Phlegräische Felder

Supervulkan wird wieder aktiv – Beben verlagern sich Richtung Großstadt und alarmieren Wissenschaftler

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Der Supervulkan in Süditalien hat nach längerer Pause wieder eine heftige Bebenserie verursacht. Neu ist, dass sich die Erdstöße Richtung Neapel verschieben.

Neapel/Pozzuoli - Seit einem Jahr sorgt der Supervulkan der Phlegräischen Felder im Süden Italiens für Schlagzeilen: Eine nicht enden wollende Bebenserie, die immer stärker wird, sorgt für Angst in der Hafenstadt Pozzuoli und im Westen Neapels. An die 500000 Menschen leben in der Roten Zone, in der jederzeit die Gefahr eines Ausbruchs oder Erdbebens besteht.

Immer wieder sorgen Erdbeben für Schäden in den Phlegräischen Feldern wie hier Ende Mai.

Die Beben werden durch die Hebung des Gebietes verursacht, die in den 50 Jahren begann und mittlerweile über vier Meter beträgt. Seit Januar 2011 stieg der Boden alleine um 1,25 Meter an. Voriges Jahr betrug die durchschnittliche Hebungsgeschwindigkeit einen Zentimeter pro Monat, in diesem Jahr hat sich das Tempo auf zwei Zentimeter verdoppelt. Ob Magma diese riesige Beule im Boden verursacht oder nur von tiefem Magma erhitztes Wasser und Gase den unglaublichen Druck im Boden erzeugen, darüber streiten sich die Wissenschaftler.

Neuer Bebenschwarm lässt eine halbe Million Menschen zittern

Im Herbst vorigen Jahres bebte die Erde kräftig wie seit der letzten Krise in den 80er Jahren nicht mehr, vor einem Monat ereignete sich dann die bislang heftigste Bebenserie, die jemals vor Ort gemessen wurde. Der stärkste Erdstoß hatte die Magnitude 4,4. Knapp vier Wochen lang war es dann sehr ruhig geworden – bis am Mittwochnachmittag (2. Juli) ein neuer Bebenschwarm einsetzte.

Gegen 15.10 Uhr gab es den ersten größere Erdstoß der Stärke 2,9. Ihm folgten drei weitere ähnlich große Beben mit Stärken zwischen 2,5 und 2,7. Nach neun leichten Erdstößen rüttelte früh um 2:18 Uhr der stärkste Schlag der Bebenserie mit einer Magnitude von 3,2 die Menschen aus dem Schlaf. Acht kleinere Beben folgten bis 7.14 Uhr.

Die Beben rücken immer weiter Richtung Neapels Stadtmitte vor

Schäden wurden keine gemeldet, doch eine Sache ist bemerkenswert: Die Epizentren lagen ziemlich weit im Osten im Vergleich zu den anderen Erdstößen bislang, die sich auf den Solfatara-Krater östlich von Pozzuoli und ein Gebiet im Meer südlich von Pozzuoli ereigneten. Damit rückt die Aktivität um zwei bis vier Kilometer näher an die knapp eine Million Einwohner zählende Großstadt Neapel. Die Erdstöße fanden teils nur wenige Hundert Meter vom Stadtteil Bagnoli statt, in dem der SSC Neapel ein neues Stadion plant.

Die meisten Erdbeben des Supervulkans ereignen sich unter dem Solfatara-Krater.

Eine neue Studie der Friedrich-II-Universität von Neapel bestätigt, dass sich im Westen Neapels eine neue Gefahrenzone entwickelt hat. Die Wissenschaftler haben die Beben der letzten zehn Jahre mit einer neuen Technik kartiert, die auf der Integration seismologischer Daten, geophysikalischer Parameter und im Untersuchungsgebiet bekannter geologischer Informationen basiert. Die online veröffentlichte Studie liefert hochpräzise Erdbebenpositionen, die es ermöglichen, die aktuelle Situation aufzudecken und neu aktivierte Störungszonen der inneren Caldera zu erkennen.

Die Beben fanden demnach in einer maximalen Tiefe von etwa drei bis vier Kilometern statt, wobei Ereignisse größerer Stärke meist mit größeren Tiefen verbunden sind. Die räumliche Verteilung der Seismizität stimmt gut mit der Geometrie von Verwerfungen überein, die zuvor in der Erdkruste identifiziert und im Laufe der Zehntausende-Jahre alten Geschichte des Vulkans aktiviert wurden.

Starkes Beben sorgte für neuen Bruch in der Erdkruste – Fünffach stärkere Erdstöße befürchtet

Überraschend: Bei dem stärksten Beben im vorigen Jahr tat sich neue Erdspalte auf dem Neapolitaner Stadtgebiet auf: „Die in dieser Studie erzielten Ergebnisse haben es uns ermöglicht, zum ersten Mal eine neue Verwerfung vor der Küste von Bagnoli–La Pietra zu identifizieren, die während des Erdbebens der Stärke 4,2 vom 27. September 2023 aktiviert wurde und von der Bevölkerung stark wahrgenommen wurde“, heißt es.

Der Riss sei 400 bis 700 Meter groß und verlaufe von Nord nach Süd. Die Verwerfung könnte neue Beben mit einer Stärke von bis zu 5,1 verursachen, „was die seismische Gefährdung in dem Gebiet erheblich erhöht“, warnen die Forscher. Eine Magnitude von 5,1 scheint relativ harmlos zu klingen. Es würde jedoch eine Verfünffachung der Stärke gegenüber dem bislang stärksten Beben in den phlegräischen Feldern von 4,4 vor einem Monat bedeuten. In einer anderen Studie war jüngst berichtet worden, dass man eine neue Magmablase unter der Erde entdeckt hat. Zuletzt waren die Notfallpläne für das Gebiet in die Kritik geraten. Experten halten sie für blauäugig.

Rubriklistenbild: © IMAGO/IPA/ABACA

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