VonAnika Zuschkeschließen
Ab Juli gibt es keine kostenlosen Bürgertests mehr – zumindest für die meisten. Bis zu drei Euro Selbstbeteiligung werden pro Test fällig.
Hannover – Die Corona-Sommerwelle treibt in Deutschland die Infektionszahlen nach oben. Niedersachsen ist mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 921,5 derzeit bundesweiter Spitzenreiter und auch Hamburgs Inzidenz nähert sich wieder der 1000er-Grenze. Die hohen Zahlen lassen sich insbesondere der Omikron-Variante BA.5 zuschreiben, auf die laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) bereits über 50 Prozent der Fälle in der Bundesrepublik zurückgehen.
Da erscheint es bedenklich, dass die Regierung ausgerechnet jetzt kostenlose Bürgertests abschaffen will – doch tatsächlich können sich bald nur noch bestimmte Personengruppen gratis auf eine Corona-Infektion testen lassen. Ab Juli werden Corona-Tests kostenpflichtig. Aber welche Ausnahmen gibt es und kann man sich über das Ende hinaus noch gratis testen lassen?
Corona-News: Ab Juli keine kostenlosen Bürgertests mehr
Am Freitag, 24. Juni 2022, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Berlin angekündigt, dass die bislang kostenlosen Corona-Bürgertests bereits ab Juli drei Euro kosten werden. „Kostenlos wäre mir auch viel lieber“, schrieb Lauterbach auf Twitter, doch werde der Steuerhaushalt im Herbst immer knapper. Daher müsse eine Eigenbeteiligung von drei Euro eingeführt werden. Im Hinblick auf die steigende Inzidenz durch Omikron BA.5 ist Lauterbach vor allem für vulnerable Gruppen infolge der Corona-Sommerwelle besorgt.
Wie viele Covid-19 Tests sind kostenlos? Ab Juli müssen die meisten 3 Euro zahlen
Bislang konnte sich jeder Bürger in Deutschland mindestens einmal pro Woche mit einem Antigen-Schnelltest kostenlos auf das Coronavirus testen lassen – das galt unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Doch ab dem 30. Juni 2022, soll eine neue Corona-Testverordnung gelten. Diese schreibt vor, dass bestimmte Personengruppen von dem Zeitpunkt an drei Euro für einen Corona-Test zahlen müssen.
Der neue Preis setzt sich folgendermaßen zusammen: Geplant ist laut Tagesschau, dass der Bund den Betrag von derzeit 11,50 Euro auf 9,50 Euro reduziert, der pro Test an die Testcenter geht. Davon sollen drei Euro von den Bürgern übernommen werden, der Staat zahlt im Normalfall dann 6,50 Euro.
Bald sind Corona-Tests für die meisten kostenpflichtig – welche Ausnahmen das nicht betrifft
Kostenlose Bürgertests sollen aber auch über den 30. Juni hinaus für vulnerable Personengruppen zur Verfügung gestellt werden. Dazu zählen laut Focus.de:
- Menschen, die sich nicht impfen lassen können
- Kinder bis fünf Jahre
- Schwangere im ersten Trimester
- Besucher von Pflegeheimen und Krankenhäusern
- Haushaltsangehörige von Infizierten
- Personen mit Corona-Symptomen
- Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe
Die Auswahl der Personengruppen erklärt Lauterbach folgendermaßen: „Bürgertests sollen künftig weiter gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen“, so der Gesundheitsminister laut Tagesschau. Dabei sprach er sich besonders für kostenlose Corona-Tests in Verdachtsfällen aus, um Omikron BA.5 Herr zu werden. Denn mit einer Corona-Infektion ist nicht zu spaßen – einer neuen Studie zufolge steigt bei einer Ansteckung wohl das Risiko für Alzheimer und Parkinson.
Ab Juli müssen die meisten Menschen drei Euro für Corona-Tests zahlen – mit Ausnahmen
Um tatsächlich nichts für den Corona-Test zahlen zu müssen, sind Betroffene dazu verpflichtet, ein Attest, eine Bescheinigung sowie einen Pass oder Ausweis als Nachweis vorzuzeigen. Menschen mit Risikobegegnung oder roter Corona-Warn-App kommen nicht kostenlos davon – für sie fallen die drei Euro an. Dabei treten bei der Omikron-Variante die ersten Symptome teilweise erst nach mehreren Tagen auf.
Lauterbach zufolge haben die Länder aber die Möglichkeit, die Eigenbeteiligung auch für weitere Gruppen zu übernehmen – sollte sich beispielsweise die Corona-Notlage verschärfen, die sich auch durch die noch undurchsichtige Inkubationszeit bei Omikron BA.5 verschärfen könnte.
Experten sprechen sich für Verlängerung der kostenlosen Bürgertests in Niedersachsen aus: „Sind ein wichtiges Instrument“
Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) hält diese Strategie im Hinblick auf einen „möglicherweise schwierigen Herbst“ laut NDR für falsch. „Das Auslaufen der anlasslosen kostenlosen Bürgertests nimmt uns Sicherheit im Erkennen von Infektionen und bei der Unterbrechung von Infektionsketten“, so Behrens. Aus dem Grund hätte sie sich eine Fortsetzung der kostenlosen Bürgertests gewünscht.
Auch die Diakonie Niedersachsen hält die neue Kostenbeteiligung für nicht sozial. „Wir verstehen, dass die Kosten der Bürgertests nicht mehr nur allein vom Staat getragen werden können“, äußert Sprecher Hans-Joachim Lenke gegenüber dem NDR. „Die Bürgertests sind jedoch ein wichtiges Instrument, um die Infektionslage im Blick behalten zu können. Deshalb muss der Zugang für alle Menschen möglich sein.“
Im Alltag explodieren Preise in vielen Bereichen – ab Juli kommt auch das Ende der kostenlosen Bürgertests
Insbesondere in Hinblick auf die derzeit explodierenden Energiekosten und die steigenden Preise von Lebensmitteln scheint der Zeitpunkt zusätzlicher Kosten für die Bürger ungünstig gewählt. Ein wenig Hoffnung machen dabei nur die Hilfen aus dem Entlastungspaket 2022, die noch in diesem Jahr ausgezahlt werden sowie zusätzliche Entlastungen, die die Politik noch auf den Weg bringen will – unter anderem das Klimaticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets.
