Nervosität im Vatikan

Konklave-Aufruhr bei erster Papst-Entscheidung: Warum kam der Rauch so spät?

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Heikle Mutmaßungen am Eröffnungstag des laufenden Konklaves. Der erste Rauch zauderte. Eine wahrscheinliche Erklärung bietet sich an.

Rom – Alles blickt gespannt auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Es ist schon kurz vor 21 Uhr und das sehnlich erwartete erste Rauchsignal lässt immer noch auf sich warten. Um 21.01 Uhr dann die Erlösung: Rauch! Er ist schwarz, also wurde kein neuer Papst gewählt.

Wirbel am ersten Konklave-Tag: Rauch lässt auf sich warten – historische Erklärung stand im Raum

Die Frage: Warum wurde die erste Entscheidung im aktuellen Konklave so spät verkündet? Bevor das Rauchzeichen endlich kam, waren schon brisante Spekulationen aufgekommen. Es sei denkbar, dass an diesem Tag überhaupt gar kein Rauch mehr käme, hieß es in der Übertragung von Vatican News, dem offiziellen Presseportal des Heiligen Stuhls. Das könne passieren, wenn es etwa offene Verfahrensfragen zu klären gebe.

Keine Entscheidung und kein Rauchzeichen am ersten Tag? Es wäre historisch gewesen. Seit Einführung der Rauchzeichen im Jahr 1914 ist das noch nie vorgekommen.

Banges Warten am ersten Konklave-Tag: Der Rauch kam später als erhofft.

Warum kam der schwarze Rauch so spät? Konklave-Ablauf könnte Erklärung liefern

Schließlich kam das Signal aber doch und womöglich ist die Erklärung für die Verspätung deutlich einfacher. 133 Kardinäle wählen diesmal den neuen Papst, so viele wie noch nie. „Bei den Wahlen werden die gewohnten Zeiten, wann Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt, nicht mehr stimmen“, sagte der Leiter der deutschen Abteilung von Vatican News, Stefan von Kempis, bereits im Vorfeld bei IPPEN.MEDIA.

Mehr Kardinäle im Konklave bedeuten natürlich auch einen größeren Zeitaufwand. Bei der Stimmabgabe schreitet jeder Kardinal einzeln nach vorn und lässt seinen Zettel von einem Teller in die Wahlurne rutschen. Davor spricht er den Satz: „Testor Christum Dominum, qui me iudicaturus est, me eum eligere, quem secundum Deum iudico eligi debere“ (deutsch: Ich rufe Christus den Herrn, der mein Richter sein wird, zum Zeugen, dass ich meine Stimme dem gebe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden muss).

Rauch-Uhrzeiten beim aktuellen Konklave höchstwahrscheinlich verschoben

Danach müssen die Stimmen der Papstwahl noch ausgezählt, einzeln verlesen und per Strichliste protokolliert werden. Die kleinen Konklave-Details fressen Zeit. In der ARD-Tagesthemen spekulierte Korrespondent Tillmann Kleinjung: „Ein anderer Journalist sagte, der Ofen sei kaputt, möglicherweise war ein Zählfehler unterlaufen. Das gab es auch bei der Wahl von Franziskus. Da musste dann ein Wahlgang komplett wiederholt werden.“ Er vermutet schlicht die Größe des Konklaves als Grund. Ein derart großes Konklave könne sich länger hinziehen als gewöhnlich. Denn es sei schwierig, so die große Mehrheit von 89 Kardinälen hinter sich zu vereinen. Womöglich kommen in den nächsten Tagen des Konklaves weitere Rauch-Hängepartien auf den Vatikan zu. (moe)

Rubriklistenbild: © Bernat Armangue/picture alliance/dpa/AP/Screenshot/Youtube/ZDF

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