung zwischen El Niño und dem Klimawandel. Ein Dauer-Wetterphänomen könnte die Krise verschärfen.
München – Alle zwei bis sieben Jahre tritt El Niño im Pazifik auf und verursacht weltweit extreme klimatische Veränderungen durch Luft- und Meeresströme. In Zukunft könnte das zur Normalität werden. Forscher befürchten, dass die teils verheerenden Auswirkungen des Wetterphänomens nicht nur zunehmen, sondern auch zur alltäglichen Realität werden könnten.
„Es wäre eine Katastrophe“: Forscher befürchten El Niño im Dauerzustand
Ralf Schiebel, ein Klimaforscher vom Max-Planck-Institut für Chemie, erklärte am Montag (15. April) gegenüber der ARD: „Wir sammeln biologische Daten, chemische Daten und physikalische Daten wie zum Beispiel CO₂-Konzentration in der Atmosphäre und dem Ozean, um zu verstehen, wie das alles zusammenhängt“. Schiebel und sein Forschungsteam sind derzeit auf einem Segelschiff zwischen Panama und Galapagos unterwegs, wo sie Mikroplankton analysieren, das Einblicke in das Klimasystem der letzten 25 Millionen Jahre liefert.
Die Forscher sind besorgt, da es vor drei Millionen Jahren auf der Erde für Jahrtausende einen Dauer-El Niño gegeben haben soll. Damals waren die „CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre“ und die „globale Mitteltemperatur“ ähnlich hoch wie heute. Derzeit fehlen noch drei Grad Celsius, um dieselbe Temperatur zu erreichen, aber bis zum Ende des Jahrhunderts könnte dies der Fall sein. Mojib Latif, ein Meteorologe aus dem Forschungsteam, warnte: „Es wäre eine Katastrophe, wenn es eine Art Dauer-El-Niño geben würde. Wenn das System sich einloggt in einen Zustand, aus dem es gar nicht mehr herauskommt“.
Was bedeutet „El Niño“?
El Niño beschreibt ein unregelmäßig wiederkehrendes Phänomen, bei dem sich die Wasseroberfläche im Pazifik vor der Küste Südamerikas erwärmt. Als Folge wird das Klima und der Niederschlag in vielen Regionen auf der Welt stark beeinflusst und es kommt zu Extremwetter-Ereignissen. Während zum Beispiel in südlichen afrikanischen Ländern, in Australien und Indonesien Dürre und Hitze herrschen, kämpfen andere Regionen, wie der Westen Südamerikas und Teile Afrikas, mit heftigen Regenfällen. Es kommt vermehrt zu Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutschen.
„Was heute El Niño ist, könnte mehr oder weniger der zukünftige Normalzustand sein“
Obwohl diese Theorie noch nicht wissenschaftlich bestätigt ist, sind auch andere Experten besorgt. Professor Thomas Birner vom Meteorologischen Institut der LMU äußerte bereits in einem Artikel von 2023 seine Bedenken: „Die Klimaszenarien des Weltklimarats (IPCC) deuten an: Was heute El Niño ist, könnte mehr oder weniger der zukünftige Normalzustand sein“.
Er warnte auch vor verstärkten Auswirkungen: „Wenn sich die Welt ohnehin inmitten einer Klimakrise befindet und es jedes Jahr wärmer wird, wirkt sich El Niño zusätzlich verstärkend in den betreffenden Jahren aus“. Daher ist es nicht überraschend, dass neue Eskalationen der Klimakrise besonders während El-Niño-Phasen auftreten.
El Niño sorgt noch bis Mai für Rekordhitze – als Hauptschuldigen sehen Experten den Klimawandel
El Niño, das in La Niña das Gegenstück hat, hatte in den letzten Monaten in vielen Teilen der Welt extremes Wetter und Temperaturen zur Folge. In Tansania sind seit Anfang April mindestens 58 Menschen durch heftige Regenfälle und Überschwemmungen gestorben. In Simbabwe hat Präsident Emmerson Mnangagwa aufgrund der anhaltenden Dürre den Notstand ausgerufen. Guatemala kämpft mit zahlreichen Waldbränden aufgrund der extremen Trockenheit und in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá musste der Wasserverbrauch der Bevölkerung aufgrund der extremen Trockenheit eingeschränkt werden.
Laut Prognosen von UN-Experten wird El Niño noch bis Mai für Rekordtemperaturen sorgen. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gab bekannt, dass der seit Juni 2023 aktive El Niño im Dezember seinen Höhepunkt erreicht hat. Obwohl er sich nun langsam abschwächt, werden seine Auswirkungen noch einige Monate zu spüren sein. Die WMO erwartet bis Mai „überdurchschnittlichen Temperaturen“ über „fast allen Landflächen“ der Erde.
Das vergangene Jahr war laut WMO das bisher heißeste seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sagte, obwohl der Klimawandel der „Hauptschuldige“ war, trug El Niño zumindest teilweise dazu bei. Da das Wetterphänomen nach seinem Höhepunkt typischerweise noch stärker auf die globalen Temperaturen wirkt, könnte 2024 noch heißer werden.
Rubriklistenbild: © Shaun Jusa/Imago


