Monatelange Räumung?

Wut über Felssturz-Evakuierung in Brienz: „Würde lieber unter Steinen sterben“

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Felsmassen bedrohen Schweizer Bergdorf Brienz in Graubünden. Der Ort bereitet zum zweiten Mal eine Evakuierung vor.
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Zum zweiten Mal muss sich das Bergdorf Brienz eine Evakuierung einstellen. Selbst für die langjährigen Bewohner ist die Situation schwer.

Brienz – Gewaltige Felsmassen rutschen immer schneller ins Tal. Im Schweizer Bergdorf Brienz in Kanton Graubünden gilt die „Phase GELB“. Bewohner müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. Für einige ist es diesmal kaum vorstellbar, ihre Häuser zu verlassen. Die Räumung vom Bergsturz 2023 steckt vielen offenbar noch in den Knochen.

Bergdorf Brienz bereitet Evakuierung vor – Bewohner sind verzweifelt

Jetzt sind wieder Millionen Kubikmeter Fels und Schutt in Bewegung. Die Massen drohen von einem Hang oberhalb des Dorfes talwärts zu donnern. Einen Zeitpunkt für die Evakuierung steht allerdings noch nicht fest (Stand: 9. November). Eine Antwort auf die Anfrage von IPPEN.MEDIA, ob sich die Lage zwischenzeitlich verändert hat, steht noch aus. Im schlimmsten Fall dürfen die etwa 100 Einwohner mehrere Monate nicht zurückkehren. Vor Weihnachten keine guten Nachrichten. Denn noch steht nichts fest.

„Ich würde meine Familie in Sicherheit bringen, selber aber hier bleiben“, sagt ein Vater von sieben Kindern der Schweizer blick.ch. Er würde sich das von den Behörden nicht mehr bieten lassen. „Und würde lieber unter den Steinen sterben.“

„Das Schwierigste ist die Ungewissheit“, sagt Elisabeth A. dem Schweizer Nachrichtenportal. Die pensionierte Pflegefachfrau ist 86 Jahre alt und lebt schon bald 60 Jahre im Ort. Noch habe sie nicht gepackt. Dieses Mal nehme sie nur noch das Allerwichtigste mit.

Das Bergdorf Brienz in Graubünden (Schweiz) rutscht ins Tal (Archivfoto aus dem Jahr 2023). Jetzt drohen erneut Felsmassen von einem Hang herab zustürzten.

Vorhersage von Felssturz laut Experten unzuverlässig – Lage in Brienz kompliziert

Vor dem Bergsturz im Jahr 2023 wurde das Bergdorf Mitte Mai evakuiert. Anfang Juli durften die Bewohner dann endlich wieder in das Dorf zurückkehren. Die Gefahrensituation der aktuellen Schutthalde am Hang sei mit dem Bergsturz 2023 nicht vergleichbar, betont die Gemeinde in einer Präsentation für die Bevölkerung.

„Eine Beruhigung der Lage ist sehr wahrscheinlich“, heißt es vorab zur Lage der Schutthalde am Hang. Anders als bei der sogenannten „Insel“ im Sommer 2023 sei jedoch keine konkrete Prognose oder Vorhersage über die zeitliche Entwicklung möglich. Das Geröll gleitet pro Tag 25 bis 30 Zentimeter. Doch Niederschläge oder Felsstürze im Bereich der Schutthalde könnten das Tempo auf 80 km/h und mehr erhöhen, befürchten Experten.

Laut den Verantwortlichen könnten keine längeren Vorwarnzeiten erwartet werden. Überwachungssysteme seien bei einem Schuttstrom nicht zuverlässig. Wenn es zu einem Schuttstrom komme, erreichten die Schuttmassen mit großer Wahrscheinlichkeit das Dorf. Aus Sicherheitsgründen habe der Gemeindeführungsstab für das Dorf Brienz/Brinzauls die „Phase GELB“ beschlossen.

Bei einem zweifachen Erdrutsch in der Schweiz wurden betroffene Bewohner mehrfach evakuiert. (ml)

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