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Eine neue Studie gibt Aufschluss über den Zusammenhang von Corona-Infektionen und neurologischen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer.
Berlin – Hat eine Corona-Infektion Folgen für ein erhöhtes Risiko, an Parkinson oder Alzheimer zu erkranken? Die Infektionszahlen in Deutschland steigen erneut, immer mehr Menschen infizieren sich wieder mit dem Coronavirus – das liegt aktuell vor allem am Subtyp Omikron BA.5. Impfungen verhindern in den allermeisten Fällen schwere Verläufe, dennoch haben viele Menschen mit Long Covid zu kämpfen. Doch welche Folgen kann eine Corona-Infektion im Hinblick auf andere Erkrankungen langfristig haben? Geht es nach einer aktuellen Studie, steigt die Gefahr, an Alzheimer und Parkinson zu erkranken.
Corona-Infektion erhöht Alzheimer- und Parkinson-Risiko
Das Corona-Virus ist eine so neue Erscheinung, dass die Forschung immer noch nahezu täglich zu neuen Erkenntnissen gelangt. Das betrifft auch die Langzeitfolgen und Risiken einer Corona-Infektion. Eine aktuelle Studie aus Dänemark will nachgewiesen haben, dass die Infektion mit dem Corona-Virus das Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken erhöht. Während die neuen Studienergebnisse für Aufsehen sorgen, steigt auch in Deutschland die Inzidenz wieder, vor allem durch die neue Corona-Variante Omikron BA.5, bei der die Ansteckungsgefahr höher liegen soll als bei vorherigen Omikron-Subtypen. Positiv: Long Covid Fälle scheinen unter Omikron zumindest seltener.
Im Zuge der Erhebung waren die Daten von fast einer Million Menschen zwischen Februar 2020 und November 2021 ausgewertet worden. Konkret geht es um die Daten von etwa 919.731 Menschen, die auf das Coronavirus getestet worden waren, insgesamt 43.375 von ihnen hatten sich mit Covid-19 infiziert. Als Vergleich wurden im gleichen Zeitraum auch die Daten von Menschen untersucht, die sich mit der Influenza infiziert hatten – mit einer interessanten Erkenntnis.
Corona-Infektion erhöht Gefahr, an Parkinson und Alzheimer zu erkranken – erstaunliche Ergebnisse zur Grippe
Die Datenlage ergab, unter den Getesteten, die eine Corona-Infektion aufwiesen, lag die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken um ein 3,5-faches höher, als unter denen, die nicht erkrankt waren. Auch bei Parkinson war das Risiko einer Erkrankung deutlich höher, nämlich um den Faktor 2,6. Parallel zu diesen neuen Erkenntnissen rollt in Deutschland eine Corona-Sommerwelle. Zwar kündigt Biontech ebenso einen neuen Omikron-Impfstoff an wie Moderna ein neues Vakzin gefunden haben will, dennoch schützen die Impfungen offenbar nicht zwingend vor Langzeitfolgen.
Der Vergleich mit der Grippe und anderen Atemwegserkrankungen brachte indes erstaunliche Erkenntnisse zur Wahrscheinlichkeit von Nervenerkrankungen. Denn: Nach einer Grippeinfektion oder der Infektion mit anderen Atemwegserkrankungen war die Wahrscheinlichkeit einer neurologischen Erkrankung ähnlich stark erhöht, wie nach Corona. Das bedeutet: Die Corona-Infektion steigert die Gefahr derartiger Folgeerkrankungen deutlich, jedoch nicht mehr, als die Grippe oder andere Atemwegserkrankungen – doch es gibt Ausnahmen.
Neben Parkinson und Alzheimer: Corona-Infektion erhöht Gefahr für Hirninfarkt und Hirnblutung deutlich
Während eine Corona-Infektion und eine Grippeerkrankung in einigen Fällen das Risiko einer neurologischen Erkrankung in ähnlicher Weise steigern, gibt es beim Corona-Virus doch Besonderheiten. In diesen Fällen geht es nicht um Parkinson und Alzheimer – sondern Hirninfarkte und Hirnblutungen. In diesem Kontext zeigte die Studie besondere Auffälligkeiten bei denjenigen, die positiv auf Corona getestet worden waren.
Bei ihnen war das Risiko einen Hirninfarkt zu erleiden um ein 2,7-faches erhöht, im Vergleich zu den nicht erkrankten. Das Risiko einer Hirnblutung lag im Vergleich besonders hoch: Corona-Infizierte hatten eine 4,8 Mal so hohe Wahrscheinlichkeit einer Blutung im Gehirn, wie nicht Infizierte. Interessant dabei: Die Gefahr einen Hirninfarkt zu erleiden stieg besonders für jüngere Menschen. Die Forschung zum Coronavirus ist noch lange nicht am Ende: Nur schrittweise nähert sich die Wissenschaft einem umfänglichen Verständnis der Krankheit.
.@BILD Zeitung macht auf Studien aufmerksam, die Zusammenhang zwischen Coronainfektion und späterer Demenz nahe legen. Leider keine Panikmache. Es ist gut, auf diese Gefahr hinzuweisen. Sich im Sommer vorbeugend zu infizieren ist nicht schlau. Angepasste Impfstoffe kommen pic.twitter.com/mSHCDLYHs4
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) June 27, 2022
„Leider keine Panikmache“: Gesundheitsminister warnt vor Demenz durch Corona
Auch der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach von der SPD warnt vor den Spätfolgen durch Corona. In einem Beitrag auf Twitter nimmt der Politiker Bezug auf einen Artikel der „Bild“, der auf die neuen Studien aufmerksam machen soll. Dazu schreibt er, dass die Schlagzeile jedoch „leider keine Panikmache“ sei. „Es ist gut, auf diese Gefahr hinzuweisen“, so Lauterbach und appelliert: „Sich im Sommer vorbeugend zu infizieren ist nicht schlau“. Zudem kündigte er angepasste Impfstoffe gegen das Coronavirus an.
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