VonMarcus Giebelschließen
Eine Gruppe Wal-Beobachter wird Zeuge eines Angriffs von Orcas auf Pottwale. Mit einer unappetitlichen Aktion werden die Killerwale verscheucht.
Bremer Bay – Wenn Orcas in einer Gruppe die Jagd eröffnen, scheint ihnen kaum ein Lebewesen gewachsen zu sein. Selbst Weiße Haie oder deutlich größere Wale ziehen gegenüber den Spitzenprädatoren in der Regel den Kürzeren. Wie ein Orca-Angriff erfolgreich abgewehrt werden kann, demonstrierte eine Gruppe Pottwale vor den Augen der Teilnehmer einer Wal-Tour.
Orcas machen Jagd auf Pottwale: Menschen beobachten Angriff von Schiff aus
In einem Facebook-Post beschreibt die Organisation Naturaliste Charters die besondere Begegnung vor der Küste Western Australias bei Bremer Bay. Nachdem eine Gruppe Orcas bereits einige Zeit von dem Schiff aus beobachtet worden sei, hätten die Tiere plötzlich das Tempo aufgenommen, als wären sie von etwas angezogen worden.
Dabei schwammen sie dem Festland sogar entgegen und hätten sich in nur 80 Meter tiefem Wasser bewegt – normalerweise würden sie sich in Regionen aufhalten, in denen der Meeresgrund mehr als 1000 Meter unter der Oberfläche ist. Zunächst seien die Experten an Bord davon ausgegangen, dass die Orcas Schnabelwale in der Nähe wahrgenommen hätten. Doch dann zeigte sich, dass ihr Ziel viel größer war.
Sie hatten es auf fünf Pottwale abgesehen, von denen einer kleiner war, vermutlich ein Jungtier. Die vermeintliche Beute wirkte schon verzweifelt und erschöpft, als das Schiff auf Sichtweite herankam. Mit Schlägen ihrer Schwänze versuchten die großen Tiere, die Killerwale abzuwehren, streckten immer wieder ihre Köpfe aus dem Wasser, um zu Atem zu kommen. Währenddessen zogen die Orcas enge Kreise um die Gruppe.
Orcas umzingeln Pottwale: Blase steigt an Oberfläche und verändert die Situation völlig
Weiter wird erklärt, dass sie es bei Pottwalen eher auf Weibchen und Kälber absehen als auf Männchen, die als aggressiver gelten. Weibchen würden demnach kreisförmige Formationen zur Abwehr bilden, um Jungtiere oder verletzte ausgewachsene Tiere in ihrer Mitte zu schützen. Danach sah es also auch in diesem Fall aus.
Einer der größeren Pottwale öffnete sogar sein Maul, sodass der kräftige Unterkiefer und die Zähne zu sehen waren. Doch auch das schlug die Angreifer keinesfalls in die Flucht. Schließlich stieg zwischen den Pottwalen eine große dunkle Blase an die Oberfläche, die menschlichen Beobachter dachten direkt, es handele sich um Blut, offensichtlich infolge einer Verletzung.
Die Spannung an Bord stieg, weil die Expeditionsteilnehmer das Gefühl gewannen, Zeugen von einer erfolgreichen Orca-Jagd auf ausgewachsene Pottwale zu werden. Doch die Angreifer verhielten sich plötzlich merkwürdig. Einer schlug mit dem Schwanz, die anderen entfernten sich. Um die Tiere nicht unnötig in Stress zu versetzen oder zu stören, zog auch das Schiff weiter.
Pottwale nutzen Kot gegen Orcas: Mithilfe des Schwanzes wird Durchfallwolke entfacht
Während der Fahrt tauchten rundherum demnach Orcas auf, die Fleischstücke zu verzehren schienen. Um was es sich dabei genau handelte, bleibt aber das Geheimnis der Tiere. Denn in dem Post wird betont, dass über vieles, was unter der Wasseroberfläche passiert, nur spekuliert werden kann. Dafür förderte die Analyse der Aufnahmen zutage, was sich im Kreis der Pottwale seinen Weg an die Oberfläche gebahnt hatte und irrtümlich für Blut gehalten wurde.
Vielmehr muss eines der angegriffenen Tiere seinen Kot ausgestoßen haben. Mit dieser Methode versuchen in die Enge getriebene Pottwale, sich gegen ihren Angreifer zu verteidigen. Indem sie mit ihrem Schwanz durch den Kot wedeln, schaffen sie eine Durchfallwolke, die Räuber dazu treibt, schnell zu verduften.
Pottwale schlagen Orcas in die Flucht: Erstklassige Jagdtechnik bis der Kot an die Oberfläche steigt
Dass die Ausscheidungen rot wirkten, wird damit erklärt, dass sich Pottwale zu 90 Prozent von Tintenfischen ernähren. Somit konnte der Kot leicht mit Blut verwechselt werden.
In diesem Fall zogen die Orcas also den Kürzeren und die Pottwale bewiesen, dass sie durch ihre Bindung in der Gruppe einen vermeintlich übermächtigen Gegner in die Flucht schlagen können. Dennoch hätten auch die Schwertwale ihre erstklassige Jagdtechnik einmal mehr unter Beweis gestellt.
Orcas auf der Jagd: „Sie schrecken vor nicht allzu viel zurück“
Bei ABC News ordnete die Meeresbiologin Jennah Tucker, die an Bord des Schiffes arbeitet, das selten dokumentierte Spektakel ein. Nachdem diese Duftwolke an die Oberfläche gekommen sei, habe sich die Situation zunächst beruhigt und es sei der Eindruck entstanden, die Orcas hätten sich einen der Pottwale – wahrscheinlich das Jungtier – geschnappt.
Doch dann hätten die Angreifer das Weite gesucht: „Es wirkte, als würden die Orcas sagen, das ist uns unsere Zeit nicht wehrt. Lasst uns alle verschwinden.“ Grundsätzlich seien solche Angriffe von Killerwalen auf die ihnen von der Masse her überlegenen Pottwale „ziemlich abenteuerlich“ und es seien auch nur wenige Fälle dokumentiert.
Tucker hält aber auch fest: „Wir haben gesehen, wie die Bremer Orcas einige ziemlich verrückte Dinge getan haben. Sie schrecken vor nicht allzu viel zurück.“ Duftwolken von Pottwalen scheinen eine der wenigen Ausnahmen zu sein.
Sogar auf der A1 wurde schon ein Pottwal entdeckt. Ein Video zeigt, wie sich eine Segelschiff-Crew dem Angriff von Orcas erwehrt. Für andere Orcas geht es ums pure Überleben, als sie im Eis feststecken und nach Luft ringen. (mg)
Rubriklistenbild: © Facebook/Naturaliste Charters/Jodie Lowe


