Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Katastrophen-Wetter im Süden: Jetzt drohen Überflutungen und Erdrutsche – kritische Lage in vielen Regionen

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Sintflutartige Regenmassen, Überflutungen und Erdrutsche: Der Südwesten kämpft gegen die Gewalt von Tief Calvin. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Ein Tiefdruckgebiet namens Calvin sorgt derzeit (24. September) im Südwesten Deutschlands für Wetter-Ausnahmezustand. Stundenlang prasselt in der Nacht auf Mittwoch und noch am Morgen unaufhörlich Regen vom Himmel, und nach den aktuellen Prognosen wird sich die Wetterlage bis mindestens Donnerstagmittag hinziehen. Besonders betroffen sind der Süden von Rheinland-Pfalz, das gesamte Saarland, Südhessen, der Norden Baden-Württembergs sowie Teile von Nordbayern.

Heftiger Starkregen überschwemmt in den kommenden Stunden Straßen und Keller im Südwesten von Deutschland (Archivbild).

Hier drohen extreme Niederschläge, die zwischen 50 und stellenweise sogar 100 Litern pro Quadratmeter erreichen können. Diese Mengen sprengen alles, was normalerweise in diesem Zeitraum fällt. Schon jetzt füllen sich Bäche und Flüsse bedrohlich schnell, und erste Meldungen von überlasteten Kanalisationen und vollgelaufenen Kellern gehen ein. Die Gefahr für größere Überschwemmungen wächst von Stunde zu Stunde.

Kritische Wetter-Lage im Südwesten Deutschlands: Regionen im Ausnahmezustand

Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation im Bereich Saarland, Pfalz und Kraichgau. Dort könnte der Regen in kürzester Zeit Rekordwerte erreichen. Die Folge wären überflutete Straßen, umgestürzte Bäume, unterspülte Hänge und damit ein erhebliches Risiko für Erdrutsche. Auch Nordbayern, speziell Unterfranken bis hin zur tschechischen Grenze, wird in der Nacht und am Donnerstag noch von den Ausläufern der Unwetterlage getroffen.

Auch dort könnten bis zu 50 Liter in weniger als einem Tag fallen. Feuerwehr und Katastrophenschutz sind in erhöhter Alarmbereitschaft, vielerorts wird mit Sandsäcken gearbeitet, um Häuser und ganze Straßenzüge vor den Wassermassen zu schützen. Schon kleine Bäche können sich in reißende Ströme verwandeln, die Autos mitreißen und Ortschaften von der Außenwelt abschneiden.

Tief Calvin bringt heftige Unwetter: Wind verschärft die Gefahr

Als wäre der Regen nicht genug, bringt Calvin zusätzlich kräftigen Wind mit. In den höheren Lagen der Mittelgebirge sind immer wieder schwere Böen unterwegs, die mit bis zu 105 km/h über Gipfel und Kämme peitschen. Aber auch in tieferen Regionen frischt der Wind deutlich auf und sorgt für zusätzliche Gefahr. Bäume, deren Wurzeln bereits im durchnässten Boden kaum Halt finden, könnten jederzeit umstürzen und Straßen blockieren oder Stromleitungen beschädigen.

Rettungskräfte warnen eindringlich davor, überflutete Straßen zu befahren oder Wälder zu betreten. Erst am Donnerstag (25. September) im Laufe des Tages ist mit einer spürbaren Entspannung der Lage zu rechnen, doch bis dahin gilt: Die Kombination aus Dauerregen, Überflutungen, Erdrutschgefahr und Sturm ist brandgefährlich und könnte noch erhebliche Schäden hinterlassen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Silas Stein

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