„Schiff ist eine Perversion“

„Schritt in die falsche Richtung“ – Kritik an Mega-Kreuzfahrtschiff „Icon of the Seas“ wird laut

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Die „Icon of the Seas“ ist in See gestochen. Mit an Bord: ein 17 Meter hoher Wasserfall. Umweltorganisationen sagen deutlich, was sie vom weltgrößten Kreuzfahrtschiff halten.

München – Das weltgrößte Kreuzfahrtschiff hat auf seiner Jungfernreise den ersten Stopp eingelegt. Der Ozean-Gigant erreichte am 30. Januar Basseterre auf der Karibikinsel St. Kitts, drei Tage nachdem die „Icon of the Seas“ zur ersten Fahrt mit Passagieren in Miami ausgelaufen war. Während die Insel stolz die historische Ankunft feierte, hagelt es von Umweltorganisationen Kritik.

Die Icon of the Seas, das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, verlässt den Hafen von Miami zu seiner ersten öffentlichen Kreuzfahrt, vorbei an Fisher Island und Miami Beach.

„Unsere Wirtschaft wird zum glücklichen Empfänger großer Chancen, da die Ankunft des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt unser Land fest auf der Weltkarte des Handels verankert. Es eröffnet neue Möglichkeiten für wirtschaftliche Investitionen und Beschäftigung, wichtige Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung“, wird Terrance Drew, Premierminister von St. Kitts und Nevis, auf der offiziellen Seite der Regierung zitiert. Bevor die „Icon of the Seas“ am 2. Februar in ihren Heimathafen Miami zurückkehrt, wird sie weitere Karibikinseln besuchen.

Karibikinsel feiert Ankunft der „Icon of the Seas“ – andere kritisieren Mega-Kreuzfahrtschiff

Das neueste Schiff der Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean ist ein Schiff der Superlative: 20 Decks auf einer Länge von 365 Meter bieten 7.600 Gästen Platz. Mit den Crewmitgliedern kommt es auf eine Kapazität von fast 10.000. Die „Icon of the Seas“ hat acht Stadtteile und den größten Wasserpark auf See samt 17 Meter hohen Wasserfall. Betrieben wird der Ozeanriese mit Flüssigerdgas (LNG). Damit sei er 24 Prozent energieeffizienter sei als von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation für moderne Schiffe gefordert, sagte ein Reederei-Sprecher Focus Online.

Allein in der Landschaft „Chill Island“ gibt es vier Pools.

Gas wird sauberer verbrannt als herkömmlicher Schiffstreibstoff. Doch die verbauten Niederdruck-Dual-Fuel-Motoren geben beim Verbrennungsvorgang Branchenexperten zufolge Methan in die Atmosphäre ab, heißt es beim Spiegel. Dabei gilt Methan als 80 Mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid.

Umweltorganisation kritisiert LNG-Antrieb bei Kreuzfahrtschiffen als „Schritt in die falsche Richtung“

Das ruft bei Umweltorganisationen Kritik hervor. Der Einsatz von LNG sei eine Möglichkeit, den Kohledioxidausstoß zu reduzieren, doch beim Blick auf die Auswirkungen auf das Klima sei das „eigentlich ein Schritt in die falsche Richtung“, sagte Bryan Comer, Direktor des Marine-Programms der Denkfabrik International Council on Clean Transportation, dem Spiegel.

Kreuzfahrt-Urlaub: Unschöne Wahrheiten, die alle kennen sollten

Es ist der Qualm eines Kreuzfahrtschiffs zu sehen.
Auf den Meeren gelten andere Schadstoff-Regelungen als an Land. Doch warum ist das so? Bisher gibt es keine gesetzlichen Vorschriften für Rußpartikelfilter im Schiffsbetrieb. Kreuz- und Frachtschiffe können daher ohne Einschränkungen auf den Meeren umherfahren. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert die Kreuzfahrtreedereien daher auf, auf Schiffsdiesel für Kreuzfahrten umzusteigen sowie flächendeckend Rußpartikelfilter und Stickoxidkatalysatoren an Bord einzusetzen. © Frank Bienewald/Imago
Kreusfahrtschiff „Mein Schiff 2“ von Tui Cruises.
Der Energieverbrauch eines Kreuzfahrtschiffes ist nicht auf die Fahrten auf dem Meer begrenzt. Auch bei Landgängen sowie dem Ein- und Auschecken müssen wird Energie benötigt. Gastronomie, Klimaanlagen und Licht laufen in dieser Zeit weiter, obwohl keine Passagiere an Bord sind.  © imago
Umweltverschmutzung in Form von Qualm am Himmel verursacht durch ein Kreuzfahrtschiff.
Kreuzfahrtschiffe schaden der Umwelt auch durch enormen Ausstoß von Treibhausgasen. Bei jeder Fahrt fallen Umwengen CO2- Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen an. Dem Umweltbundesamt (UBA) zu Folge verbraucht eine Person bei einer einwöchigen Mittelmeerkreuzfahrt rund 1,9 Tonnen CO2-Äquivalent – An- und Abreise sind dabei nicht mit einberechnet. Zum Vergleich: Ein Mensch in Deutschland verbraucht jährlich 1,5 Tonnen CO2-Äquivalent.  © Katrin May/Imago
Abstrakte Deckansicht eines luxuriösen Passagierkreuzfahrtschiffs und Reling.
Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden immer größer. Sie können mehr Touristen aufnehmen, und sind länger auf den Meeren unterwegs – davon profitieren vor allem die Reedereien. Denn je mehr Menschen verpflegt werden können, umso mehr Geld wird an Bord verdient.  © Andy Dean/Imago
Rialto Brücke in Venedig.
Angefahrene Urlaubsorte profitieren kaum von Landgängen. Die Urlaubsströme belasten dagegen vielmehr beliebte Reiseziele wie Barcelona und Venedig. Denn wenn sich plötzlich bis zu 6.000 Kreuzfahrer durch die engen Gassen der Städte zwängen, bleibt von der entspannten Urlaubs-Athmosphäre nicht mehr viel übrig. Die gute Nachricht: Venedig verbannt die Schiffsriesen in Zukunft vor die Stadt, um die einzigartigen Gebäude und Grachten zu schützen.  © Frank Bienewald/Imago
Ein rotes Schiff auf schwarzem Hintergrund.
Schlechte Arbeitsverhältnisse auf dem Schiff: Viele Beschäftigte, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, verdienen lediglich 450 bis 700 Euro pro Monat - und das bei einem Arbeitspensum von bis zu 70 Stunden pro Woche.  © maxkabakov/Imago
Vendig riesiges Kreuzfahrtschiff
Schiffsabgase belasten nicht nur die Meere. Auch die angefahrenen Hafenstädte leiden unter der von den Schiffen verursachten Luftverschmutzung. Die ultrafeinen Partikel sorgen insbesondere an den Kreuzfahrt- und Fährterminals für eine Überschreitung der empfohlenen Grenzwerte. Dies stellt eine Gefährdung für die dort arbeitenden Menschen dar, denn Feinstaub kann im schlimmsten Fall zu Herz-Kreislauf-Beschwerden und Atemwegserkrankungen führen.  © viennaslide/Imago
Es ist Wasser hinter einem Kreuzfahrtschiff zu sehen.
Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden immer noch mit Schweröl betrieben. Der Kraftstoff muss nicht nur energieintensiv aufbereitet werden. Das umwelt- und gesundheitsschädliche Schweröl ist zudem mit besonders vielen Schadstoffen belastet. Das durch die Destillation von Erdöl entstehende Schweröl ist auf dem Land verboten. Auf See hat es jedoch gravierende Auswirkungen: Kommt es zu einem Unfall, verteilt sich das Öl im Meer und schadet so Tieren und dem Ökosystem nachhaltig.  © Roshchyn/Imago
Eine Malteser Flagge auf einem Kreuzfahrtschiff.
Um Steuern zu sparen, fahren viele Kreuzfahrtschiffe unter „fremden“ Flaggen. Kreuzfahrtschiffe werden nicht selten „ausgeflaggt“ in Steuerparadiese wie Malta, Bahamas oder Liberia. Unter „Ausflaggung“ versteht man dabei die Registrierung des Schiffs in einem vom Land des Schiffseigentümers abweichenden Land.  © xhansennx/Imago
Korallen die während des El Niño 2015 auf Hawaii, USA durch warme Meerestemperaturen gebleicht wurden.
Obwohl Umweltzonen helfen, die Auswirkungen des Schweröls einzudämmen, gibt es immer noch zu wenige schadstofffreie Zonen in den Weltmeeren. In sogenannten Emissionskontrollgebieten ist der Einsatz von Schweröl verboten. Es darf also nur der schwefelarmer Schiffsdiesel verwendet werden. Dazu zählen in Europa der Ärmelkanal, Nord- und Ostsee. Saubere Kraftstoffe sowie Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien könnten die Verschmutzungen verringern.  © Nature Picture Library/IMAGO

Auch bei der Organisation „Friends of the Earth“ löst die „Icon of the Seas“ alles andere als Jubelstürme aus. „Wenn man wirklich an Nachhaltigkeit und nicht an seinen Gewinn denken würde, würde man kein Kreuzfahrtschiff mit einer Kapazität von fast 10.000 Menschen bauen“, zitierte die New York Times Marcie Keever.

Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, schrieb bei X: „Dieses Schiff ist eine Perversion. Wer die Meere hasst, fährt dieses Schiff.“ Ein Fauxpas der Reederei Royal Caribbean dürfte den Umweltverbänden schmecken. Die „Quantum of the Seas“ ließ zuletzt Passagiere absichtlich zurück. (mt)

Rubriklistenbild: © Rebecca Blackwell/AP

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