Gigantischer Felssturz in Tirol: Eine Million Kubikmeter brechen vom Fluchthorn ab
VonKarolin Schaefer
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19 Meter ist der Gipfel jetzt niedriger: Eine Million Kubikmeter an Gestein sind vom Fluchthorn abgebrochen. Neue Daten zeigen das Ausmaß des Felssturzes.
Eine Million Kubikmeter an Gestein samt Gipfelkreuz seien vom Alpen-Massiv abgebrochen, berichtete das regionale Onlinemagazin Dolomitenstadt. Das entspreche der Ladung von rund 120.000 Lkw, sagte Landesgeologe Werner Thöny gegenüber dem Magazin. Der Südgipfel des Fluchthorns ist jetzt – statt wie ursprünglich 3.399 – nur noch 3.380 Meter hoch.
Felssturz in Tirol: Eine Million Kubikmeter brechen vom Fluchthorn ab
Nach dem Ereignis untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Gebiet. „Mit einem Laserscanner, der an einem Hubschrauber befestigt wurde, konnten hochgenaue Daten der Oberfläche des Abbruchgebietes und der unmittelbaren Umgebung gesammelt werden“, schilderte Maria Attwenger von der Abteilung Geoinformationen vom Land Tirol. Anhand der Messdaten ließe sich nun das Ausmaß des Felssturzes abbilden. Nahezu der gesamte Gipfelbereich ist abgebrochen.
Dieses vom Land Tirol zur Verfügung gestellte Handout zeigt einen Blick auf einen Bereich des Fluchthorns, nachdem sich Gesteinsmassen gelöst und bergab gerutscht sind.
Man will die Bereiche rund um den Felssturz weiter beobachten, so Thöny gegenüber Dolomitenstadt. „Die Messergebnisse bieten eine genaue und fundierte Grundlage, um das Ereignis auch wissenschaftlich aufzuarbeiten.“ Nach dem Felssturz wurden einige Wanderrouten um das Fluchthorn geschlossen. Thöny zufolge soll geprüft werden, inwieweit diese im Gebiet verlegt werden können.
Gigantischer Felssturz in Tirol durch Permafrost ausgelöst
Ausgelöst wurde der Felssturz in Tirol aller Voraussicht nach durch das schwindende Permafrost-Eis im Gestein. „Das Eis schmilzt wegen der stattfindenden Klimaerwärmung, und das sorgt eben dafür, dass die Berge bröckeln“, erklärte Landesgeologe Thomas Figl. „Das Eis ist der Klebstoff der Berge, und dieser Klebstoff geht jetzt schön langsam verloren.“
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Zwar nehme die Gefahr von Bergstürzen angesichts des Klimawandels zu. Erst kürzlich stürzte die Dolomiten-Spitze Nadel L‘Omo ins Tal. Grund zur Panik gebe es aber nicht. „Viele der sich entwickelnden Hotspots in den Alpen sind bekannt und werden gemanagt“, sagte der Glaziologe Jan Beutel von der Universität Innsbruck der dpa. Behörden würden rechtzeitig warnen oder Wege sperren. „Ein Restrisiko bleibt aber“, räumte der Forscher und Bergführer ein. Felsstürze wie auf dem Fluchthorn-Massiv blieben dennoch extrem selten.
Mit Klimawandel nimmt Bergsturz-Gefahr zu: Wanderrouten nicht mehr begehbar
Der tauende Permafrost betreffe vor allem Bergtouren in höheren Lagen ab 2500 bis 3000 Meter, erklärte der Deutsche Alpenverein in München. Deshalb könnten im Hochsommer bestimmte Wanderungen nicht mehr gemacht werden. Angesichts des Klimawandels seien andere Routen überhaupt nicht mehr begehbar, etwa weil eine Eiswand nicht mehr verreist sei.
Von Permafrost spricht man, wenn die Temperatur des Bodens in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren unter null Grad Celsius liegt, informierte das Alfred-Wegner-Institut. Wenn es taut, kann darüber liegendes Wasser versickern, der Boden wird instabil und die Gefahr für Erdrutsche sowie Steinschläge steigt. (kas/dpa)