Trotz Widerstand aus einigen Regionen

„Drastische Zahlen erreicht“: Urlaubsland führt Corona-Maßnahme wieder ein

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Sie ist wieder da: Die Welle der Atemwegserkrankungen hat Spaniens Gesundheitseinrichtungen gezwungen, eine altbekannte Maßnahme wieder einzuführen.

Update vom 12. Januar 2024: Der Widerstand war in einigen Regionen des Landes bis zuletzt sehr groß, aber die spanische Gesundheitsministerin Mónica García hat keinen anderen Weg mehr gesehen, um die Risikogruppen in ihrem Land zu schützen und das Gesundheitspersonal zu entlasten. Für Spanien heißt das jetzt erst einmal: Die Maskenpflicht ist wieder eingeführt.

Nach den Feiertagen sah sich Spanien mit einer Welle von Atemwegserkrankungen konfrontiert. Damit Grippe und Corona schnellstmöglich eingedämmt werden können und die Krankenhäuser nicht noch weiter belastet werden, greift das Land nun durch und holt die Maskenpflicht zurück. „Wir müssen uns um die Kleinsten und die Ältesten in unserer Gesellschaft kümmern, sowie um das Gesundheitspersonal, das an vorderster Front gegen diese Krankheiten kämpft“, betonte García laut Medienberichten.

Mallorca und Ibiza sind auch betroffen: Von den Balearen gab es viel Widerstand gegen die Maskenpflicht

Im vergangenen Juli wurde die Maskenpflicht in Spanien aufgehoben und ist nun zurück. Reisende müssen sich darauf einstellen, dass auch beliebte Urlaubsziele wie Mallorca und Ibiza betroffen sind. García betonte, dass für sie der Schutz der Bevölkerung an erster Stelle stünde.

Urlaubsland führt Maskenpflicht in ersten Bereichen wieder ein: Was Reisende jetzt wissen müssen

Erstmeldung vom 9. Januar: Madrid – Atemwegserkrankungen wie Grippe und Corona nehmen besonders in der kalten Jahreszeit zu. Eine Infektionswelle breitet sich derzeit unter anderem in Spanien aus. Das beliebte Urlaubsland reagiert deshalb mit einer drastischen Maßnahme und führt die Maskenpflicht teils wieder ein.

Corona- und Grippewelle: Urlaubsland führt Maskenpflicht teilweise wieder ein

Die Pflicht zum Tragen einer Maske gilt ab Mittwoch (10. Januar) in allen spanischen Gesundheitseinrichtungen. Das berichtete der staatliche TV-Sender RTVE am Montagabend (8. Januar) unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Infektionen, etwa in Krankenhäusern und Altenheimen, muss also wieder eine Maske getragen werden. Auch in Österreich führten Krankenhäuser kürzlich wieder eine Maßnahme ein.

Im Stadtzentrum von Madrid tragen Menschen bereits freiwillig wieder eine Maske, nachdem die Fälle von Atemwegsinfektionen in Spanien zugenommen haben.

Zunächst hatte Gesundheitsministerin Mónica García versucht, alle Regionen zu überzeugen, aus eigenen Stücken die Maskenpflicht wieder einzuführen. Die Maßnahme sollte vor allem Risikogruppen wie Kleinkinder, ältere Menschen und das Gesundheitspersonal schützen. Angesichts der gestiegenen Zahlen stünden Notaufnahmen der Krankenhäuser in einigen Regionen unter besonderem Druck.

„Haben wieder drastische Zahlen erreicht“: Krankenhäuser in Spanien sind überlastet

Die Entscheidung fiel der spanischen Regierung offenbar nicht leicht. „Wir haben lange darüber nachgedacht, in welcher Form wir Patienten und Pflegepersonal vor Ansteckungen schützen können“, so García. Einige Regionen hätten bereits von selbst die Initiative ergriffen, eine Maskenpflicht einzuführen – etwa Katalonien und Valencia. Es wird zudem darüber nachgedacht, die Maskenpflicht auf Apotheken auszuweiten. Dabei ist die „Corona-Zunge“ oft das Kennzeichen einer Erkrankung.

Auch auf den Kanarischen Inseln gilt wieder Maskenpflicht. Atemwegsinfektionen waren dort im Dezember um 41 Prozent gestiegen, berichtete Teneriffa News. Vor allem die Grippe sorge für überlastete Krankenhäuser. „Wir haben wieder drastische Zahlen erreicht“, hieß es seitens der Gewerkschaft. Auch das spanische Gesundheitsministerium verzeichnet überwiegend Grippe-Infektionen, heißt es in einem aktuellen Wochenbericht. Eine Zunahme sei in allen Altersgruppen zu beobachten. Bei Corona würden vor allem Menschen ab 65 Jahren erkranken. Es zirkuliert vor allem die Omikron-Variante XBB.1.5.

Urlaubsland führt Maskenpflicht teilweise wieder ein: Welche Regionen sich dagegen weigern

Doch nicht alle Regionen wollen mitziehen. Nach einem Treffen des Gesundheitsrates sowie Vertreterinnen und Vertretern der Regionen am Montag gab es über die Einführung der Maskenpflicht keine Einigung. Auf Mallorca und den Nachbarinseln soll die Verwendung einer Mund-Nasen-Bedeckung lediglich empfohlen werden. „Es ist derzeit einfach nicht nötig“, zitierte die Mallorca Zeitung die balearische Gesundheitsministerin. „Wir empfehlen, die Atemmaske aufzusetzen, wenn man selbst Symptome eines Atemwegsinfekts aufweist oder in Kontakt mit einer erkrankten Person kommt.“

In Kantabrien sei die Situation „nicht so alarmierend“ und der Höhepunkt der Grippe bereits überschritten, betonte der regionale Gesundheitsminister. In den Regionen Kastilien und León hingegen sollen lediglich Hinweisschilder in Gesundheitszentren aufgehängt werden, die an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren. Auch hier bleibt das Tragen einer Maske eine Empfehlung.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Corona- und Grippewelle in Spanien: Was Reisende jetzt wissen müssen

Verpflichten kann das spanische Gesundheitsministerium die sich weigernden Regionen dazu nicht, da es sich nicht um einen Notstand handelt. Die Provinzen bestimmen selbst über ihre Gesundheitsversorgung. Zuletzt war die Maskenpflicht im Gesundheitswesen in Spanien Anfang Juli vergangenen Jahres abgeschafft worden, als der Corona-Notstand aufgehoben wurde.

Für Urlauberinnen und Urlauber könnte es daher ziemlich undurchsichtig werden. In einigen Regionen wie Katalonien, Valencia, Aragonien, Murcia und Asturien müssen auch Reisende beim Betreten von Gesundheitszentren wieder eine Maske tragen. Auf Mallorca hingegen wird es vermutlich lediglich eine Empfehlung bleiben. Eine Ausweitung der Maskenpflicht auf andere öffentliche Bereiche ist nicht zu erwarten. Außerdem ist die Regel zum Tragen einer Maske in Gesundheitseinrichtungen temporär.

In Deutschland wird es vorerst keine Maßnahmen in Zusammenhang mit der Grippe oder Corona geben. Lediglich vereinzelt tragen Menschen in Supermärkten oder öffentlichen Verkehrsmitteln wieder einen Mund-Nasen-Schutz. Zuletzt appellierten Kliniken, zumindest freiwillig im Winter Masken zu tragen. Eine Corona-Expertin warnte indes, dass das Risiko für Long Covid mit jeder Infektion steigt. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © Richard Zubelzu/imago

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