Phlegräische Felder

Italiens Supervulkan nimmt Fahrt auf: Erdbeben erschrecken Anwohner – „Haustüren fast aus den Angeln geflogen“

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Neue Beben am Solfatarakrater des Supervulkans in Italien sorgen für Angst und Schrecken.
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Zwei neue heftige Erdstöße erschüttern die Phlegräischen Felder bei Neapel. Dabei hatte eine kleine Pause der Hebung des Gebietes den Bewohnern Hoffnung gemacht.

Neapel/Pozzuoli – Die riesige Caldera der Phlegräischen Felder im Süden Italiens sorgt wieder dafür, dass die halbe Million Menschen, die dort wohnen, sich erneut Sorgen vor einem Vulkanausbruch oder einem heftigen Erdbeben machen. Dabei hatte es kurzzeitig Hoffnung gegeben, dass die Lage sich entspannt.

Atempause bei der Aufwölbung nährte Hoffnung bei den Anwohnern

Die Aufwölbung des Vulkans, die von einer Magmablase im Erdinneren verursacht wird, die heiße Gase und Wasser an die Erdoberfläche schickt, hatte sich in der ersten Juliwoche deutlich verlangsamt. Das meldete das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut (INGV) am 9. Juli in seinem Wochenbericht über das Gebiet. Man wollte noch weitere Messungen abwarten, um detailliertere Aussagen zu machen, hieß es.

Donnerstagfrüh (18. Juli) um 8.08 Uhr weckte ein Beben die Menschen aus den Träumen, die Krise könnte vorüber sein: Die Seismographen des Vesuv-Observatoriums des INGV meldeten ein Erdbeben der Stärke 3,6, dessen Epizentrum im Gebiet von Agnano Pisciarelli in einer Tiefe von etwa 2,4 Kilometern lag. Dieses liegt somit am Rande des berühmten Solfatarakraters, einer der rund 70 Vulkane innerhalb der 16 Kilometer breiten Caldera der Phlegräischen Felder.

Supervulkan nimmt mit hohem Tempo wieder Fahrt auf

Das Beben, das mehrere Sekunden dauerte, wurde von den Bewohnern der oberen und unteren Stadtteile von Pozzuoli und in den westlichen Stadtteilen von Neapel deutlich gespürt. Der Erdstoß wurde wieder von einem Dröhnen begleitet, das von den Bewohnern in der Nähe des Epizentrums sowie von jenen des Küstenstreifens wahrgenommen wurde. Bis 10.50 Uhr folgten 13 weitere Erdstöße, der größte davon hatte um 8.26 Uhr eine Magnitude von 1,7. Über Schäden gab es zunächst keine Berichte.

Dass der Riesenvulkan die Menschen wieder durchschüttelt, deckt sich mit dem, was der jüngste INGV-Wochenbericht am Mittwoch (17. Juli) meldete: Die Phlegräischen Felder sind ab der zweiten Juliwoche wieder zu der enorm hohen Hebungsrate von zwei Zentimetern im Monat zurückgekehrt. „Anfang Juli erwarteten wir, dass sich diese Werte ändern könnten, kehrten aber stattdessen zur Hebung von zwei Zentimetern pro Monat zurück, was objektiv ein Höchstwert ist“, sagte der Direktor des INGV-Vesuv-Observatoriums, Mauro Di Vito, gegenüber Adnkronos.

Seit Januar 2011 hat sich das Niveau um 1,25 Meter gehoben. Das sind 37,5 Zentimeter mehr, als bei der letzten Krise in den Phlegräischen Feldern in den 1980er Jahren. Seit den 1950er Jahren ist der Boden sogar um insgesamt vier Meter angestiegen – so hoch lag das Bodenniveau seit dem letzten Ausbruch im 16. Jahrhundert nicht mehr.

Die Bürger zweifeln an den veröffentlichten Messwerten

Die Anwohner haben den Erdstoß um 8.08 Uhr viel stärker empfunden, als es das INGV angab. „Es hat sich viel stärker angefühlt, als 3,6. Die Haustüren sind fast aus den Angeln geflogen“, schreibt eine Userin bei Facebook. Weitere berichten: „Es war anders sonst.“ Der Geologe Aldo Piombino schreibt in der Facebookgruppe der Anwohner der Roten Zone sarkastisch: „Sagen wir es mal so: die Größenordnung wird von einer bekannten Jury bestimmt und nicht von den Instrumenten.“

Supervulkan sorgt für Angst und Schrecken – diese Bilder zeigen die spektakulärsten Vulkanausbrüche Italiens

Die Stadt Centuripe westlich von Catania wird vom Ätna überragt.
Der zur Zeit etwa 3357 Meter hohe Ätna bei Catania (hier mit der Stadt Centuripe im Vordergrund) ist der größte aktive Vulkan Europas. Er bricht gewöhnlich mehrmals in einem Jahr aus. Im Jahre 2021 spuckte er fünf Mal Lava, dieses Jahr (2023) bereits zwei Mal. Meistens ergießen sich die Lavaströme aber nicht in bewohntes Gebiet. © Imago/UIG
Eine Eruption des Ätnas
Lava fließt aus dem Krater des Ätna in Richtung Tal - hier im Jahre 2012. Wenn sich neue Spalten an den Flanken des Vulkans bilden, kann es vorkommen, dass der Lavastrom Straßen sich über Seilbahnstationen und Straßen ergießt.  © imago stock&people
Ätna-Ausbruch: Lava überquert eine Straße
Am 18. Juli 2001 ströme nach einem Ausbruch des Ätna aus einer Spalte ein Lavastrom auf die Kleinstadt Nicolosi zu, in der 1983 Lava 20 Häuser verschüttet hatte. Durch das Bespritzen der Lava mit Wasser und dem Bau eines Erdwalls gelang es, dieses Restaurant zu retten. Später brannte die Bergstation der Ätna-Seilbahn aus, als sie die Lava erreicht hatte. © epa ansa Scardino-Ragonese
Ein Deckenfresko zeigt den Lavafluss vom Ätna nach Catania im Jahr 1669.
Der schwerwiegendste Ausbruch des Ätna ereignete sich 1669, als die Lava sich bis in die Hafenstadt Catania ergoss. Sie schloss das zuvor an einer Bucht gelegene Castello Ursino wurde von der Lava umströmt und liegt seitdem mehrere hundert Meter landeinwärts. Gut zehn Ortschaften, darunter Nicolosi und Belpasso, wurden von der Lava verschlungen. Es gab aber keine Tote, da die Lava langsam floss. © wikipedia Fresko von Gioacinto Platania
Eine riesige Aschwolke steigt beim Ausbruch des Vesuv 1944 empor.
Weitaus gefährlicher als der Ätna ist der Vesuv bei Neapel, der meist sehr explosiv ausbricht und bis zu 7000 Grad heiße Gas- und Aschwolken ausstößt. Der letzte Ausbruch ereignete sich am 18. März 1944. Trotz Evakuierung von 12 000 Menschen fanden 26 Einwohner den Tod, die Städtchen Massa di Somma und San Sebastiano wurden nahezu vollständig unter Lava begraben. © Giovanni Manfredonia/Facebook
„Der letzte Tag von Pompeji“, gemalt von Karl Briullov zwischen 1830 und 1833.
Am 24. August 79 n. Chr. ereignete sich der wohl bekannteste Vulkanausbruch der Geschichte: Der Vesuv explodierte unter einer riesigen Pyroklastischen Wolke aus glühend heißem Gas und verschüttete die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer meterhohen Schicht von Asche und Bimsstein. Ein Öl-Gemälde des russischen Malers Karl Briullov (1799 –1852) zeigt, wie er sich die Katastrophe vorstellte. © imago stock&people
Gipsabgüsse der Todesopfer des Vulkanausbruchs des Ätna von 79. n. Chr.
Beim Ausbruch des Vesuv 79. n. Chr. kamen schätzungsweise 5000 Menschen ums Leben. Alleine in Pompeji wurden die Überreste von 1150 Todesopfern ausgegraben. Nachdem sie durch die Gas- und Aschewolken erstickt und verbrannt waren, deckte sie der Ascheregen zu. In den Jahrhunderten danach bildeten sich Hohlräume, die in der Neuzeit durch Gips ausgefüllt wurden. © IMAGO/Vandeville Eric/ABACA
Der Stromboli ist ein Weltkulturerbe der UNESCO.
Der Vulkan Stromboli auf der gleichnamigen Insel ist der aktivste Vulkan der Welt. Im Abstand von wenigen Minuten ereignen sich im Gipfelkrater kleine Eruptionen, die durch Gasblasen verursacht werden, die nach oben steigen. Touristen können das Spektakel von einem Beobachtungspunkt aus betrachten. Doch ab und an gibt es auch aktivere Phasen und auch größere Ausbrüche. Zurzeit ist der Aussichtspunkt am Gipfel wegen einer aktiveren Phase gesperrt. © Imago Robert Francis
Die Raucwolke über dem Stromboli bei der Eruption am 3. Juli 2019
Ab und an gibt es am Stromboli auch schwerere Ausbrüche, wie am 3. Juli 2019. Dabei kam ein Tourist ums Leben, der am Gipfel oberhalb des Kraters den Vulkan beobachtete. Am 11. September 1930 starben drei Inselbewohner durch einen pyroklastischen Strom aus Aschen, Schlacken, Steinen und heißen Gasen. 2002 rutschte bei einer Eruption ein Teil des Gipfels ins Meer, ein Tsunami beschädigte einige Häuser am Ufer, Lavabomben schlugen in den Dörfern ein.  © Mapsism/Facebook
Der Krater des Vullans der Insekl Vulcano
Die Insel Vulcano ist eine Nachbarinsel des Stromboli nördlich von Sizilien. Die Römer glaubten, dass hier der Gott Vulcanus, der Gott des Feuers lebt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. hat sich wahrscheinlich ein heftiger Ausbruch ereignet, dessen Donnern in weiten Teilen Siziliens hörbar war. Im 19. Jahrhundert mussten im Krater Sträflinge Schwefel abbauen. Heute ist Vulcano ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Am Ufer gibt es heiße Quellen, in einem Mini-Krater kann man baden. © Wikipedia/Geak
Die Explosion des Vulcani im Jahr 1888.
Am 3. August 1888 begann der bislang letzte Ausbruch auf Vulcano mit einer Explosion, der rasch weitere und immer heftigere folgten. Lavabomben schlugen drei Kilometer auf den bewohnten Nordteil der Insel ein. Sie durchschlugen die Dächer der Fabrik- und Wohngebäude und setzten die Schwefelvorräte sowie einige an der Mole liegende Schiffe in Brand. Die wenigen Bewohner von Vulcano hatten sich mit Booten gerettet. Die Sträflinge, die zuvor im Krater Schwefel abbauen mussten, flüchteten in Höhlen. Die Aktivität hielt bis 1890 an. © ResearchGate
Die Insel Ferdinandea in einer zeitgenössischen Darstellung von Camillo de Vito (1790-1835).
Im Sommer 1831 tauchte mitten im Meer 60 Kilometer südlich von Sizilien plötzlich eine Vulkaninsel aus dem Meer auf. Die Insel war der Gipfel eines Unterwasservulkans, der damals ausbrach. Der deutsche Forscher Friedrich Hoffmann benannte sie nach dem sizialinischen König Ferdinand II Ferdinandea. Der britischen Kapitän Senhouse beanspruchte das rund 63 Meter hohe und 800 Meter breite Eiland als Graham Island für das britische Empire. Bis zum Winter verschwand die Insel wieder: Durch die Eruption war die Magmakammer leer und der Krater sackte ab. ©  Camillo De Vito/Wikipedia
Der Solfatara-Krater bei Pozzuoli
Der Super-Vulkan der Phlegräischen Felder bei Neapel brach in vorgeschichtlicher Zeit mindestens der Mal verheerend aus: Bei einem einzigen Ausbruch vor 39 280 Jahren löschten die Feuerströme alles Leben im Umkreis von gut 100 Kilometern aus. Rund 10 000 Quadratkilometer Land (etwa die Fläche Niederbayerns) versanken unter einer bis zu 100 Meter dicken Schicht aus Asche. Der Krater mit einem Durchmesser von 16 Kilometer brach ein. Heiße Quellen und Dampfwolken am Solfatara zeugen noch heute von dem Mega-Ausbruch. © IMAGO/Antonio Balasco
Eruption de Monte Nuovo, Illustration of the eruption of Monte Nuovo in the year 1538 from the 18th century,
Der letzte Ausbruch der Phlegräischen Felder ereignete sich 1538. Hier ein Kupferstich, der den Ausbruch zeigt. Damals erstand aus dem Nichts ein neuer Vulkan westlich der Hafenstadt Pozzuolo, der das Dorf Tripergle, die Villa des römischen Staatsmanns Cicero und antike Bäder verschüttete. Es gab 24 Tote. Es waren Schaulustige, die am Kraterrand bei einer Explosion ums Leben kamen. Die Einheimischen waren durch Erdbeben und den Rückzug des Meeres gewarnt worden. ©  via www.imago-images.de
Der Krater des Monte Nuovo ist aus der Luft am besten als erloschener Vulkan zu erkennen.
Der Monte Nuovo ist ein kleiner Vulkan nahe der Küste bei Pozzuoli. Insgesamt sind die Phlegräischen Felder von rund 40 Vulkankratern übersät, 20 davon sind deutlich erkennbar. Einige sind mit Wasser gefüllt und sind idyllische Seen. Schon in der Antike wurden die heißen Quellen als Thermalbäder genutzt, noch heute kann man in mehreren Thermen sich in vom Vulkanismus erhitzten Wasser erholen. © IMAGO/Pond5 Images

Die Bürger machen sich auch Sorgen um ihre Gebäude: „Die Häuser halten definitiv nicht mehr stand. Heute hat es viel mehr geschwungen als sonst“, schreibt ein User. Viele Anwohner sind mit den Nerven am Ende, eine Frau schreibt: „Ich kann es nicht mehr ertragen, ich habe das Gefühl, ich gebe auf!“

Der bislang heftigste Erdstoß in den Phlegräischen Feldern wurde im Mai registriert, er hinterließ enorme Schäden. Auch im Juni bebte die Erde in der riesigen Caldera mehrfach. An der Küste ereignete sich nach einem Beben außerdem ein Erdrutsch vor den Augen der Badegäste.

Zuletzt machten auch die Vulkane Stromboli und Ätna auf Sizilien mit heftigen Ausbrüchen Schlagzeilen.

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