Nordmazedonien ist ein Binnenstaat in Südosteuropa. Die einstige Teilrepublik Jugoslawiens blickt gerade im 20. Jahrhundert auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Das Land befindet sich wirtschaftlich und politisch noch in einem großen Umbruch.
- Nordmazedonien war von 1991 bis 2019 auch als Republik Mazedonien bekannt.
- Der Binnenstaat beherbergt neun verschiedene Ethnien.
- Seit März 2020 ist das Land Mitglied der NATO.
Skopje – Mit einer Fläche von 25.713 Quadratkilometern ist Nordmazedonien gerade einmal so groß wie das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Dabei blickt der Balkanstaat auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Noch lange nach dem Zerfall Jugoslawiens bezeichnete sich das Land auch als „ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“. Nach einem Namensstreit mit dem Nachbarland Griechenland wurde der Binnenstaat, dessen Hauptstadt Skopje ist, 2019 schließlich in Nordmazedonien umbenannt.
Nordmazedonien: Frühgeschichte und Mazedonien-Frage
Bereits im 8. Jahrhundert vor Christus siedelte auf dem Gebiet des heutigen Nordmazedoniens der Volksstamm der Illyrer an, der sich später mit den Thrakern mischte. Später wurde die Region von den Byzantinern erobert und im Mittelalter ein Teil von Bulgarien. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts eroberten die Osmanen das Gebiet.
Doch bald schon regte sich Widerstand gegen die osmanische Herrschaft, der bis ins 19. Jahrhundert anhielt. Hinzu kam, dass auch Russland gegen die feindliche Macht agierte, sodass das Gebiet nach dem russisch-türkischen Krieg wieder an Bulgarien fiel. Dies änderte sich nach dem Berliner Kongress wieder und das Gebiet des heutigen Nordmazedoniens wurde erneut dem Osmanischen Reich unterstellt. Es folgten weitere Aufstände gegen die osmanische Herrschaft, die erst mit dem Ausbruch der Balkankriege endgültig beendet wurde.
Nordmazedonien: Teilrepublik Jugoslawiens und Unabhängigkeit
Nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs wurde Mazedonien 1918 als Provinz in das neue serbische Königreich eingegliedert, dem neben Serben auch Kroaten und Slowenen angehörten. 1929 entstand so das Königreich Jugoslawien. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mazedonien schließlich zu einem Autonomiegebiet in der „Föderativen Volksrepublik Jugoslawien“, die später zur Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien wurde.
In einem Volksentscheid von 1990 stimmten 95 Prozent der Mazedonier für einen Ausstieg aus der jugoslawischen Republik. Ein Jahr später machte sich das Land als „Republika Mazedonija“ unabhängig. 1993 wurde die Republik in die Vereinten Nationen aufgenommen. Dennoch hatte der neue Staat immer noch mit innerpolitischen Konflikten zu kämpfen. Vor allem die Albaner formierten sich in Unabhängigkeitsbewegungen und forderten einen eigenen Staat. Mithilfe der NATO konnten die Anschläge extremistischer Albaner im Zaum gehalten werden. Das Land war allerdings auch mit den Flüchtlingsströmen aus dem angrenzenden Kosovo überfordert. Erst 1999 entschärfte sich die Situation im Land deutlich.
Nordmazedonien im 21. Jahrhundert
Die Konflikte zwischen den Albanern und Mazedoniern hielten noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts an. Es kam zu einer politischen Annäherung, nachdem Albanisch als zweite Amtssprache eingeführt worden war. 2015 befand sich da Land erneut in einer politischen Krise, als die Flüchtlingsströme versuchten, aus Griechenland über die Balkanroute, illegal die EU zu verlassen, um dann über Ungarn und Kroatien wieder einzureisen.
2019 wurde schließlich der jahrzehntelange Streit mit Griechenland um den Namen „Mazedonien“ beendet, da der Nachbarstaat Gebietsansprüche auf die griechische Region Makedonien befürchtete. Im mazedonischen Parlament wurde im Januar 2019 die endgültige Namensänderung von Mazedonien in Nordmazedonien beschlossen. Am 27. März 2020 wurde Nordmazedonien Mitglied der NATO.
Nordmazedonien: Das politische System
Nordmazedonien ist eine Republik mit parlamentarischer Demokratie. Die Verfassung, die maßgeblich vom deutschen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts und dem späteren Bundespräsidenten Roman Herzog ausgearbeitet worden war, wurde 1991 vom mazedonischen Parlament verabschiedet. Allerdings wurde sie immer wieder abgeändert – vor allem auch im Zusammenhang mit dem Streit mit Griechenland.
Die Legislative wird vom Parlament übernommen, das aus maximal 123 Abgeordneten besteht und alle vier Jahre direkt gewählt wird. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der vorwiegend repräsentative Aufgaben hat und auf fünf Jahre gewählt wird. Die Regierungsgeschäfte werden vom Ministerpräsidenten übernommen.
Nordmazedonien: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Skopje
- Amtssprache: Mazedonisch (erste Amtssprache) und Albanisch
- Fläche: 25.713 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 2,1 Millionen (Stand 2019)
- Währung: Denar (MKD)
- Verwaltungsgliederung: 8 Statistische Regionen
- Religion: Orthodoxes Christentum (ca. 64,8 %), Islam (ca. 33,3 %)
Nordmazedonien: Sprachen und Bevölkerung
In Nordmazedonien leben über neun Ethnien. Allerdings leben die Volksgruppen weitgehend getrennt voneinander und pflegen auch kaum Kontakte miteinander. Dies führt immer wieder zu Konflikten. Das Land ist 2001 aus diesem Grund nur knapp einem Bürgerkrieg entgangen. Zu den einzelnen Volksgruppen zählen Mazedonier (etwa 58,44 %), Albaner (etwa 24,3 %), Türken (3,86 %), Roma (2,53 %) und noch einige Minoritäten wie Serben (1,3 %), Bosniaken (0,87 %) und die Walachen (0,47 %). Obwohl sich nach einem Friedensvertrag die Gesamtlage im Land deutlich verbessert hat, ist eine gesellschaftliche Gleichstellung aller Ethnien noch nicht erreicht.
Ebenso vielfältig ist daher auch die Sprachverteilung im Land. Amtssprache ist Mazedonisch. Allerdings wurde 2018 im Parlament ein Gesetz verabschiedet, das auch Albanisch offiziell zur zweiten Amtssprache erklärt. Albanisch besitzt die zweitgrößte Anzahl an Muttersprachlern und wurde bereits in einigen Gemeinden als Amtssprache geführt. Aber auch einige Staatsorgane haben Albanisch als Arbeitssprache integriert, wie beispielsweise das Parlament.
Nordmazedonien: Geografie und Städte
Der Binnenstaat auf der Balkanhalbinsel ist umgeben von Serbien im Norden, Bulgarien im Osten, Griechenland im Süden, Albanien im Westen und vom Kosovo im Nordwesten. Das recht gebirgige Land liegt auch im sogenannten „Blauen Herz Europas“. Damit wird ein Netz aus verschiedenen Flüssen bezeichnet, welches sich aus verschiedenen Mündungen und Verzweigungen bildet.
Die Hauptstadt Skopje liegt im Osten des Landes. Sie ist nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt Nordmazedoniens, sondern blickt auch auf eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte zurück. Sie bildete früher einen wichtigen Knotenpunkt zwischen Ost- und Westeuropa und überdauerte auch einige Naturkatastrophen.
Die größten Städte Nordmazedoniens im Überblick
- 1 Skopje: 505.400 Einwohner, Region Skopje
- 2 Kumanovo: 73.360 Einwohner, Region Nordosten
- 3 Bitola: 71.890 Einwohner, Region Pelagonien
- 4 Prilep: 64.830 Einwohner, Region Pelagonien
- 5 Tetovo: 56.080 Einwohner, Region Polog
- 6 Štip: 44.510 Einwohner, Region Osten
- 7 Veles: 43.140 Einwohner, Region Vardar
- 8 Ohrid: 38.900 Einwohner, Region Südwesten
- 9 Gostivar: 37.030 Einwohner, Region Polog
- 10 Strumica: 36.920 Einwohner, Region Südwesten
Nordmazedonien: Wissenswertes zum Land
Bereits seit 2005 ist Nordmazedonien Beitrittskandidat der Europäischen Union. Allerdings besitzt das Land immer noch eine der schwächsten Volkswirtschaften Europas. Zudem schreckten Korruption und die mangelhafte Rechtslage ausländische Firmen vor Investitionen ab. Auch die Infrastruktur des Landes ist eher dürftig. Die Arbeitslosigkeit ist relativ hoch. Hinzu kommen, dass immer noch bestimmte Bevölkerungsgruppen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden.
Zu den Exportgütern des Landes zählen Eisen, Stahl, Textilien, Tabak und Wein. Viele Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, arbeiten eher zum Eigenbedarf. Während Wirtschaftszweige wie Industrie und Bergbau weiter schrumpfen, versucht man jetzt vor allem den Dienstleistungssektor und die Tourismusbranche aufzubauen.
Die verhältnismäßig geringe Bevölkerungsdichte kommt der Natur des Landes zugute. In abgeschotteten Lebensräumen kann sich der Artenreichtum des Landes besonders gut entfalten. Nordmazedonien zählt an die 3.500 Pflanzenarten – was gemessen an seiner Größe viel ist. Aus diesem Grund hat die mazedonische Regierung auch drei große Nationalparks errichtet, um vor allem die seltenen Arten besser zu schützen. Hierzu zählt beispielsweise die fünfnadlige Rumelische Kiefer. Sie wächst an den Hängen im Pelister-Nationalpark.
Aber auch die Tierwelt hat einiges zu bieten. In den unberührten Teilen des Landes sind noch Wölfe oder Bären heimisch. Ebenso kommen Luchse in vereinzelten Regionen wie den Sarbergen vor. Weiterhin stehen hier Kormorane und Pelikane unter Artenschutz. In bewohnten Gegenden lassen sich auch mal Landschildkröten blicken.