VonAlina Schröderschließen
Die Karibik wird derzeit von einem historischen Hurrikan verwüstet. Die Schäden sind enorm – und „Beryl“ droht weiter in Richtung Festland zu ziehen.
St. George‘s – Ein schwerer Hurrikan trifft derzeit den Südosten der Karibik und sorgt dort für immense Schäden. Die Behörden und Regierungen verschiedener Länder, wie Grenada und Jamaika, schlagen angesichts extrem hohen Windgeschwindigkeiten Alarm und warnen die Bevölkerung.
Der Hurrikan „Beryl“ traf am Montagvormittag (Ortszeit) als Kategorie 4 über der zu Grenada gehörenden Insel Carriacou auf Land, wie das US-Hurrikanzentrum NHC mitteilte. Inzwischen wurde er auf die Kategorie 5 – die höchste für Hurrikans – hochgestuft. Bald dürfte sich „Beryl“ Jamaika nähern. Im Herbst 2023 sorgte Hurrikan „Otis“ mit Windgeschwindigkeiten von 330 km/h in Mexiko für große Zerstörung.
Hurrikan „Beryl“ verwüstet Karibik-Inseln – „Da hilft nur noch beten“
Am späten Montagabend (1. Juli) wurden laut NHC anhaltende Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Kilometern pro Stunde gemessen. Expertinnen und Experten zufolge war im Atlantik nicht einmal ein Hurrikan der Kategorie 4 so früh in einem Jahr gemessen worden. „Beryl“ ist der erste Hurrikan der diesjährigen Saison.
Von den Inseln Carriacou und Petite Martinique würden Verwüstung mit extremen Schäden an Häusern gemeldet, sagte Grenadas Ministerpräsident Dickon Mitchell in einem Briefing. Der Strom sei überall ausgefallen, die Kommunikation zwischen den Inseln schwierig. Ein Todesfall sei bislang registriert worden, nachdem ein Baum auf ein Haus gestürzt sei. Der Sturm habe auch Kühe auf einer Weide getötet.
„Sobald es sicher ist, werde ich nach Carriacou reisen, um die Schäden zu begutachten und der Nation einen umfassenden Bericht zu geben“, so der Ministerpräsident. Die Bürgerinnen und Bürger Grenadas bittet er, in Sicherheit zu bleiben. „Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden noch größer wird“, sagte Mitchell vor Reportern laut dem Sender ABC11. „Da hilft nur noch beten.“
Hurrikan „Beryl“ legt Flughäfen lahm – Cricket-Nationalteam sitzt fest
Neben Grenada erlebten mehrere weitere Inselstaaten der Kleinen Antillen starken Wind und heftigen Regen, darunter St. Vincent und die Grenadinen sowie St. Lucia. Auf Bildern in sozialen Medien sind Überschwemmungen, sich im Wind biegende Palmen und Trümmer beschädigter Häuser zu sehen. Das NHC warnte vor extrem gefährlichen Bedingungen mit lebensgefährlichem Wind und Sturmfluten.
Wegen des Hurrikans fallen zahlreiche Flüge in der Region aus. Auch ist ein Sportteam davon betroffen: Indiens Cricket-Männer-Nationalmannschaft steckt nach ihrem Gewinn der T20-Weltmeistermeisterschaft am Samstag auf Barbados fest, wie indische Medien berichteten.
Gefährlicher Hurrikan „Beryl“ nimmt Kurs auf Mexiko
„Beryl“ bewegt sich in Richtung Nordwesten und bedroht daher noch weitere Länder. Es werde erwartet, dass er auf seinem Weg über die östliche Karibik ein extrem gefährlicher, schwerer Hurrikan bleibe, heißt es vom NHC. Am Mittwoch dürfte sich das Auge des Sturms den Prognosen zufolge Jamaika nähern. In einer Pressekonferenz rief der jamaikanische Ministerpräsident Andrew Holness die Bevölkerung dazu auf, die Zeit zu nutzen, sich zu rüsten und unter anderem mit Wasser und Dosennahrung zu versorgen.
Am Donnerstag wird der tropische Wirbelsturm auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán erwartet, wo beliebte Urlaubsorte wie Cancún liegen.
Update: 11:35 AM AST Sunday - Reconnaissance aircraft find #Beryl has strengthen into an extremely dangerous category 4 hurricane with maximum winds of 130 mph. Life-threatening winds and storm surge expected in the Windward Islands beginning early Monday morning. Latest at… pic.twitter.com/CUNFkVl8Iv
— National Hurricane Center (@NHC_Atlantic) June 30, 2024
Hurrikan-Saison laut Fachleuten 2024 stärker als sonst
In weniger als 24 Stunden hatte sich „Beryl“ am Sonntag (30. Juni) bereits von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der Kategorie 4 entwickelt. „Beryl ist nun der früheste atlantische Hurrikan der Kategorie 4 in den Aufzeichnungen und übertrifft damit Hurrikan Dennis, der am 8. Juli 2005 zu einem Hurrikan der Kategorie 4 wurde“, schrieb der Experte Michael Lowry auf der Plattform X.
Es ist der zweite benannte Sturm der Hurrikan-Saison im Atlantik, die von Juni bis November dauert. Die aktivste Zeit ist meist um September herum. Von einem Hurrikan spricht man ab Windgeschwindigkeiten von 119 Stundenkilometern, die höchste Kategorie - 5 - beginnt bei 251 Kilometern pro Stunde.
Die US-Wetterbehörde NOAA rechnet in diesem Jahr mit einer überdurchschnittlich starken Hurrikan-Saison im Atlantik. Ursachen seien unter anderem überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen im Atlantik und das erwartete Einsetzen von „La Niña“, einer Phase kühleren Wassers im Pazifik. Der Klimawandel ist auch ein Faktor. Die Erderwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit starker Stürme. (asc/dpa)
