Phlegräische Felder

Italiens Supervulkan: Mysteriöses Brodeln über versunkener Stadt – Boden springt nach oben

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Die Bebenserie am Supervulkan in Italien hält an. Anwohner beobachten mysteriöse Wellen in der Bucht von Pozzuoli. Und die Anzeichen einer Eskalation mehren sich.

Pozzuoli – Seit zwei Wochen zeigt der Supervulkan der phlegräischen Felder im Süden Italiens die stärkste Aktivität seit Jahrzehnten. Experten zufolge ist es die stärkste Bebenserie seit fast 500 Jahren. Am Dienstag (16. April) schickten die Lehrer bei einem neuen Erdstoß der Stärke 2,3 die Schüler aus den Klassenzimmern in die Pausenhöfe.

Aus Angst vor neuen Beben und Einsturzgefahr fanden auch die Sonntagsmessen am Wochenende im Freien statt. Die Kirche Assunta a Mare am alten Hafen von Pozzuoli wurde bereits wegen Einsturzgefahr komplett gesperrt. Die Behörden kontrollieren seit zwei Wochen den statischen Zustand aller Gebäude der betroffenen Gemeinden.

Messinstrumente zeichnen am Solfatara-Krater in den Phlegräischen Feldern die Entwicklung auf.

Video zeigt mysteriöses Brodeln in der Bucht des Supervulkans in Italien

Die rund 500.000 Bewohner der Roten Zone des Supervulkans werden immer nervöser. Ein Mann, der in einer Bootswerft direkt am Strand in der Ortschaft Baia im Westen der Bucht von Pozzuoli arbeitet, postete bei Facebook: „Da waren plötzliche Wellen im Wasser.“ Eine Frau beobachtete diese Wellen auch fünf Kilometer entfernt in Pozzuoli. Tatsächlich hatte es auch in der Bucht von Pozzuoli Beben gegeben. Eine Userin postet ein Video darunter, in dem man eine Art mysteriöses Brodeln im Wasser sieht.

„Da sind die Reste der untergetauchten Stadt und die sorgt für Turbulenzen, es kommt auf Wind, Strömung etc. an“, wiegelt ein User ab. Tatsächlich befinden sich in der Bucht die Ruinen der römischen Stadt Baiae, die wegen des Auf und Ab des Supervulkans, das durch eine Magmakammer in der Tiefe verursacht wird, unter dem Meeresspiegel versank. Taucher können sie im „Parco Sommerso Di Baia“ besichtigen.

Versunkene Stadt liegt auf einer Spalte in der Erdkruste

„Taucht die untergegangene Stadt wieder auf?“, fragt eine Userin. Der Vulkanologe Aldo Piombino antwortet nüchtern: „Ich glaube, diese abnormale Welle ist auf die Aktivität der heißen Quellen entlang der Verwerfung in der Bucht zurückzuführen.“ Unter Wasser befindet sich so etwas wie ein Riss in der Erdkruste.

Experten halten sogar Tsunamis bei einem Ausbruch im Meer für unvermeidlich. Auch an den Stränden der Bucht gibt es heiße Quellen. Eine Userin erzählt, dass sie schon als Kind sich beinahe die Füße im Sand verbrannt hätten, da dort heiße Luft ausströmte.

Der neue Wochenbericht des Nationalen Geologischen Instituts INGV für die phlegräischen Felder gibt ebenfalls Anlass zur Sorge. Am 9. und 10. April machte die Region, die sich seit Jahren hebt, einen Sprung von einem Zentimeter nach oben. Das ist die Höhe, um die sich die Bucht zuletzt innerhalb eines ganzen Monats hob.

Supervulkan-Beben erregen Sorge: Land wölbt sich schnell nach oben – Thermalquellen werden heißer

Nach diesem Sprung habe sich die Hebungsgeschwindigkeit wieder normalisiert, so das INGV. Allerdings ist Pozzuoli seit November 2005 insgesamt um 1,25 Meter angehoben worden, das sind 30,5 Zentimeter mehr, als sie es in der letzten Krise der Phlegräischen Felder waren und somit ein neuer Rekord.

Außerdem steigen die Temperaturen der heißen Quellen im Solfatara-Krater an. Am 13. April wurden dort einen Meter über der Quelle statt bisher 94 Grad 96 Grad gemessen. In der Facebook-Gruppe „Die in der Roten Zone“ sorgen die neuen Daten für Sorgenfalten: „Das Bulletin ist nicht ermutigend“, so eine Userin. „Alles, was wir brauchen, ist ein Wunder“, so eine andere. Ein Mann postet: „Wenn ich früher etwas optimistisch war, bin ich jetzt das Gegenteil.“ Ein anderer versucht, zu beruhigen: „Die Temperatur ist im Allgemeinen nie konstant und schwankt immer.“

Im Resümee des INGV-Wochenberichtes steht abschließend: „Basierend auf dem aktuellen Bild der vulkanischen Aktivität gibt es keine Hinweise, die auf eine erhebliche kurzfristige Entwicklung hindeuten.“ Der deutsche Vulkanblogger Marc Szeglat von vulkane.net kommentiert das so: „Das mag letzte Woche noch so gewesen sein, doch mittlerweile sehe ich das anders!“

Rubriklistenbild: © IMAGO/napolipress

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