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Ein Video eines Mannes aus der Stadt Pozzouli zeigt, wie die Erde rund um den Super-Vulkan bei Neapel bebt. Bereits zuvor rannten die Menschen nachts verängstigt auf die Straße.
Nepapel/Pozzuoli - Die phlegräischen Felder bei Neapel in Italien und der zu ihnen gehörende Vulkankrater des Solfatara sind beliebte Ausflugsziele von Urlaubern, die an der Küste bei Neapel Urlaub machen. Die „brennenden“ Schwefelfelder mit ihren Schwefelwolken sorgen dafür, dass in den benachbarten Städten wie Pozzuoli die Kassen klingeln. Doch eine nicht enden wollende Serie von kleineren Erdbeben lässt darauf schließen, dass Europas größter Vulkan, der unter den „Campi flegrei“ liegt, erwacht ist.
Video zeigt heftiges Erdbeben nahe einem Vulkan in Italien: Menschen rennen auf die Straße
Das Video eines Einwohners von Pozzuoli inmitten des Gebiets zeigt, wie es aussieht, wenn aufsteigende Lava die Wände wackeln lässt. Sergio Ambrosino hatte eine Kamera seinen Balkon filmen lassen, als sich am Freitag (18. August) morgens um 6.18 Uhr die Erde bewegte. Im Video-Clip ist zu sehen, wie der Tisch und die Blumentöpfe wackeln. In dieser Nacht bebte die Erde insgesamt achtmal, doch in den frühen Morgenstunden war die Magnitude mit 3,3 am stärksten.
Beinahe jede Nacht fliehen die Menschen rund um die phlegräischen Felder ins Freie, so auch wieder in der Nacht auf Montag (21. August), als die Erde um 21:58 Uhr, 4:48 Uhr, 4.49 Uhr und 4.52 Uhr bebte. Die Magnitude lag dieses Mal „nur“ bei 2,5.
Die Seite pozzuolinews24.it berichtet bei den Erschütterungen von Sonntagabend von einer beängstigenden Geräuschkulisse: „Das Beben, das mehrere Sekunden anhielt und von einem Brüllen begleitet wurde, war deutlich von den Bürgerinnen und Bürger zu spüren, die zwischen den oberen und unteren Teilen der Stadt Pozzuoli bis hin zu den Bezirken Monterusciello und Licola und der nahegelegenen Gemeinde Bacoli wohnen.“
Beängstigendes Brüllen begleitete das Vulkan-Beben – „Da hilft nur noch beten“
Die Einwohner berichten bei Facebook von ihren Sorgen: „So kann man nicht leben“, schreibt eine Frau. „Ich denke, langsam sollten die Menschen, die da leben, ernsthaft über einen Umzug nachdenken“, gibt ein User von außerhalb einen guten Rat. Andere reagieren fatalistisch: „Da hilft nur noch beten.“
Doch auch andere Zeichen deuten darauf hin, dass der Supervulkan offenbar erwacht: Immer größere Dampfwolken steigen aus dem Solfatara-Vulkan auf, Anwohner registrieren, dass sich die Küste hebt. Der Grund könnte sein, dass ich unter der Erde die Magmakammer füllt. „Der ganze Hafen von Pozzuoli steigt aus dem Meer auf, was in den vergangenen fünf Jahren sehr deutlich geworden ist. Der Meeresgrund, der vorher unter Wasser war, liegt trocken und wo sonst Boote schwammen, schauen jetzt trockene Felsen aus dem Wasser“, schreibt der Neapolitaner Ciro Kevin Ianuale bei Facebook.
Eruption des Supervulkans in Italien könnte Klima weltweit beeinflussen
Ein Ausbruch der phlegräischen Felder könnte fatal sein: In der unmittelbaren Umgebung leben 360.000 Menschen, die Stadtgrenze von Neapel (knapp eine Million Einwohner) liegt am Rande des Gebiets. Bei einer Eruption vor rund 40.000 Jahren wurde laut weather.com eine riesige Menge Asche in die Atmosphäre geschleudert, die das Klima weltweit massiv beeinflusste. Vor 15.000 Jahren gab es einen weiteren schweren Ausbruch.
1538 wurde bei einer Eruption etwa nur ein Hundertstel der Magmamenge ausgeschleudert, wie bei den Eruptionen in vorgeschichtlicher Zeit. Auch in den 1980er Jahren zeigte der Supervulkan wetteronline.de zufolge Anzeichen erhöhter Aktivität: Die Stadt Pozzuoli hob sich um mehrere Meter und es kam zu häufigen Erdbeben. Der befürchtete Ausbruch blieb jedoch aus und der Vulkan beruhigte sich wieder.
Super-Vulkan in Italien: Wissenschaftler sehen Anzeichen für einen näher rückenden Ausbruch
Ist es auch dieses Mal nur ein Fehlalarm? Ein Forscherteam des University College London ist wenig optimistisch. Die Wissenschaftler um Christopher Kilburn haben in einer Studie festgestellt: Das Muster der Hebungen und der seismischen Erschütterungen des Vulkans habe sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Während sich das Deckgestein vor 40 Jahren noch elastisch verformt habe, nehme seine Elastizität seit einigen Jahren deutlich ab, es werde spröder.
Das könne das Aufsteigen des Magmas und somit einen Vulkanausbruch beschleunigen. Der 30 Kilometer entfernte Vulkan Vesuv hatte im Jahre 79 n. Chr. die Städte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und das rund zwölf Kilometer entfernte Stabiae unter Asche verschüttet. Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf 5000 geschätzt.
Auch das Wetter macht Italien aktuell zu schaffen. Das Sahara-Hoch „Nero“ trifft Italien und bringt enorme Hitze. In etlichen Städten wird schon jetzt Alarm ausgelöst. Am Gardasee ereignete sich währenddessen eine Tragödie. Eine junge Frau ertrinkt im Gardasee in Italien. Nachdem sie in den See gesprungen war, tauchte sie nicht mehr an der Oberfläche auf.
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