Riesige Massen in Bewegung

Massiver Felssturz droht: Konkretes Datum steht fest –Bergdorf muss vermutlich für Monate evakuiert werden  

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Felssturz droht: Schweizer Bergdorf Brienz bereitet sich erneut auf die Evakuierung vor. 1,2 Millionen Kubikmeter Felsschutt könnten diesmal ins Tal donnern.
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Millionen Kubikmeter Fels und Geröll bewegen sich unaufhaltsam ins Tal. Experten sind alarmiert. Die Zeit läuft.

Update vom 12. November, 13 Uhr: Das Schweizer Dorf Brienz in Graubünden muss bis Sonntag (17. November), 13 Uhr evakuiert werden. Das teilt die Gemeinde Albula/Alvra am Dienstagvormittag im aktuellen Bulletin mit. „Aktuelle Phase: ORANGE“ wurde amtlich angeordnet. Ein Betreten ist demnach nur für Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes zur Evakuierung der Gebäude erlaubt. Auch Ferienwohnungen (sogenannte Zweitwohner) dürfen geräumt werden. Ausnahmen sind durch eine Genehmigung der Gemeinde möglich. Zudem gilt ein Flugverbot für Drohnen. Eine Nachricht dürfte für die rund 100 Einwohner wahrscheinlich schwer zu verkraften sein: „Die Evakuierung dürfte mehrere Monate andauern“, heißt es.

Die Lage am Berg hat sich offenbar im Laufe der Woche verschärft. In der Informationsveranstaltung am vergangenen Samstag, war die Hoffnung groß, dass sich die gigantische Schutthalde stabilisiert. Doch nun wächst offenbar die Gefahr, dass eine Steinlawine ins Tal donnert und das Dorf teilweise oder ganz zerstört.

Felssturz in Brienz: Lage verschärft sich. Aus Sicherheitsgründen besteht ab sofort ein Betretungsverbot für die rot markierte Zone.

Massiver Felssturz droht: Bergdorf bereitet sich auf Evakuierung vor

Erstmeldung vom 10. November 2024 Brienz – Der Berg in der Schweiz kommt nicht zur Ruhe. Nun spitzt sich offenbar die Lage zu. Brienz in Graubünden (Schweiz) ist schon wieder in Gefahr. Felsen und Geröll haben sich oberhalb des Ortes stark beschleunigt, teilte der Gemeindeführungsstab Albula/Alvra mit. Die Vorbereitungen zur Evakuierung laufen.

Schweizer Bergdorf Brienz erneut in Gefahr – Felsschutt rutscht immer schneller talabwärts

Bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter Felsschutt könnten in einem Schuttstrom talwärts gleiten und auch den Ort erreichen. Mit rund 25 Zentimeter pro Tag bewegt sich das Geröll im Moment. Niederschläge und andere Felsstürze könnten das Tempo auf 80 Kilometer pro Stunde erhöhen, sagte Geologe Stefan Schneider auf einer Informationsveranstaltung der betroffenen Gemeinde. Zwar sei ein solcher Schuttstrom im Augenblick kaum wahrscheinlich, aber wenn er eintrete, seien rechtzeitige Warnungen nicht mehr möglich.

Von der Evakuierung sind etwa 90 Bewohner in Brienz betroffen. Sie müssen möglicherweise in den nächsten Tagen ihre Häuser verlassen. Im schlimmsten Fall für Monate. Für Wohnungssuchende hat die Gemeinde Albula/Alvra eigens eine Hotline eingerichtet, wie auf der Webseite zu erfahren ist.

Felssturz droht: Schweizer Bergdorf Brienz bereitet sich erneut auf die Evakuierung vor. 1,2 Millionen Kubikmeter Felsschutt könnten diesmal ins Tal donnern.

Wegen der Gefahr eines drohenden Bergsturzes war Brienz im Mai 2023 evakuiert worden. In der Nacht zum 16. Juni 2023 donnerte dann eine gewaltige Felslawine ins Tal. Geröll- und Steinmassen rauschten damals knapp an den Häusern vorbei. Meterhohe Geröllmassen kamen nur wenige Meter vor dem Dorf zum Stehen, begruben Wiesen und eine Straße.

Bergsturz in der Schweiz: Frühwarndienst beobachtet Lage in Brienz seit Wochen

In der zweiten Septemberhälfte seien zeitweise Geschwindigkeiten von über 30 Zentimeter pro Tag gemessen worden, berichtet 20min.ch unter Berufung auf den Frühwarndienst Albula/Alvra. Im Oktober ist laut der Gemeinde die Überwachung verbessert worden. Mit einem Helikopter wurden neue Spiegelreflektoren für den Lasertachymeter moniert, heißt es auf X. Keine zwei Wochen später stellt sich heraus, dass sich der Schuttstrom gefährlich schnell talwärts bewegt.

Brienz liegt im Schweizer Kanton Graubünden in der Nähe von Davos auf 1.150 Metern. Der Berg oberhalb von Brienz ist nach Angaben von Experten seit Jahrtausenden in Bewegung und hat sich über Jahre beschleunigt.

In der jüngsten Vergangenheit verursachten Unwetter in der Schweiz Erdrutsche. Bewohner wurden mehrfach evakuiert. Ein massiver Felsabsturz hatte im September die einzige Verbindungsstraße zum schicken Schweizer Ferienort Saas-Fee blockiert.(ml)

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