VonTeresa Tothschließen
In Israel herrscht Krieg. Auch ein Tanzfestival bleibt von der Hamas nicht verschont. Etwa 250 Leichen wurden gefunden. Gäste berichten von dem Angriff.
Update vom 10. Oktober, 19.07 Uhr: Immer mehr Überlebende berichten vom Horror, den sie beim Supernova-Festival miterlebt haben. Eine junge Frau überlebte den Terrorangriff sieben Stunden lang in einem Bunker – versteckt unter Leichen. „Von 30 bis 35 Personen, die es hineinschafften, kamen nur zehn lebend raus“, sagt sie.
Hamas-Massaker auf Musikfestival in Israel: Augenzeugen berichten von grauenhaften Szenen
Update vom 9. Oktober 2023, 19.31 Uhr: Nach dem brutalen Angriff der Hamas-Terroristen auf ein Musikfestival im Süden Israels kommen immer mehr erschreckende Berichte von Augenzeugen ans Licht. Video-Aufnahmen von flüchtenden Festivalgästen kursieren in den Sozialen Medien, Bilder einer Drohne zeigen unzählige verlassene Fahrzeuge auf dem Parkplatz und am Wegrand. In offiziellen Berichten ist von 250 Toten die Rede, etliche Menschen seien als Geisel genommen und in den Gaza-Streifen verschleppt worden.
Gegenüber dem amerikanisch-israelischen Online-Magazin Tablet berichten Überlebende von Vergewaltigungen durch die Hamas. „Einen jungen Mann haben mehrere festgehalten, während er mitansehen musste, wie seine Freundin auf ein Motorrad gesetzt und weggefahren wurde“, wird ein Augenzeuge zitiert. „Frauen wurden auf dem Gelände direkt neben den Leichen ihrer Freunde vergewaltigt“, schildert die Person weiter. Einige der Frauen wurden wohl noch vor Ort erschossen, andere verschleppt.
Ein anderer erzählt, dass er nach dem Massaker auf das Gelände zurückkehrte, um nach seinen Freunden zu suchen. Dort habe er die leblosen und verstümmelten Körper gesehen, die meisten seien Frauen gewesen; viele nur spärlich bekleidet. Sie scheinen aus nächster Nähe erschossen worden zu sein.
„Kaltblütig abgeschlachtet“: Hamas richten Blutbad auf Musikfestival an
Update vom 9. Oktober 2023, 13.20 Uhr: Bei ihrem Großangriff auf Israel haben bewaffnete Terroristen der Hamas nach Angaben eines israelischen Rettungsdienstes auf einem Musikfestival im Süden des Landes am Samstag bis zu 250 Menschen getötet. Es gebe etwa „vier oder fünf Lastwagen, die jeweils 50 Leichen“ von dem Festivalgelände in der Nähe des Gazastreifens abtransportierten, sagte der Sprecher des israelischen Rettungsdienstes Zaka, Moti Bukjin, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Er gehe von „etwa 200 bis 250 Leichen“ aus. Erste Angaben vom Sonntag hatten zunächst von rund 260 leblosen Personen berichtet (siehe Ursprungstext).
Wie der Sprecher weiter berichtet, seien die Menschen „kaltblütig auf eine absolut unfassbare Weise abgeschlachtet“ worden. So etwas habe er in den 28 Jahren seiner Tätigkeit für die auf die Bergung von Leichen spezialisierte Organisation noch nicht gesehen. Auf dem Festivalgelände hatten sich hunderte überwiegend junge Menschen zum Feiern versammelt, als Hamas-Terroristen einen Großangriff auf Israel starteten.
Wie FR.de unter Berufung auf einen Augenzeugen berichtet, hatten sich vor Ort dramatische Szenen abgespielt. So schildert beispielsweise Ben Haim gegenüber der Washington Post, wie eine Stimme über Lautsprecher die Festivalbesucher gewarnt habe: „Leute, wir haben roten Alarm“. Demnach seien Raketenblitze am Himmel zu sehen gewesen, während die jungen Leute das Gelände in Eile, aber ohne Panik verlassen hätten. Doch wie der Augenzeuge weiter berichtet, seien dann auch Schüsse gefallen. „Wir fingen an zu rennen; wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten,“ so Ben Haim weiter.
Mit einem Auto habe Ben Haim mit Freunden zunächst versucht zu entkommen, später seien sie durch Felder gerannt. „In jeder Richtung, in die wir liefen, schossen mehr Leute auf uns; wir rannten zwei Stunden lang und versuchten zu entkommen. Wir fingen an, uns im Gebüsch zu verkriechen. Irgendwann merkte ich, dass ich nicht mehr rennen konnte.“ Wie der Festivalbesucher weiter berichtet, habe auch die Polizei nicht helfen können: „Wir blieben still und versuchten, die Polizei zu erreichen. Die Polizei sagte, sie könne uns nicht helfen, weil zu viele Menschen entführt worden seien.“ Wie Ben Haim weiter berichtet, sei ihnen ein Anwohner dann zur Hilfe geeilt.
Zahlreiche Tote auf Festivalgelände in Israel: Angehörige suchen verzweifelt nach Vermissten
Noch immer werden zahlreiche Personen vermisst. „Ich weiß nicht, ob meine Tochter irgendwo blutend liegt, ich weiß nicht, ob man sie nach Gaza verschleppt hat, ich weiß nicht, ob sie leidet“, sagt Ahuwa Maizel am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Das letzte Mal als sie mit ihrer Tochter sprach, sei am Samstagmorgen um kurz nach 7.00 Uhr gewesen. Ihre Tochter Adi habe angerufen und gesagt: „Hier ist ein Massaker, sie richten ein Massaker an, Hunderte Terroristen schießen um sich.“ Dann sei die Verbindung abgebrochen.
„Falls sie jemand gefangen hält, bitte, bitte, bleibt menschlich. Wir haben alle die gleiche DNA, wir sind alles nur Menschen“, sagt Maizel unter Tränen. Die Ungewissheit sei nicht auszuhalten. Unschuldige Menschen dürfen nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden. „Lasst das keinen neuen Holocaust werden.“
Überlebende berichtet von schrecklichem Überfall der Hamas
Auch in den sozialen Netzwerken teilten Überlebende, wie sie den schrecklichen Überfall der Hamas auf das Supernova Festivals erlebt haben. Arik Nani beschreibt, wie sie stundenlang versuchte, sich in Sicherheit zu bringen. „Wir rannten zu den Feldern und hörten hinter uns ständiges Feuer, sahen Menschen rennen und fallen. Wir versteckten uns im Gebüsch, während Kugeln über unsere Köpfe flogen“, sagt Nani, die diese Woche ihren 26. Geburtstag feiert. Sie werde ihn in Trauer, aber dankbar feiern. „Ich habe nicht gedacht, dass ich es schaffen würde“. Sechs Stunden sei sie dehydriert und mit einer Verletzung an der Hand gerannt bis sie es schaffte, in eine Notunterkunft zu kommen.
Andere Augenzeugen berichteten, wie sie mit Autos flüchten wollten und unter Beschuss gerieten. Auf Bildern nach dem unvorstellbaren Überfall sind in der Nähe des Festivalgeländes Dutzende abgebrannte Autos zu sehen. Andere versteckten sich in Büschen und Bäumen. „Sie gingen von Baum zu Baum und schossen. Ich sah, dass überall Menschen starben. Ich war sehr still. Ich habe nicht geweint, ich habe nichts getan“, sagte eine Überlebende der „BBC“.
„Plötzlich spürten wir Kugeln“: Festivalbesucher fliehen nach Hamas-Angriff – 260 Leichen gefunden
Ursprungstext vom 8. Oktober 2023: Tel Aviv – Im Süden Israels wurde ein Tanzfestival zur Zielscheibe der Hamas: Tausende junge Menschen trafen sich am Freitagabend (6. Oktober), um das Wochenende über gemeinsam zu feiern, als die Hamas ihren Angriff auf Israel startete. Bilder zeigen, wie die Terrorgruppe dabei auch das Festivalgelände stürmte. Auf dem Gelände in Israel wurden bislang mindestens 260 Leichen gefunden. Das berichtete die Nachrichten-Website Ynet unter Berufung auf den Rettungsdienst Zaka am Sonntagabend (8. Oktober).
„Der Raketenlärm klang zunächst wie ein Teil der Musik“, habe einer der Festivalgäste gegenüber dem israelischen Channel 12 erklärt, wie blick.ch berichtet. Seit Samstag (7. Oktober) feuert die Hamas Raketen auf Israel ab. Schwer bewaffnete Männer drangen in die Grenzgemeinden ein – so auch in das Kibbutz (eine ländliche Kollektivsiedlung) nahe des Gazastreifens, auf dem das Festival stattfand.
Krieg in Israel: Hamas stürmt bei Angriff auch ein Festival
„Plötzlich spürten wir die Kugeln um uns herum“, so der Mann. Er sei gemeinsam mit seinen Freunden zu den Autos gerannt. Durch die Menschenmassen sei der Ausgang jedoch blockiert worden. Wie die 20-jährige Besucherin Noya Reuven gegenüber der Times of Israel beschreibt, sei daraufhin eine Massenpanik ausgebrochen. Nachdem Reuven zwei Stunden lang versucht hatte, das Gelände zu verlassen, sei es ihr schließlich gelungen, abseits der Straße zu einer kleinen Seitenstraße zu fahren. Dort nahm sie noch ein gestrandetes Ehepaar auf.
Angriff der Hamas auf Israel: Freiwillige erstellen Listen aller Besucher des Festivals
Eine weitere Partybesucherin sagte, dass bei dem Versuch, die Party zu verlassen, etwa fünf Bewaffnete auf ihr Auto geschossen und einen Totalschaden verursacht hätten, so Times of Israel. Glücklicherweise habe der Fahrer eines Jeeps angeboten, sie und ihre Freundin mitzunehmen. Beim Verlassen des Geländes sei der Mann jedoch erschossen worden und der Jeep in eine Grube gestürzt. Die junge Frau und ihre Freundin hätten sich zwei Stunden lang tot gestellt, bis sie hebräisch sprechende Soldaten hörten, die sie in ein Krankenhaus brachten.
It looks like a horror movie, but it's near a Kibbutz in southern Israel.
— Hananya Naftali (@HananyaNaftali) October 8, 2023
This was a massacre. #Israel pic.twitter.com/PgOMTMIoWJ
Freiwillige würden derzeit Listen der Partybesucher erstellen, um einen Überblick zu erhalten, wie viele Gäste als vermisst gelten, schreibt das israelische Blatt mit Verweis auf Channel 12. Einer der Freiwilligen habe gehört, dass sich in der Wüste noch einige Partygäste versteckt hielten. Den Eltern wurde geraten, das Gebiet zu meiden. Freunde und Angehörige der Vermissten posten Bilder in den sozialen Medien, in der Hoffnung, Informationen über ihren Verbleib zu erhalten.
Auch eine Deutsche wird seit dem Angriff der Hamas auf das Festival in Israel vermisst
Auch eine Deutsche wird seit dem Angriff der Hamas auf das Festival in Israel vermisst. In einer Videobotschaft erklärt die Mutter der jungen Frau, dass sie Videoaufnahmen gesehen habe, die die Entführung ihrer Tochter zeigen würden. Die Aufnahmen, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen eine junge Frau mit unnatürlich angewinkelten Beinen und einer blutigen Kopfwunde.
In dem Krieg steckt auch ein Pärchen aus der Schweiz fest: Es ist fraglich, ob und wann sie das Land verlassen können. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen nach Israel ab. Das israelische Militär informiert zudem über Verhaltensregeln für die Menschen vor Ort. (tt)
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