Die Stadt Pozzuoli im Westen der italienischen Millionenmetropole Neapel. Sie liegt auf dem Supervulkan Campi Flegrei, wo es eine Serie von Erdbeben gab.
Der Supervulkan bei Neapel hat mit einem neuen Schwarmbeben die Menschen in der Bucht von Pozzuoli aufgeschreckt. Der Bürgermeister reagiert.
Pozzuoli – Der Supervulkan der Phlegräischen Felder westlich von Neapel rüttelt wieder die rund 500.000 Einwohner in der roten Zone des Risikogebietes durch. Insgesamt bebte die Erde am Donnerstag (4. April) seit 3:48 Uhr bis 14 Uhr im Süden Italiens 15 Mal.
Supervulkan in Italien: Nächstes Schwarmbeben an Phlegräischen Feldern – Menschen strömen aus Angst auf die Straße
Das erste stärkere Beben mit der Magnitude 2,9 wurde um 7.14 Uhr im Golf von Pozzuoli registriert, gefolgt von einem zweiten, stärkeren Erdbeben der Stärke 3,2 um 7.32 Uhr. Nach Angaben des Nationalen geophysikalischen und vulkanologischen Instituts INGV ereigneten sich die Erdbeben in geringer Tiefe, das erste große in 3 km, das zweite in 2,6 km.
Wie bereits bei früheren Beben strömten die Menschen aus Angst vor größeren Erdstößen auf die Straße. Schüler gingen nicht zum Unterricht, berichtet das Portal cronacaflegrea.it.
Der Bürgermeister von Pozzuoli, Luigi Manzoni, richtete sich bei Facebook an die beunruhigten Bürger: „Ich verstehe, dass der Bebenschwarm möglicherweise Angst und Besorgnis ausgelöst hat. Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Vesuv-Observatorium und dem Katastrophenschutz und werden Sie auf unseren institutionellen Kanälen auf dem Laufenden halten.“
Beben rüttelten den Grund der Hafenanlagen von Pozzuoli durch
Die anderen Stöße hatten Stärken von 1,8, 1,5, 1,2 oder geringer. Die Beben fanden im Hafen der Stadt Pozzuoli statt, das Areal gilt als Zentrum der Hebung des Gebietes, die durch den Supervulkan verursacht wird. Seit Januar 2011 hat sich das Bodenniveau hier um 1,17 Meter gehoben. Eine der Folgen: Der Hafen von Pozzuoli wird immer seichter, Schiffe haben bereits Probleme, ihn anzufahren. Am Mittwoch war zu sehen, wie Techniker des INGV den derzeit mächtig dampfenden Vulkankrater der Solfatara bei Pozzuoli untersuchten.
Seit Juni 2023 hat der Supervulkan seine Aktivitäten verstärkt. Es gab zahlreiche Beben. Am 7. September erschütterte ein Erdstoß der Magnitude 3,8 die Phlegräischen Felder. In Agnano, einem Vorort von Neapel, kam es zu kleineren Gebäudeschäden und in Pozzuoli zu einem Stromausfall. Am 27. September wurde ein noch stärkerer Erdstoß mit einer Magnitude von 4,2 gemessen, der noch in Rom zu spüren war. Erneut kam es zu kleineren Gebäudeschäden.
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Brocken stürzen von beliebter Wallfahrtskirche herab
Im Juni und im August vorigen wackelte die Erde in der Region über 1000 Mal, im September über 600 Mal, im Oktober sogar über 1350 Mal. Auch im neuen Jahr gingen die Schwarmbeben weiter. Die ständigen Beben zermürben die Bausubstanz der Gebäude von Pozzuoli. Aus Sorge von einem bevorstehenden Einsturz haben die Behörden die barocke Wallfahrtskirche Assunta a Mare (Maria Himmelfahrt am Meer) für die Gläubigen gesperrt.
Seit Jahrhunderten wurde hier für die glückliche Heimkehr der Seeleute und Fischer gebetet - und um Schutz vor dem Vulkan gefleht. Pfarrer Don Antonio Russo teilte Mitte März laut cronacaflegrea.it „die sofortige Schließung der Kirche aufgrund der aufeinanderfolgenden seismischen Ereignisse und des Herabfallens von Trümmern sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche“ an. Öffentliche Gebäude werden regelmäßig auf Schäden kontrolliert. Seit voriger Woche läuft auch eine Inventur aller privaten Gebäude in der Roten Zone. Technikerteams sollen 12.000 Bauwerke zunächst von außen untersuchen.
Behörden untersuchen 12.000 Gebäude auf Bebenschäden
Am Ende dieser ersten Inspektionsphase wird laut tg24.sky.it eine Übersichtskarte erstellt, die die am stärksten gefährdeten Bereiche hervorhebt, zu der interessierte Bürger in einer zweiten Phase weitere detaillierte Informationen zu den einzelnen Gebäuden anfordern können. „Das Ziel dieser Aktivität“, betont Elena Speranza von der Katastrophenschutzabteilung, „besteht darin, den gesamten wirtschaftlichen Bedarf im Interventionsgebiet zu quantifizieren, um die Gebäude seismisch sanieren zu können.“ In einer weiteren Phase soll geklärt werden, wie und in welchem Umfang der Staat Privatpersonen bei der Sicherung der sanierungsbedürftigen Gebäude unterstützen wird.