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Im Brennerbasistunnel wurden zwei neue Meilensteine absolviert, drei Viertel der Mega-Röhre sind jetzt fertig. In Bayern wird noch über die Trasse gestritten.
Innsbruck/Bozen – Geplatzte Auftragsvergaben, festsitzende Riesenbohrer, wiederholte Kostensteigerungen: Die Verantwortlichen haben beim Bau des Brennerbasistunnels immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Doch die Röhre wächst unaufhaltsam.
Für das Konsortium Brenner Basistunnel BBT SE gab es in diesem Advent gleich zwei vorweihnachtliche Bescherungen: Am 5. Dezember wurde südlich des Brenners in Italien der Tunnelrohbau der Eisackquerung fertig. Am Freitag (7. Dezember) folgte nördlich der Grenze in Österreich die Übergabe der Tunnelröhre im Abschnitt Hochstegen bei St. Jodok.
Italien und Österreich bauen Brennertunnel, in Bayern wird gestritten
Die beiden Abschnitte sind zwar mit 3 bzw. 5,5 Kilometern Länge nicht besonders groß. Der zuständige Projektleiter Michael Knapp erklärt zum Tiroler Abschnitt: „Sehr anspruchsvoll war es aber, die wasserführenden, karbonatischen Gesteinsschichten zu durchfahren.“ Diese beiden Tunnelabschnitte wurden bergmännisch errichtet, also mit Sprengstoff, Baggern und Motormeißeln. Die Abschnitte zum Brenner werden hingegen mit riesigen Tunnelbohrmaschinen vorangetrieben.
Anders als in Bayern, wo über die Zulaufstrecke heftig gestritten wird, geht es also flott voran: Der neue doppelte Haupttunnel zwischen Innsbruck-Süd und Franzensfeste wird 52 Kilometer lang. Von den insgesamt 104 Kilometern Hauptröhren sind somit jetzt 57 Kilometer fertig.
Dazu kommen 55 Kilometer Erkundungsstollen, die später als Rettungsstollen genutzt werden sowie 43 Kilometer weitere Tunnels für Instandsetzungsarbeiten und Notausgänge. Von insgesamt 220 Kilometern Tunnelstrecke sind nun 163 fertiggestellt, also insgesamt drei Viertel der gesamten Tunnelstrecken. 2028 soll die Röhre im Rohbau fertig sein, dann beginnt der Innenausbau. Derzeit wird mit der Fertigstellung 2032 gerechnet. Die Baukosten werden derzeit mit 10,5 Milliarden Euro beziffert.
Der erste Bohrer hat Grenze unter dem Brenner erreicht
Auf der italienischen Seite ist der erste der beiden Riesenbohrer nach 14 Kilometern schon unter dem Brenner angekommen. In der östlichen Tunnelröhre steckte die Bohrmaschine sieben Monate fest, hier fehlen noch drei Kilometer bis zum Ziel. Wenn das geschafft ist, sind die Italiener mit dem Rohbau ihrer Röhre fertig.
Auf Tiroler Seite werden ab Herbst 2024 von Hochstegen aus zwei Tunnelbohrmaschinen sich 7,6 Kilometer Richtung Innsbruck vorarbeiten. Fünf Kilometer Richtung Innsbruck werden bergmännisch gegraben. Richtung Brenner sollen sich zwei weitere Tunnelbohrmaschinen bereits im Frühjahr drehen, hier geht es um je fünf Kilometer. Seit 2021 wird das nördliche Stück zwischen Pfons und der schon 1994 fertiggestellten Güterumfahrung Innsbruck ausgebrochen.
In Italien und Österreich sind schon die ersten Zulaufstrecken fertig
Ohne den Ausbau der Zulaufstrecken kann der Megatunnel seine Wirkung nicht voll entfalten. In Italien und Österreich geht es da im Gegensatz zu Bayern zügig weiter. Auf der 22,5 Kilometer langen Trasse südlich von Franzensfeste werden sich ab dem Frühjahr zwei weitere Tunnelbohrmaschinen drehen. Anfang Dezember wurde der erste Riesenbohrer vormontiert.
Die Bauarbeiten für den 12 Kilometer langen Umfahrungstunnel von Trient sind bereits seit dem Sommer 2023 in Gang. Vorigen Mittwoch bekam ein Konsortium den Zuschlag für den Bau des 1,2 Kilometer langen Bahngleises mit dem neuen Virgiltunnel bei Bozen bekommen. Die Planungen für die Güterumfahrung Bozen (Länge: 14,4 Kilometer) laufen auf Hochtouren, danach beginnt auch hier die Ausschreibung. Hier ist die Inbetriebnahme 2031 geplant. Trients Nachbarort Rovereto soll bis 2032 ebenfalls eine Tunnelumfahrung für die Bahn bekommen. Die neue Zugeinfahrt nach Verona ist für 2031 geplant.
In Österreich hat man schon 1994 die erste Zulaufstrecke in Innsbruck mit dem 15,4 langen Inntaltunnel eröffnet, die zweite 34,5 Kilometer lange Tunnelstrecke bei Baumkirchen folgte 2012 mit dem Münsterer und dem Terfner Tunnel. Beim dritten, 19,2 Kilometer langen Abschnitt bei Kundl, wird seit dem Sommer der Erkundungsstollen bei Wörgl vorangetrieben. Die Bergleute sind schon 360 Meter vorgedrungen. Zehn Jahre Bauzeit sind vorgesehen, um auch hier die neue Trasse weitgehend unterirdisch zu verlegen. 14 Kilometer der Strecke sind als zweigleisiger Tunnel geplant.
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