Mehrere Beben erschütterten die toskanische Stadt Siena. Schulen wurden vorsorglich geschlossen. Experten warnen vor weiteren Erschütterungen.
Siena – In den letzten Tagen wurde die Region um Siena von einer Serie leichter Erdbeben erschüttert. Am 6. Februar ereignete sich um 12.28 Uhr ein Beben der Stärke 3,0 mit dem Epizentrum in Monteroni d‘Arbia, etwa sieben Kilometer unter der Erdoberfläche. Obwohl keine größeren Schäden oder Verletzten gemeldet wurden, war das Beben in weiten Teilen der Provinz spürbar, was für Besorgnis in der Bevölkerung sorgte. Die Schulbehörden entschieden sich daraufhin, die Schüler früher nach Hause zu schicken, wie die italienischen Medien Corriere di Arezzo und la Repubblica berichten.
Bereits am Wochenende zuvor hatte es mehrere Erdstöße gegeben. Am 2. Februar wurde um 20.29 Uhr ein Beben der Stärke 3,2 verzeichnet, kurz zuvor um 19.11 Uhr ein weiteres mit einer Magnitude von 3,1. Auch am 4. Februar wurden Erschütterungen mit einer Magnitude von 2,1 und 2,2 registriert, diesmal mit Epizentrum in Siena selbst.
Erdbebenserie in der Toskana versetzt Einwohner in Sorge: Vorsorgliche Schulschließunge
Nach dem Erdbebenschwarm blieben am 3. Februar in mehreren Gemeinden der Provinz Siena die Schulen geschlossen. Auch am 6. Februar wurden laut Sky News Schulen in Monteroni d‘Arbia evakuiert, um Gebäude auf potenzielle Schäden zu überprüfen. Diese Maßnahmen wurden von den Behörden getroffen, um die Sicherheit der Schüler und des Lehrpersonals zu gewährleisten.
Die Ursache der seismischen Aktivität liegt in einer geologischen Verwerfung, die sich von der Adriaküste bis zum Tyrrhenischen Meer erstreckt. Diese Zone ist durch mehrere Bruchlinien gekennzeichnet, die zu sogenannten „mechanischen Diskontinuitäten“ führen können, schreibt Corriere di Arezzo. Historisch betrachtet wurde die Region um Siena in der Vergangenheit immer wieder von starken Erdbeben getroffen, unter anderem in den Jahren 1741, 1496 und 1320. 1956 ereignete sich ein stärkerer Erdbebenschwarm mit einer Erschütterung der Stärke VII auf der Mercalli-Skala.
Definition: Mechanische Diskontinuitäten
Mechanische Diskontinuitäten in der Geologie sind Schwächezonen innerhalb eines Gesteinskörpers, an denen sich die mechanischen Eigenschaften abrupt ändern. Sie können in Form von Klüften, also Rissen ohne erkennbare Bewegung, oder als Verwerfungen auftreten, bei denen sich Gesteinsblöcke gegeneinander verschieben. Auch Schichtgrenzen, an denen unterschiedliche Gesteinsschichten aufeinandertreffen, sowie Strukturen wie Foliation und Schieferung, die durch die Ausrichtung von Mineralen entstehen, zählen dazu. Diese Diskontinuitäten beeinflussen maßgeblich die Stabilität von Hängen, die Sicherheit von Tunnelbauten und anderen Ingenieurprojekten. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle für die Zirkulation von Flüssigkeiten im Untergrund und sind oft entscheidend für die Entstehung von Erdbeben.
Erdbebenzone in der Toskana – Italien muss sich an Erdbeben gewöhnen
Lucia Margheriti, Direktorin des Nationalen Erdbebenobservatoriums des INGV, erklärte dem Corriere di Arezzo, dass die seismische Aktivität in der Region nicht mit der von Japan oder Kalifornien vergleichbar sei, dass Erdbeben jedoch jederzeit auftreten könnten. „Das Gebiet von Siena hat in der Vergangenheit seismische Ereignisse bis zum siebten Grad der Mercalli-Skala erlebt“, so Margheriti.
Sie betonte zudem, dass sich die Wahrnehmung der Erdbeben häufig durch verbesserte Messmethoden verändere: „Es ist nicht erwiesen, dass es heute mehr Beben gibt als früher, aber durch modernste Technik können wir sie besser registrieren.“ Trotzdem sei es möglich, dass auch stärkere Beben auftreten. Daher sei es essenziell, dass Bürgerinnen und Bürger auf Notfallpläne vorbereitet seien und die Stabilität von Gebäuden stets im Auge behalten würden.
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Seismischen Aktivitäten in der Toskana: Auswirkungen auf Tourismus und Alltagsleben
Siena ist eine der beliebtesten Ziele für Urlaub in Italien und bekannt für seine historische Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die jüngsten Erdbeben führten dazu, dass neben Schulen auch Museen und andere kulturelle Einrichtungen vorübergehend geschlossen wurden, um Gebäude auf mögliche Schäden zu untersuchen. Bislang gibt es laut Sky News keine Berichte über signifikante Auswirkungen auf den Tourismus.