„Kulturellen Entwicklung“

Marine und Rettungskräfte im Einsatz – doch Orcas versenken Segelboot vor Gibraltar

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Wiederholt kam es zu einem Orca-Angriff auf ein Segelboot. Es könnte sich um eine neue Verhaltensweise handeln, die sich innerhalb der Population ausbreitet.

Gibraltar – In den letzten Monaten häufen sich die Meldungen über Orca-Attacken auf Segelboote. Ein besonders betroffenes Gebiet ist die südspanische Küste. Mehrere Orcas griffen im Mai 2023 ein Segelboot vor Gibraltar an und versenkten diese. Bei einem vorherigen Orca-Angriff bissen die Meerestiere sogar das Ruder ab. Besonders dramatisch wurde es im August dieses Jahres, als sich Orcas einem Katamaran näherten und die Crew mit Beschuss auf die Tiere reagierte. Die Angriffe nehmen kein Ende. Wieder einmal kam es zu einem Zwischenfall in der Straße von Gibraltar.

Erneuter Orca-Angriff vor Gibraltar: Segelboot sinkt vor Hafen

Der Vorfall ereignete sich am 31. Oktober 2023. Am frühen Nachmittag wurde die Jacht „Grazie Mamma II“, des polnischen Unternehmens „Morskie Mile“ von mehreren Orcas angegriffen, wie das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite schreibt. Ganze 45 Minuten lang schlugen die Orcas gegen die Ruderflosse.

Eine Jacht wurde in der Straße von Gibraltar von mehrere Orcas angegriffen.

Die Tiere verursachten enorme Schäden und ein Leck. In Zusammenarbeit mit Hafenschleppern, dem Kapitän der Jacht, der marokkanischen Marine und Rettungskräften SAR, konnte das Boot Richtung Hafen gebracht werden. Der Rettungsversuch war jedoch vergeblich. Kurz vor der Einfahrt in den marokkanischen Hafen von Tanger-Med sank das Segelboot. Die Besatzung befinde sich laut dem polnischen Unternehmen wohlauf in Spanien.

Orca-Attacken auf Segelboote: Forscher sprechen von „Interaktion“

Die Orca-Angriffe vor der iberischen Atlantikküste sowie in der Straße von Gibraltar kommen seit 2020 immer häufiger vor, wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz in einem Beitrag vom 20. August schreibt. Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, warum die Tiere sich so verhalten. Forscher sehen in den Handlungen der Tiere kein aggressives Verhalten.

BezeichnungOrca, Schwertwal, Killerwal
Lebenserwartungetwa 43 Jahre
Länge 9,8 m (Männchen) / 8,5 m (Weibchen)
Gewicht6600 kg (Männchen) / 4700 kg (Weibchen)
ErnährungFischfresser, Säugetierfresser, Fisch, Robben, Pinguine, andere Wale
Quellegeo.de

Es handle sich daher nicht um „Angriffe“, sondern um Interaktionen, erklärt die Stiftung. Als Ursachen für das ungewöhnliche Verhalten der Tiere werden die Nahrungskonkurrenz mit Fischern sowie ein zu intensives Whalewatching aufgezählt.

Neue Verhaltensweise könnte sich ausbreiten: Orca-Jungtiere schauen zu und lernen

Auch Jungtiere wurden bei den Angriffen immer wieder gesichtet. Dies könne ein Hinweis darauf sein, dass die jungen Orcas das Verhalten der erwachsenen Tiere übernehmen. Die Verhaltensweise könne sich in der Population ausbreiten. „Vieles spricht dafür, dass wir es hier mit einer kulturellen Entwicklung zu tun haben. Eine Kultur, die darin besteht, bestimmte Boote zu stoppen. Sie wissen genau, was sie dafür machen müssen. Es ist eine mehr als erstaunliche und faszinierende Intelligenzleistung und gleichzeitig ein Dilemma“, sagt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Karlowski spricht von einer Verselbstständigung. „Der ursprüngliche Auslöser spielt wahrscheinlich keine Rolle mehr. Sie machen das, weil sie es können und weil es ihnen in irgendeiner Form Freude bereitet“, so der Biologe. Ein weiterer Grund für das Verhalten der Tiere könnte das Training des sozialen Zusammenhalts sein oder eine Koordinationsübung, mutmaßt der Biologe. Auch in der Nordsee kam es zwischen einem Segler-Paar und einem Orca zu einem Zusammentreffen. Diese Begegnung ging allerdings glimpflich aus. (vk)

Rubriklistenbild: © Fotomontage/blickwinkel/IMAGO/Screenshot Facebook/Morskie Mile

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