Angst vor Ausbruch

Neueste Bebenserie am Supervulkan: Die Erdbeben bewegen sich immer weiter zur Oberfläche

  • schließen

Ein Schwarmbeben am Supervulkan der Phlegräischen Felder in Süditalien verursacht erneut Furcht vor einem Ausbruch. Ein Experte ist alarmiert.

Pozzuoli - Ein neues Schwarmbeben am Vulkan der Phlegräischen Felder lässt die Angst vor einem verheerenden Ausbruch in der Region um Neapel im Süden Italiens wieder aufflammen. 19 Erdstöße wurden von Dienstagmittag (21. Januar) bis Mittwochnachmittag gezählt. Der erste war der stärkste mit einer Magnitude von 2,1. Nach den heftigen Beben im vergangenen Sommer schien sich die Lage beruhigt zu haben. Doch seit einigen Wochen häufen sich die Beben wieder. Am 18. Januar ereigneten sich zwei Erdstöße der Stärke. 1,5 und 1,2 gemessen, am 17. Januar hatte der stärkste eine Magnitude von 3,0 auf der Richterskala.

Ernsthafte Schäden oder Verletzte wurden zwar nicht beklagt, doch Vulkanausbrüche werden oft von solchen Schwarmbeben angekündigt. Wieder einmal haben die Anwohner ein Grollen gehört, kurz bevor die Erde wackelte.

Die Aufwölbung des Gebietes beschleunigt sich nach einer Ruhepause wieder

Auch die Aufwölbung der Phlegräischen Felder gegenüber der umgebenden Regionen und dem Meer hält an. Seit Anfang August 2024 betrug der durchschnittliche Wert der Auftriebsgeschwindigkeit etwa zehn Millimeter in der Hafenstadt Pozzuoli. Ende des vorigen Jahres gab es sogar Wochen, in dem die Erde der Gegend stillstand. Im jüngsten Wochenbericht wurde im Gegensatz zur Vorwoche aber wieder ein Plus von fünf Millimetern festgestellt. Auf einen Monat gerechnet, wären das 20 Millimeter. Dieses Tempo wurde bereits im Vorjahr über mehrere Monate erreicht.

Eine Karte der Erdbeben der vergangenen zwei Jahre in den Phlegräischen Feldern.

Kurz nach der Bebenserie vom 17. und 18. Januar meldet sich der Vulkanologe Dr. Graeme Wheller von der University of Tasmania (Australien) zu Wort - ein Experte für die Phlegräischen Felder. Wheller schrieb in einem Beitrag bei Facebook: „Die Oberflächenereignisse von vor einigen Stunden in den Phlegräischen Feldern könnten der Höhepunkt eines Prozesses gewesen sein, der vor etwa einer Woche begann.“

In einem Video Whellers ist zu sehen, wie die Erdbeben in knapp über drei Kilometern begannen. „Im Laufe der Woche haben sich die Bebentiefen im Allgemeinen auf etwa zwei Kilometer und dann auf die sehr flachen Werte des heutigen Abends verschoben.“ Teilwiese fanden die Erdstöße nur in 200 Metern Tiefe statt.

Wissenschaftler zerstört Hoffnungen, dass sich die Situation am Supervulkan entspannt

Wheller weiter: „Meine Interpretation ist, dass ein Impuls heißer, unter hohem Druck stehender magmatischer Fluide aus der Tiefe in die beiden Enden des üblichen durchlässigen Verwerfungssystems am Solfatara-Krater gelangte.“ Mit magmatischer Fluiden ist nicht unbedingt Magma gemeint, es kann auch heißes Wasser oder Dampf sein, das beim Aufstiegen oder Abkühlen von Magma ausgestoßen wird.

Wheller schließt seine Ausführungen mit den Worten: „Offensichtlich verlangsamen sich die Ankunft der magmatischen Fluide und der Druckanstieg im hydrothermalen Volumen an der Oberfläche nicht wie erhofft, aber es gibt immer noch keine Anzeichen für Magmabewegungen.“ In den vergangenen Monaten hatte es vorübergehend so ausgesehen, als ob sich die Lage am Supervulkan beruhigen würde.

Allerdings kann es auch ohne Magma einen phreatischen Ausbruch geben, eine gigantische Dampfexplosion, die sogar so viel Gestein mitreißen kann, dass das zuvor eingeschlossene Magma als Lava an die Oberfläche kommen kann. Tatsächlich halten die Forscher des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie einen phreatischen Ausbruch als das realistischste Szenario für die Phlegräischen Felder. Eine Vorhersage ist fast unmöglich.

Die Erdbeben wandern in Richtung der Luftwaffenakademie, die auf einem alten Ladavom steht

Zuletzt wanderten die Erdstöße vom Solfatarakrater Richtung des prähistorischen Lavadoms Monte Olibano. Hier befindet sich die Luftwaffenakademie. Unbestätigten Berichten zufolge plant das italienische Militär den Abzug der Pilotenschmiede nach Norditalien. Wegen der Gefahren wurde in der Roten Zone auch ein Bauverbot erlassen. Dennoch steht eine Kraterinsel an der Küste als Feriendomizil zum Verkauf.

Die Phlegräischen Felder sorgen wieder mit Erdbeben für Alarmstimmung.

Bei Facebook werden die User sarkastisch: „Wenn die Hebung so weiter geht, fällt bei uns bald Schnee“, witzelt einer. Ein anderer denkt an die Katastrophenserie La Palma bei Netflix, die sich um einen Vulkanausbruch und einen Mega-Tsunami nach einem Bergrutsch auf den Kanaren dreht. „Ich glaube, die meinen in Wirklichkeit uns“, schreibt ein User der Gruppe „Die aus der Roten Zone des Vulkans der Phlegräischen Felder“. Hier leben über 500 000 Menschen.

Tatsächlich hatten Forscher jüngst Spuren eines prähistorischen riesigen Bergsturzes auf der Vulkaninsel Ischia entdeckt, die zehn Kilometer vor den Phlegräischen Feldern liegt. Der Bergsturz dürfte einen Mega-Tsunami ausgelöst haben. Erst jüngst sorgten Riesenwellen für Tote und Zerstörung an der Pazifikküste. Auch eine griechische Urlaubsinsel wurde von einem Erdbeben am Mittwoch heimgesucht.

Rubriklistenbild: © Copyright: xpablodebatx via imag

Kommentare