Vier Bundesländer preschen vor

Ende der Corona-Isolationspflicht: Was Lauterbach und Virologen nun kritisieren

  • schließen

Vier Bundesländer wollen die Corona-Isolationspflicht für positiv getestete Menschen aufheben. Das geht Virologen im wahrsten Sinne des Wortes gegen den Strich.

Berlin – Die Corona-Isolationspflicht in Deutschland ist passé – zumindest, wenn es nach Bayern, Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg geht. Diese vier Bundesländer preschen nämlich vor und haben sich darauf verständigt, die generelle Isolationspflicht für positiv getestete Menschen aufzuheben.

Eine gute Idee? Die öffentliche Meinung zum Vorhaben, die Corona-Isolationspflicht abzuschaffen, fällt ganz unterschiedlich aus. Kritik und Zustimmung finden sich gleichermaßen wieder. Doch was sagen eigentlich die Virologen und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)?

Ende der Corona-Isolationspflicht: Vorschlag kommt für Karl Lauterbach (SPD) „zur Unzeit“

Vorneweg: Die Pläne der genannten Bundesländer, die generelle Corona-Isolationspflicht aufzuheben, stoßen bei Lauterbach nicht gerade auf positive Resonanz. „Das kommt jetzt zur Unzeit und findet nicht die Billigung der Bundesregierung“, ließ der SPD-Politiker bereits am Freitag, 11. November 2022, wissen. Via Twitter kommunizierte Lauterbach, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland eben jene Corona-Isolationspflicht weiterhin befürworten würde.

Tatsächlich hatten 69 Prozent der Befragten gegenüber dem ARD-Deutschland-Trend Mitte Oktober 2022 angegeben, dass die Isolationspflicht nicht aufgehoben werden sollte. „Niemand will mit Corona Infizierten den Arbeitsplatz teilen“, nennt Lauterbach die Motivation hinter dieser Angabe.

Vier Bundesländer wollen Corona-Isolationspflicht abschaffen – das sind ihre Argumente

Karl Lauterbach lehnt das Ende der Corona-Isolationspflicht Mitte November 2022 also ab. Wie aber begründen Bayern, Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ihr Vorhaben? Auf welche Fakten stützen sich die vier Bundesländer? Folgende Argumente werden aufgeführt:

  • Viele Menschen in Deutschland sind bereits geimpft oder waren schon mit Corona infiziert. Die Basisimmunität in der Bevölkerung ist hoch, die aktuelle Omikron-Variante BQ.1.1 verursacht in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe.
  • Die aktuellen eher kurzen Corona-Wellen im Sommer und Herbst 2022 weisen auf den Übergang der Corona-Pandemie in eine endemische Phase hin. Als endemisch gilt eine Krankheit dann, wenn sie in einer Region mit relativ konstanter Erkrankungszahl dauerhaft auftritt.
  • Die meisten Staaten innerhalb der Europäischen Union (EU) verzichten bereits auf Corona-Isolationspflichten für positiv getestete Menschen.
  • Zudem würde es um einen neuen Umgang mit dem Coronavirus gehen. Die vier Bundesländer appellieren an die Eigenverantwortung der Menschen, dabei soll nach folgendem Grundsatz agiert werden: „Wer krank ist, bleibt zu Hause“.

Lauterbach lehnt sofortige Abschaffung der Corona-Isolationspflicht ab – gebe „keinen medizinischen Grund“ dafür

Doch auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach führt Argumente auf, die in seinem Fall gegen die sofortige Abschaffung der Corona-Isolationspflicht sprechen. Für den Sozialdemokraten gebe es schlichtweg „keinen medizinischen Grund“, um die Isolationspflicht zu kippen. Schon gar nicht in einer Situation, in der es zu etwa 1000 Corona-Todesfällen pro Woche und einer „wahrscheinlich schweren Winterwelle“ komme.

Vier Bundesländer wollen die Corona-Isolationspflicht sofort abschaffen. Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kommt dieses Vorpreschen „zur Unzeit“.

Zudem verweist Lauterbach auf die BQ.1.1.-Variante vom Omikron-Typen, die sich in Deutschland stärker ausbreiten würde. Hinzukomme, dass der Arbeitsplatz sicher bleiben müsse. Ein Lockdown gilt in Kreisen der Politik als ausgeschlossen, ein erneutes Herunterfahren des öffentlich Lebens soll verhindert werden. Und es könne nach Ansicht von Lauterbach auch nicht sein, dass Menschen infiziert zur Arbeit gedrängt werden. Die Entstehung eines „Flickenteppichs“ mit verschiedenen Isolationsregeln in den Bundesländern würde sowieso drohen.

Virologin Ciesek stellt klar: Ende der Isolationspflicht macht Corona nicht „völlig harmlos“ und zum „Schnupfen“

Und dann ist da natürlich noch die Position der Virologen im Land, die sich ebenfalls bereits zum angestrebten Ende der Corona-Isolationspflicht geäußert haben. Jonas Schmidt-Chanasit hält das Vorhaben „aus medizinischer Sicht nachvollziehbar“. Der Vorschlag der vier Bundesländer sei „in der aktuellen Pandemie-Situation auch vertretbar“, sagte der Virologe der dpa. Schließlich gebe es in Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen gute Hygienekonzepte und geschultes Fachpersonal.

Seine Kollegin Sandra Ciesek sprach auf Twitter indes von „politischen und gesellschaftlichen Argumenten dafür und dagegen“. Was aus Sicht der Virologin jedoch zwingend bedacht werden müsse: „Keine Isolationspflicht mehr zu haben, bedeutet nicht, dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist“.

Virologe Stürmer gegen sofortiges Ende der Corona-Isolationspflicht – Wissen über Long Covid noch zu gering

Virologe Martin Stürmer hingegen spricht sich gegen die Aufhebung der Corona-Isolationspflicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. „Einfach, weil wir noch nicht in der endemischen Phase sind“, sagte er der hessenschau. Man würde immer noch nicht genug über das „Brainfog“ verursachende Long Covid wissen, in dieser Hinsicht sei man „noch lange nicht auf einem Level des alltäglichen Risikos“. Deswegen bestehe die gesellschaftliche Verantwortung, „noch etwas restriktiver zu sein“.

Bleibt schlussendlich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nord, der die angekündigte Aufhebung der Corona-Isolationspflicht ebenfalls kritisiert. „Oberste Maxime ist weiterhin: Wer krank ist, bleibt zu Hause“, heißt es in diesem Kontext von der Vorsitzenden Laura Pooth gegenüber der dpa. Das letzte Wort scheint in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen zu sein.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa/Christian Ohde/imago/Montage

Kommentare