VonTeresa Tothschließen
Eine Gruppe von Orcas hat die Segelyacht „Bonhomme William“ vor der Küste Spaniens angegriffen und versenkt. Wal-Angriffe auf Schiffe häuften sich zuletzt.
Vilamoura – Eine Segelreise von Vilamoura in Portugal nach Griechenland endete für Robert Powell und seine Crew in einem Albtraum. Die Segelyacht „Bonhomme William“ wurde von einer Gruppe von fünf Orcas angegriffen und schließlich versenkt. „Es war, als würde man Wölfen bei der Jagd zusehen“, schildert der 59-jährige Besitzer der Yacht die dramatischen Ereignisse gegenüber der New York Post.
Orcas sollen die Yacht systematisch angegriffen haben
Der Angriff habe gegen 20 Uhr begonnen, als die Yacht etwa zwei Seemeilen vor der spanischen Küste segelte. Powell und seine Crew hätten den ersten heftigen Stoß am Rumpf des 39-Fuß-Bootes gespürt. „Ich dachte, wir wären auf einen Felsen aufgelaufen“, erinnert sich Powell im Gespräch mit der Zeitung. Doch als er nachsah, habe er die dunklen Umrisse eines Orcas im Wasser entdeckt. Auf Facebook teilte Powell Fotos des Vorfalls.
Die Orcas, darunter zwei Jungtiere, hätten sich zunächst auf das Ruder der Yacht konzentriert und es nach etwa 15 Angriffen unbrauchbar gemacht. Danach sollen sie sich verteilt und verschiedene Teile des Boots angegriffen haben, einschließlich Kiel und Heck. „Sie wussten genau, was sie taten. Ihr einziges Ziel war es, das Boot zu versenken“, so Powell weiter. Doch nicht nur Schiffe sind das Ziel von Orcas: Auch auf Pottwale machen die Tiere Jagd.
Orca-Angriff auf Segelyacht: Erst nach zwei Stunden traf ein Bergungsschiff ein
Die Crew funkte sofort um Hilfe, doch es dauerte zwei Stunden, bis ein spanisches Bergungsschiff eintraf. In der Zwischenzeit habe Powell alles versucht, um die Orcas abzuschrecken, einschließlich des Einsatzes von Feuerwerkskörpern und dem Abschalten des Motors. Doch die Orcas ließen sich nicht beirren. „Es war ein sehr langer Angriff, und die Gewalt hat mich wirklich überrascht“, berichtet Powell.
Schließlich brach der Rumpf der Yacht unter dem Druck der Orcas, und Wasser strömte in den Wohnbereich der „Bonhomme William“. Die Crew konnte sich in letzter Minute auf eine Rettungsinsel retten, bevor das Boot endgültig sank. Die Seenotrettung brachte die Besatzung unverletzt in den Hafen von Barbate, wie das Portal yacht.de berichtet.
Orca-Angriffe auf Segelyachten häufen sich zunehmend
In den letzten Jahren ist es vor der Straße von Gibraltar immer wieder zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Mindestens ein Dutzend Segelyachten sind infolge rätselhafter Orca-Angriffe gesunken. Experten sind besorgt über die zunehmende Häufigkeit und Intensität dieser Angriffe. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Orcas die Boote aus Spaß angreifen könnten – das zeigt etwa eine im Journal Marine Mammal Science veröffentlichte Studie.
Powell vermutet im Gespräch mit der New York Post, dass die Orcas, die seine Yacht angriffen, dieselbe Gruppe sind, die bereits andere Boote in europäischen Gewässern terrorisiert hat. „Ich habe das Gefühl, dass diese Gruppe gezielt Boote versenkt. Sie wussten genau, was sie taten, da bin ich mir sicher“, sagt Powell.
Die wachsende Zahl solcher Vorfälle hat zu einer erhöhten Besorgnis bei Seglern geführt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf diese Killerwale schießt“, warnt Powell. „Der Kampf zwischen Mensch und Tier wird schlimmer werden. Zum Glück war keiner von uns im Wasser oder wurde verletzt.“ (tt)
Rubriklistenbild: © Brend Schuil/dpa | Robert Powell/Facebook/Screenshot
