„Übersättigt“

Sieben Gründe, warum Altkleider-Spenden eindeutig problematisch ist

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Die Mode-Branche ist verantwortlich für Berge von aussortierter Kleidung. Wer diese Bekleidung über Altkleidercontainer loswerden will, sollte ein paar Dinge wissen.

Die Art und Weise, wie wir Kleidung kaufen, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Anstatt auf Qualität zu setzen, legen viele Menschen Wert darauf, eine Vielzahl von Kleidungsstücken zu besitzen und daraus unzählige Outfits zu kreieren. Online-Shops wie Shein und Trendyol erfreuen sich großer Beliebtheit, und es gibt sogar eine Beicht-Hotline, die der Gen Z bei „Fast Fashion“-Exzessen helfen soll.

Billige Kleidung ist oft von minderer Qualität und geht daher schneller kaputt. Zudem sind Kleidungsstücke, die vor zehn Jahren noch in Mode waren, heute völlig veraltet. Die Skinny Jeans wird jetzt nämlich vom Y2K-Style abgelöst. So entsteht ein riesiger Berg an Altkleidern, den wir nur allzu gerne in den nächstgelegenen Container werfen.

Doch Vorsicht: Das Spenden von Kleidung kann problematisch sein. BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA sammelt sieben Gründe, warum wir vor unserem nächsten großen Ausmisten noch einmal nachdenken sollten, wohin wir die Altkleider werfen und warum wir so viel Klamotten besitzen.

1. Es gibt einfach ZU VIELE gespendete Kleidungsstücke.

Ein Altkleider-Container steht auf einem Parkplatz.

Laut der Umweltagentur EEA hat sich die Menge der aus der EU exportierten gebrauchten Textilien in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht. Dies stellt Europa vor große Herausforderungen, insbesondere da der Second-Hand-Markt in Europa übersättigt ist.

2. Gespendete Kleidung wird meist nach Afrika oder Asien exportiert, wo sie niemand haben will.

Da die Kapazitäten für Wiederverwendung und Recycling in Europa begrenzt sind, wird ein Großteil der aussortierten und gespendeten Kleidung nach Afrika und Asien exportiert. Doch dort seien sie gar nicht erwünscht, so die Umweltexperten der EEA. „Einmal exportiert, ist das Schicksal gebrauchter Textilien oft ungewiss.“ – weil sie auch dort niemand wolle.

3. Deshalb landen viele Kleidungsstücke in Afrika und Asien einfach auf offenen Mülldeponien.

Kein Wunder, denn im Jahr 2000 wurden rund 550.000 Tonnen Textilien exportiert, 2019 waren es fast 1,7 Millionen Tonnen. Die Textilien werden auf anderen Kontinenten wie Afrika und Asien hauptsächlich lokal wiederverwendet. Doch die Nachfrage ist niedriger, als das Angebot. Was nicht wiederverwendet werden kann, landet auf offenen Mülldeponien, so die Umweltagentur.

4. Kleidung aus Europa schwächt den Markt in Entwicklungsländern.

Ein Mann arbeitet auf einem Markt in Ghanas Hauptstadt Accra, wo unter anderem Kleidung aus Europa verkauft oder weiterverarbeitet wird.

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass zu viele Second-Hand-Kleidungsstücke nach Westafrika exportiert werden. In Ländern wie Ghana kommen so viele Textilien und Textilabfälle an, dass die heimische Produktion in dem Entwicklungsland darunter leidet und enorme Umweltprobleme entstehen. „Es ist eine staatliche und eine Unternehmensverantwortung“, betont Arbeitsminister Hubertus Heil. Die Bundesregierung unterstützt daher die EU-Kommission bei der Vorbereitung eines europäischen Lieferkettengesetzes.

5. Die Kleidung, die wir spenden, ist oft von minderwertiger Qualität.

Verantwortlich für die niedrige Qualität von unserer gespendeten Kleidung ist der Trend zu Marken wie Shein, deren Qualität und Nachhaltigkeit zu wünschen übrig lässt. Die Kleidungsstücke, die in Altkleidercontainern landen, sind oft von minderwertiger Qualität und enden dann (siehe Punkt drei) automatisch auf ausländischen Müllhalden.

6. Kaputte Textilien sind sogar im Hausmüll besser aufgehoben.

Man könnte meinen, dass Klamotten dann recycelt und zu anderen Dingen weiterverarbeitet werden könnten. Aber die Menge an minderwertigen Textilien ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass der Bedarf an textilen Rohstoffen für das sogenannte „Downcycling“, also dass aus guten Klamotten zum Beispiel Lappen entstehen, mehr als gedeckt ist. Viele der Textilien müssen daher verbrannt werden – was für die Umwelt nicht gerade gut ist.

Besser ist es also, vor allem kaputte Klamotten (zum Beispiel zu häufiges Waschen kann ihnen schaden) selbst zu downcyceln, also sie zu Lappen und Co. zu verarbeiten. „In jedem Fall sollten kaputte, defekte oder zerschlissene Textilien NICHT in eine gemeinnützige Sammlung gegeben werden.“

7. Viele Altkleider-Container sind nicht gerade vertrauenswürdig.

Ökotest warnt, dass es im Geschäft mit ausrangierter Kleidung immer wieder „schwarze Schafe gibt, die den Anschein der Wohltätigkeit erwecken, jedoch in die eigene Tasche wirtschaften“. Geraten wird deswegen, „nur an Sammlungen“ zu spenden, „die mit einer deutschen Adresse und einer Festnetznummer erreichbar sind“.

Seriöse Sammelstellen erkennt man laut Ökotest an verschiedenen Siegeln oder am Logo der lokalen Abfallbehörde. Dazu gehören das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das BVSE Qualitätssiegel Textilsammlung, das Siegel „FairWertung“ oder das DZI-Spendensiegel

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

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