Schisma in Deutschland?

Papst Franziskus greift ein: Angst vor Spaltung im Vatikan – Geheimtreffen soll „Bombe entschärfen“

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Auf Drängen von Papst Franziskus soll sich das frostige Verhältnis zwischen dem Vatikan und der katholischen Kirche in Deutschland wieder etwas entspannen.
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Überraschendes Treffen im Vatikan, um die Eiszeit mit der katholischen Kirche in Deutschland zu beenden. Papst Franziskus setzt Dialog in Gang.

Rom – Plötzlich kommt Bewegung in das Verhältnis zwischen der deutschen Kirche und dem Vatikan. Denn lange Zeit herrschte eine gewisse Eiszeit zwischen den Würdenträgern der katholischen Kirche in Deutschland und dem Heiligen Stuhl von Papst Franziskus, die ihren Höhepunkt im frostigen Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe im vergangenen November fand. Der Grund: Der „Synodale Weg“, der in Rom die Sorge eines Schismas, einer Kirchenspaltung, schürt, da damals erhebliche Differenzen zutage getreten waren.

Während der Vatikan in jüngster Vergangenheit mit erneuten Anschuldigungen im Vermisstenfall von Emanuela Orlandi und der Verbannung von Georg Gänswein durch Papst Franziskus ausgesetzt sah, kam es nun am Mittwochabend (27. Juli) zu einem überraschenden „Geheimtreffen“ im Vatikan. Teilnehmer von deutscher Seite waren Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und vier weitere Bischöfe, die sich mit Vertretern der römischen Kurie getroffen hätten. Das ging aus einer gemeinsamen Erklärung der Bischofskonferenz und des Vatikans hervor.

Papst Franziskus greift ein: Angst vor Kirchenspaltung im Vatikan – Treffen mit deutschen Vertretern

Bätzing hatte seit längerer Zeit um einen Austausch gebeten, um dem Heiligen Stuhl deutlich zu machen, dass die Überlegungen zum „Synodalen Weg“ in Deutschland, keine Gefahr für die gesamte katholische Kirche bedeuteten. Inhaltlich ging es laut der Mitteilung um „die theologischen Fragen und die Fragen der Disziplin, die insbesondere beim Synodalen Weg zutage getreten sind“.

Was versteht man unter dem Synodalen Weg?

Der Synodale Weg in Deutschland beleuchtet unter anderem die Rolle der Frau in der Kirche. Des Weiteren beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Relevanz von Glaube und Kirche wieder in die gesellschaftliche Debatte eingebracht und gleichzeitig Antworten auf innerkirchliche Fragen gegeben werden können.

Zu den weiteren Themen zählen, ob katholische Priester, die verheiratet sind, künftig zugelassen werden sollen, ob Frauen als Diakoninnen zugelassen werden sollen und ob homosexuelle Paare sich von der Katholischen Kirche segnen lassen können.

Wer gehört zum Synodalen Weg?

Der Vertretung des Synodalen Weges gehören Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, junge Menschen und Einzelpersonen an.

Vonseiten des Vatikans nahmen unter anderem die Leiter der Bischofsbehörde, Erzbischof Robert Prevost, der Leiter der Ökumenebehörde, Kardinal Kurt Koch, und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin teil. Ebenfalls anwesend war der Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Luis Ladaria, dessen künftiger Nachfolger bereits für Schlagzeilen sorgt, da er sich Attacken von „extremen Gruppen“ ausgesetzt sieht und die Machtfrage im Vatikan stellt.

Papst Franziskus fürchtet wohl Kirchenspaltung in Deutschland: „Bombe allmählich entschärfen“

Die Unterredung selbst habe in „einer positiven und konstruktiven Atmosphäre“ stattgefunden. Der genaue Inhalt blieb allerdings offen. Weitere Gespräche seien jedoch in Planung. Das Treffen in Rom kam wohl auch auf Drängen von Papst Franziskus zustande. Da im Vatikan nach Angaben von Il Messagero im Hinblick auf die Entwicklung in Deutschland, die Sorge vor einem Schisma wachse. Die römische Tageszeitung berief sich dabei auf einen namentlich nicht genannten ranghohen Kurienkardinal.

Vor diesem Hintergrund wolle der Pontifex, der seinerseits den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er das Erbe von Papst Benedikt XVI. zerlegt, einen Dialog mit den deutschen Bischöfen forcieren, „um diese Bombe allmählich zu entschärfen.“

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