VonYannick Hankeschließen
Das Coronavirus bringt immer weiter neue Varianten hervor. Nun warnt ein Forscher vor der Omikron-Unterlinie BJ.1. Sie sei schon in Österreich angekommen.
Berlin – Intensiv beobachten Forscher aus aller Welt, wie sich das Coronavirus immer wieder weiterentwickelt. Es passt sich an, bildet Varianten und Subtypen aus. Seit November 2021 ist vor allem die Omikron-Variante in aller Munde, deren Subvariante Omikron BA.5 in Deutschland längst dominierend ist. Nun warnt ein Forscher vor einer weiteren Unterlinie, BJ.1. Doch was hat es hiermit auf sich?
Omikron BJ.1: Forscher entdecken „besorgniserregende Unterlinie“ bei Coronavirus mit „bösen Kombinationen an kritischen Stellen“
„Eine weitere besorgniserregende Unterlinie breitet sich in Indien aus und ist auch in den USA und Europa (Österreich) angekommen: BJ.1“, schreibt der Mutationsforscher Ulrich Elling auf Twitter. Zwar seien die Zahlen noch sehr niedrig, doch würden die neu erworbenen Mutationen „eine böse Kombination an kritischen Stellen“ darstellen.
Another sublineage of great concern is expanding in India and has also made landfall in the US and Europe (Austria): BJ.1
— Ulrich Elling (@EllingUlrich) September 9, 2022
Numbers are still very low, but the newly acquired mutations are really a nasty combination in critical places.
1/7 pic.twitter.com/GrlfguoVti
Doch was ist bereits über BJ.1 bekannt? Es ist eine BA.2-Sublinie mit 14 zusätzlichen Mutationen im Spike-Protein (plus andere), erklärt Elling in Bezug auf den Omikron-Typen, der schon Anfang August 2022 entdeckt worden sei. Offensichtlich sei, dass die vielen neuen Mutationen dicht und gehäuft an den Stellen für Rezeptorbindung und Antikörperbindung auftreten.
Omikron-Sublinie BJ.1 könnte sich dem Immunsystem stärker entziehen als bisherige Corona-Varianten
„Dieses Mutationspaket macht eine weitere signifikante Immunevasion sehr wahrscheinlich“, heißt es vom Biologen. Damit meint Ulrich Elling die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Omikron BA.2-Sublinie BJ.1 dem Immunsystem noch mehr entziehen kann als die bisherigen Corona-Varianten. Dementsprechend könne man nur hoffen, dass es für das Virus auf Kosten hinsichtlich der Infektiosität gehe.
Warum aber mutiert das Coronavirus derzeit überhaupt so stark? Laut dem Virologen Stephan Becker hänge dies generell mit der immunologischen Lage in der Bevölkerung zusammen. Impfungen, aber auch eine große Anzahl an Infektionen hätten den Selektionsdruck auf Sars-CoV-2 deutlich erhöht. Und: „Viren, die durch eine zufällige Mutation den Antikörpern besser entgehen, haben jetzt einen Überlebensvorteil“, schreibt Becker im Stern.
Omikron BJ.1: Coronavirus verändert sich stetig – Werkzeugkasten mit „Masken“ und „Abstandsregeln“ als Patenzrezept?
Grundsätzlich habe das Coronavirus zudem noch viele Möglichkeiten, sich weiter zu verändern: „Welche Eigenschaften es dann haben wird, kann keiner vorhersagen“, sagt Stephan Becker. Keine Option sei es allerdings, abzuwarten und zu hoffen, „dass es immer harmloser wird“.
Vielmehr empfiehlt der Virologe, quasi einen Werkzeugkasten zusammenzustellen, „aus dem man je nach epidemiologischer Lage unterschiedliche Werkzeuge holen kann“. Hierzu würden etwa Masken in Innenräumen und Abstandsregeln gehören. Also im Grund Regeln für den Corona-Herbst in Deutschland, die der Bundestag unlängst beschlossen hat.
Omikron-Sublinien kein grundsätzlich neues Virus – Immunsystem kann auch auf Omikron BJ.1 entsprechend reagieren
Es stellt sich aber auch die Frage, wie gefährlich die Omikron-Sublinien überhaupt sind. In Bezug auf BJ.1 lassen sich gegenwärtig noch keine validen Aussagen treffen, wie bedeutsam es letztendlich für das Infektionsgeschehen werden kann. Unklar ist auch noch, ob die Unterlinie eine unter vielen bleibt. Schließlich verzweigt sich die Entwicklung von Omikron BA.2 weit.
Fakt ist: Wie gefährlich Omikron-Sublinien für den Menschen werden können, hängt gleich von mehreren Faktoren ab. Da es sich um kein grundsätzlich anderes Virus handelt, hatten die meisten Menschen in Deutschland bereits Kontakt mit diesem. Mal durch Infektion, mal durch Impfung, in der Regel sogar mehrmals. Heißt: Das Immunsystem ist nicht mehr „naiv“, wie es im Fachjargon heißt. Der Gegner in Form vom Virus kann erkannt werden, auf ihn wird reagiert.
Corona-Killervariante wird ausgeschlossen – doch sei Vorsicht vor Unterlinien wie Omikron BJ.1 geboten
Die Reaktion vom Immunsystem hängt aber auch vom Individuum ab. In jedem Fall kennt die Immunabwehr das Coronavirus in verschiedenen Varianten. Schließlicht verändert es sich nicht komplett. Somit bleibt immer eine Immunität gegen die Bereiche bestehen, die nicht mutiert sind.
Zudem sind sich Fachleute weltweit einig darüber, dass eine „Killervariante“ mit verheerenden Eigenschaften äußerst unwahrscheinlich ist. Eine solche Evolution im Rückwärtsgang hatte beispielsweise der Virologe Ulf Dittmer im Gespräch mit dem Focus als unrealistisch bezeichnet. Und doch rät Mutationsforscher Ulrich Elling, nicht zuletzt mit Blick auf BJ.1, zu einer kontinuierlichen Überwachung.
