VonJohannes Welteschließen
Bei einem Unfall mit einer Materialseilbahn sind in Österreich zwei Hüttenmitarbeiter aus Nepal in luftiger Höhe hängen geblieben. Die Bergrettung musste ausrücken.
Neukirchen am Großvenediger – Der Großvenediger (3657 Meter) ist nach dem Großglockner das zweithöchste Gipfelmassiv der Hohen Tauern in Österreich und thront so majestätisch über dem Hochgebirge, dass man seine charakteristische Gipfelpyramide auch noch weit ins Flachland hinein erkennen kann. Sofern es Bergblick gibt. Viele Bergfreunde schauen sich das aber lieber aus der Nähe an und erstiegen die Gipfel persönlich.
Berghütte in Österreich ist beliebte Zwischenstation für Touren in den Hohen Tauern
Weil es sich um lange Touren handelt, gibt es Berghütten wie die 2558 Meter hoch gelegene Kürsingerhütte des Österreichischen Alpenvereins am Nordhang des Großvenedigers. Normalerweise läuft die Saison dort bis Ende September, Anfang Oktober. Doch wegen des heftigen Wintereinbruchs sperrte das Team die Hütte zum Sonntag (15. September) zu. „Durch den für die ganze Woche angekündigten starken Schneefall sind wir unter Druck, die Hütte jetzt schon zu verlassen, um noch sicher mit allen unserem Material ins Tal zu kommen,“ schrieben die Betreiber auf der Homepage der Hütte.
Das 150 Betten zählende Berghaus wurde eilig winterfest gemacht. Das Team ging ins Tal. Darunter sind zwei Angestellte aus Nepal, die am Samstagnachmittag möglichst schnell ins Tal wollten. Personal aus Nepal ist in den Alpen durchaus gefragt, da die Menschen aus dem Himalaya-Land sich bestens in den Bergen auskennen. Der Abstieg ins Tal war bereits hüfttief verschneit, weshalb die beiden versuchten, mit der Materialseilbahn, mit der sonst Lebensmittel, Getränke und kleinere Ausrüstungsgegenstände auf den Berg gefahren werden, ins Tal zu kommen. Die Talstation liegt auf etwa 1935 Meter Höhe.
Plötzlich blieb die Seilbahn stecken – die beiden Männer steckten in einer prekären Lage
Die beiden Nepalesen befanden sich am Samstagnachmittag etwa 400 Meter vor der Seilbahn-Talstation der Hütte, als die Materialseilbahn in einer Höhe von etwa 30 Metern stecken blieb. „Die Bergung war wetterbedingt eine Herausforderung“, so Albert Kogler, der Ortsstellenleiter der Bergrettung Neukirchen und Einsatzleiter vor Ort. Kohler weiter: „Wir mussten uns nach der Alarmierung um 15 Uhr zuerst auch durch den tiefen Schnee kämpfen. Aber glücklicherweise war das ein Standort, wo wir überhaupt eine Bergemöglichkeit hatten.“
Das Tragseil der Materialseilbahn dürfte aufgrund des starken Windes aus der Führung gesprungen sein, berichtet die Bergrettung weiter. Der Bergung der in Not geratenen Insassen dauerte jedoch fast vier Stunden, es ging jedoch alles gut aus. „Die beiden Nepalesen waren natürlich etwas unterkühlt, als wir sie schließlich befreien konnten.“
„Hätte auch schlimmer enden können“: Lift-Vorfall geht glimpflich aus
Der Einsatz endete um 22 Uhr. „Das Ganze hätte auch ein schlimmeres Ende nehmen können“, gibt so Maria Riedler, Sprecherin der Bergrettung Salzburg, gegenüber IPPEN.MEDIA zu bedenken. Wer die Materialseilbahn bedient hatte und von wo aus das geschah, vermochte Riedler nicht zu sagen. Am Sonntag postete das Hüttenteam jedenfalls noch sonnige Bilder von der Hütte bei Facebook und schrieb hinzu: „Wir sind mittlerweile alle gut ins Tal gekommen.“
In Norditalien wurde im Juli eine Frau von einer Materialseilbahn mitgerissen, sie stürzte in den Tod. Der Wintereinbruch hatte andernorts in den Alpen Todesopfer gefordert. In den Dolomiten erfror an diesem Wochenende eine Frau bei einer Bergtour. Im Karwendel (Tirol) wurde ein Mann aus Coburg von einer Lawine verschüttet, es gibt kaum Hoffnung, dass er überlebt hat. Am Mont Blanc erfroren vorige Woche vier Bergsteiger, am Monte Rosa stürzten acht Bergsteiger mit einer Wechte in den Tod.
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