VonJohannes Welteschließen
Die Unwetter der vorigen Tage haben die einzige Straße weggespült, die aus dem Tiroler Ötztal ins restliche Österreich führt. Im Internet witzeln Österreicher über deutsche Urlauber.
Sölden - Es ist eine Szenerie, die aus einer Heimatkomödie stammen könnte: Vier Männer stehen verloren an einem Abgrund, der vor ihnen gähnt, neben ihnen stehen die Koffer, sie blicken ratlos um sich. Ein Szene aus Österreich.
Unwetter in Österreich spülte Straße in Tirol weg
Es ist der Ausschnitt eines Films, der gerade im Ötztal in den sozialen Netzwerken herumgereicht wird: Es sind Menschen, die an der unterspülten Straße stehen, die von der Ötztaler Ache mit sich gerissen hat, als sie am Montag nach Wolkenbrüchen zu einem reißenden Fluss angeschwollen war. Zwischen Ötz und Längenfeld ist die Straße bis auf Weiteres gesperrt.
Hunderte Urlauber, die in Sölden und Längenfeld übernachtet hatten, können nur noch über den Pass des 2474 Meter hohen Timmelsjochs nach Meran in Südtirol (Italien) ausweichen und dann über den Brenner wieder nach Tirol zurückfahren. Für den, der über Füssen nach Deutschland weiter fahren will, bedeutet das einen Umweg von 135 Kilometern, nach München sind es immer noch 90 Kilometer Umweg - von Benzin und Maut ganz zu schweigen. Die Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist noch komplizierter. Wer mit dem Bus übers Timmelsjoch nach Italien fahren wollte, musste nochmals umsteigen, bis er nach Meran an den Bahnhof kam. Mittlerweile wurde eine direkte Busverbindung zwischen Sölden und Meran eingerichtet. Autofahrer, die eine Buchungsbestätigung haben, müssen am Timmelsjoch keine Maut bezahlen.
Urlauber versuchen zu Fuß aus dem Tal zu kommen.
Also versuchten es ein paar Urlauber, zu Fuß die gesperrte Stelle zu passieren, um von da per Taxi oder Bus weiterzukommen. Doch das Loch ist so groß, nur noch die Leitplanke steht, und auch der anderen Seite der Leitplanke gähnt ein Abgrund. „Die deitschn“, als „die Deutschen“, hat die Verfasserin des Reels darunter geschrieben - und drei Lachsmileys hinzugefügt.
Heftige Hochwasser in Deutschland, Österreich und Italien, Schnee in den Alpen – die Bilder




Die Kommentare auf Facebook unter dem Video in einer Gruppe Einheimischer lassen nicht lange auf sich warten, sind böse bis lustig: „Das sind nur Piefkes! Nichts Besonderes, ist deren natürliche Intelligenz“, schreibt ein Rudi S. Ein Walter S. meint: „Woarten sicher aufs Schiff oder Fähre.“
Österreicher erinnern sich an die legendäre Piefke-Saga
Ein Markus K. schreibt: „Für‘n Felix Mitterer a gefundes Fressen….Teil 5 fehlt no“, meint er und spielt auf die legendäre vierteilige TV-Serie „Die Piefke-Saga“ von ORF und NRD von Anfang der 90er Jahre an, die sich satirisch mit dem deutsch-österreichischen Verhältnis in den Ferien auseinandersetzte. Und ein Mario K. spottet: „Gebt‘s denen bitte die Goldene Wandernadel.....Dummheit gehört belohnt.“
Hubschrauber versorgen Tiroler Touristen aus der Luft
Derweil werden die Ötztaler Hotels und ihre Gäste aus der Luft mit Lebensmittelns versorgt, wie ein niederländischer Blogger auf Facebook dokumentiert. „Es werden jetzt den ganzen Tag Hilfsgüter von Bundeswehr und Polizei eingeflogen“, heißt es dort. Es geht unter anderem um Mehl für die Bäckereien und Konditoreien.
Ein Hotelier postet stolz Bilder von Lkw-Kolonnen am Timmelsjoch, die Nachschub von Italien aus ins Ötztal bringen: „Wir sind bestens versorgt. Die LKWs mit Lebensmitteln sind schon unterwegs ins hintere Ötztal.“ Verhungern muss offenbar kein Urlauber in Sölden oder Lengenfeld.
Reparatur der Straße ist längst im Gange
Und auch die Reparaturarbeiten an der weggespülten Straße sind voll im Gange:
Unter diesem Post melden sich nun ein Piefke namens Dirk W. zu Wort: „Klasse! Gut das es nicht Deutschland ist! Wir würden vermutlich in zwei Monaten mit der Ausschreibung und Planung beginnen.“ Ein Einheimischer namens Thomas G. befindet: „Ötztaler sein oafoch die Besten!“ (Ötztaler sind einfach die besten).
Und dann werden Erinnerungen an eine Katastrophe wach
Und dann wird eine Renate W. nachdenklich: „Fast an derselben Stelle wie 1987 auch August, Gott sei Dank keine Opfer“ AM 25. August 1987 hatte die Ötztaler Ache ebenfalls nach Wolkenbrüchen eine Brücke mit sich gerissen - und mehrere Autos, die gerade darauf fuhren. 13 Menschen kamen damals ums Leben.
Die Unwetter der vergangenen Tage hatten es in sich. Felsstürze in Italien bedrohten Urlauber, auch in Kroatien kam das Hochwasser. Österreichs Touristen-Hotspot Hallstatt wird derweil geradezu von Urlaubern überrannt.
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