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Wie entwickelt sich die Corona-Pandemie im Herbst 2022? Experten befürchten eine weitere Welle – daran könnte besonders Omikron BQ.1.1 Schuld sein. Ein Überblick.
Berlin – Wird die Corona-Pandemie in Deutschland zum zahnlosen Tiger? Mitnichten. Obwohl die Bundesrepublik derzeit auf den dritten Winter in Folge zusteuert und es weiterhin viele Infizierte gibt, scheint es allerdings so, als würde die Mehrheit die Gefahr vor einer erneuten Corona-Welle vergessen.
Während einige Bundesländer aktuell die Abschaffung der Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion beschlossen haben, rechnen Experten derzeit mit einer großen Dunkelziffer bei den erfassten Corona-Zahlen in Deutschland. In der kalten Jahreszeit haben zudem einige Menschen den Überblick verloren, welche Corona-Regeln wo und wie gelten – und inwiefern Corona-Varianten wie Omikron BQ.1.1 die nächsten Wochen beeinflussen könnten.
Corona in Deutschland aktuell: Infektionszahlen weiter rückläufig – große Dunkelziffer vermutet
Der aktuelle Corona-Stand in Deutschland mag über die mögliche Gefahr hinwegtäuschen: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite 7-Tage-Inzidenz am Samstagmorgen, 12. November 2022, mit 232,1 angegeben. Im Vergleich zu den vergangenen Wochen ist also ein deutlicher Rückgang der Corona-Zahlen in Deutschland festzustellen.
Allerdings weisen Experten auch immer wieder darauf hin, dass die Angaben wegen des veränderten Testverhaltens nur ein sehr unvollständiges Bild über die Corona-Lage in Deutschland bieten können. Derweil liegt Landkreis Oldenburg in Niedersachsen bei den Infektionszahlen landesweit an der Spitze.
Während zuletzt weiterhin die Omikron-Varianten, unter anderem BQ1.1, das Infektionsgeschehen beherrschten, wird durch die aktuelle Teststrategie die wahre Corona-Lage verschleiert. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl unerfasster Fälle aus – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Denn: Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik des RKI. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Institut zuletzt 28.369 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 38.859) und 185 Todesfälle (Vorwoche: 207) innerhalb eines Tages.
Isolationspflicht in Deutschland wird gekippt: Vier Bundesländer lockern Corona-Regeln
In den vergangenen Tagen sorgten derweil insbesondere die Veränderungen bei der Isolationspflicht in Deutschland für Aufsehen. Das RKI gibt zwar weiterhin die Empfehlung ab, dass Infizierte des Coronavirus für fünf Tage in Isolation sollen, allerdings haben vier Bundesländer nun verfügt, dass sich Menschen mit einer Corona-Infektion nicht mehr in Isolation begeben müssen. Für Patienten in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein fällt demnach in den kommenden Tagen die Selbstisolation bei einer Corona-Infektion weg.
Ob das Vorgehen tatsächlich sinnvoll ist, scheint unter Experten stark umstritten. Während einerseits an die Vernunft der Bürger appelliert wird, warnen andere vor einem möglichen Anstieg der Corona-Zahlen in Deutschland. Doch was ändert sich in den genannten Bundesländern durch das Ende der Isolationspflicht überhaupt?
Angedacht ist, dass Patienten mit Corona außerhalb der Wohnung eine Maske tragen sollen. Das gilt nicht, wenn im Freien ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Die Isolationspflicht wurde dabei durch eine Empfehlung ersetzt. Hinzu kommt, dass positiv getesteten Personen der Besuch von medizinischen und pflegerischen Einrichtungen verwehrt wird.
Corona-Regel in Deutschland gekippt: Ende von Isolationspflicht kommt laut Lauterbach zum ungünstigen Zeitpunkt
Dass die Entscheidung zum Ende der Isolationspflicht zu einer denkbar ungünstigen Zeit kommt, kritisiert unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Ihm zufolge würde der medizinische Grund fehlen, um auf eine Isolationspflicht in Deutschland verzichten zu können. Zugleich machte er deutlich, dass ein unvorsichtiges Verhalten im Corona-Herbst die Gefahr einer schweren Herbstwelle verschärft.
Abseits der Debatte um die Isolationspflicht in deutschen Bundesländern blicken Politiker und Gesundheitsexperten bereits auf den Jahresabschluss 2022. Denn nach zwei Jahren Corona-Pandemie scheint es zu Silvester 2022 deutlich weniger Corona-Regeln zu geben – und auch das Abbrennen von Feuerwerk soll wieder erlaubt werden. Zwar haben sich noch nicht alle Bundesländer zu den Beschränkungen geäußert, in Bremen und Niedersachsen aber wird es voraussichtlich weniger Einschränkungen geben.
Regeln an Silvester 2022 wohl deutlich lockerer: Mancherorts bleibt Feuerwerksverbot
Verbotszonen für das Zünden von Raketen und Böllern wegen der Corona-Pandemie soll es nach derzeitigem Stand – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren – nicht wieder geben. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Teilweise sollen Verbotszonen allerdings aus anderen Gründen bestehen bleiben. Das plant etwa die Landeshauptstadt Hannover: Dort gibt es seit dem Jahreswechsel 2018/2019 in bestimmten Bereichen der Innenstadt ein Verbot zum Mitführen und Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Es sei davon auszugehen, dass auch zu diesem Jahreswechsel ein solches Verbot erlassen werde, teilte ein Sprecher mit.
Gibt es in Deutschland eine Corona-Testpflicht?
Viele Menschen werden sich an das Prozedere der vergangenen Jahre erinnern: Zahlreiche Veranstaltungen unterlagen einer Testpflicht. Inzwischen wurde diese Corona-Regel massiv zurückgefahren. Für den Zutritt zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist allerdings weiterhin ein aktueller Testnachweis erforderlich. Wer bei einem Antigen-Schnelltest positiv getestet wird, hat weiterhin Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test. Womöglich wird es hier allerdings noch im November 2022 Änderungen geben: Ab dem 25.11 endet die Corona-Testverordnung.
Mit Blick auf die Corona-Ausgangslage vor dem Winter 2022 scheint diese besser zu sein als noch vor ein oder zwei Jahren. Fachleute erwarten in der Bevölkerung in Deutschland nun einen hohen Schutz vor schweren Verläufen. Der Großteil weist laut Untersuchungen Antikörper auf, die auf eine durchgemachte Corona-Infektion und/oder Impfung hindeuten. Dennoch: Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb rechnet nicht damit, dass der Immunschutz vor Corona ausreichen wird, um eine weitere Coronawelle 2022 zu verhindern.
Auch wenn zuletzt immer wieder Meldungen die Runde machten, dass die Zahl der Impfschäden durch eine Corona-Impfung massiv angestiegen ist, wird von Experten weiterhin eine Schutzimpfung für sinnvoll erachtet. Impfen gilt weiterhin quasi als Patentrezept im Kampf gegen das Coronavirus. Doch soll ein speziell entwickeltes Corona-Pflaster sogar noch wirksamer als die Corona-Impfung sein.
Omikron BQ.1.1 wohl bald dominant: Corona-Variante könnte Corona-Welle im Winter auslösen
Der Grund für mögliche Coronawellen im Winter 2022 könnte die Verbreitung der unterschiedlichen neuen Corona-Varianten sein: Zuletzt hatte sich gezeigt, dass die Omikron-Varianten BQ.1 und BQ.1.1, die Abkömmlinge von BA.5 sind, für steigende Infektionszahlen verantwortlich sein könnten – und auch die Variante Omikron XXB spielt immer wieder eine Rolle.
Auch andere Varianten werden durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet. In Winter-Szenarien, die mehrere Modellierergruppen kürzlich gemeinsam veröffentlichten, bleibt eine weitere Welle aber auch dann nicht aus, wenn sich keine neue Variante durchsetzt. Deutlicher fällt sie demnach jedoch aus, wenn eine neue, besser übertragbare Variante auftritt.
Corona-Regeln in Deutschland: Kommt bald die Maskenpflicht in Innenräumen zurück?
Maßgebend für die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland sind aber nicht nur die Entwicklungen von Omikron BQ.1.1 und anderen Subtypen, sondern auch die derzeitigen Corona-Regeln: In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens ist die FFP2-Maske bundesweit Pflicht.
Wer mit dem Flugzeug oder der Fernbahn reist, muss ebenfalls zu dem Mundschutz der Klasse FFP2 greifen. In der Regel reicht im öffentlichen Nahverkehr das Tragen einer medizinischen Maske aus. Eine Maskenpflicht für Innenräume wurde noch nicht wieder eingeführt, die Maßnahme könnte sich allerdings in den kommenden Wochen als wichtiges Instrument im Kampf gegen die Corona-Pandemie erweisen.
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