VonYannick Hankeschließen
Ist mit einer großen Corona-Welle im Herbst in Deutschland zu rechnen? Die Mutation Omikron BQ.1.1. könnte hierfür sorgen. Die Ausgangslage im Überblick.
Berlin – Bundesweit steigen die Corona-Zahlen wieder an, eine erneute Welle im Herbst kann in Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Hiervor hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits frühzeitig gewarnt. Virologe Hendrik Streeck hielt dagegen, er wollte hinsichtlich der Corona-Lage im Herbst nicht allzu schwarz malen. Doch welches „Lager“ hat recht und womit muss denn nun in der kalten Jahreszeit gerechnet werden? Und: Welche Rolle kommt Omikron BQ.1.1 hierbei zu?
Omikron BQ.1.1.: Beschert die neue Corona-Variante eine neue Welle im Herbst?
Fakt ist: Mit besagtem BQ.1.1. breitet sich bereits die nächste Corona-Variante aus. Die große Gefahr besteht darin, dass sie gegen bestehende Impfungen und die Immunität einer vorangegangenen Infektion resistent sein könnte. Bei Omikron BQ.1.1. handelt es sich um eine Untervariante von Omikron BA.5, der dominierende Variante in Deutschland. Sowohl Lauterbach als auch Wissenschaftler in Cambridge haben vor der Mutation gewarnt.
Denn eines ist klar: Grundsätzlich kann eine neue Corona-Variante, natürlich auch mit Blick auf den Herbst in Deutschland, immer erst einmal eine neue Gefahr darstellen. „Es ist im Herbst oder Winter mit dem Auftreten einer neuen Corona-Variante zu rechnen, die der bestehenden Immunität ein Stück weit entkommen kann“, hatte der Virologe Friedemann Weber bereits frühzeitig Focus Online prognostiziert. Mit Omikron BQ.1.1. ist sie bereits da.
Corona in Deutschland: Virologe Drosten rechnet mit „starker Inzidenzwelle noch vor Dezember“
Dem pflichtet auch Hendrik Streeck bei. „Dass sich das Virus weiterentwickelt, ist abzusehen. So ein Virus unterliegt Selektionsdruck, sodass in absehbarer Zeit weitere Immunfluchtvarianten entstehen“, heißt es vom Virologen im Allgemeinen. Trotz bestehender, möglicher 4. Impfung könnte eine Infektion also nicht ausgeschlossen werden. Deswegen wird die Corona-Lage im Herbst in Deutschland von manch einem Experten durchaus als brenzlig erachtet.
So rechnet der Virologe Christian Drosten „noch vor Dezember“ mit einer „starken Inzidenzwelle“ von Corona-Infektionen. Das verriet der Charité-Experte der Süddeutschen Zeitung. Als Mahner in Person zeigt sich aber auch mal wieder Karl Lauterbach, der seinen Gedanken auf Twitter freien Lauf ließ: „Eine Herbstwelle wird immer wahrscheinlicher“.
Omikron BQ.1.1. hält Wissenschaft auf Trab: „Beängstigende“ Variante flüchtet vor dem Immunsystem
Knackpunkt für die konkrete Corona-Lage in Deutschland im Herbst könnte, wie eingangs skizziert, Omikron BQ.1.1. sein. Also die Corona-Variante, die dem Immunsystem gut zu entkommen scheint und die sich weltweit verbreitet. Auf Twitter zeigt sich der Cambridge-Wissenschaftler Cornelius Römer gar ziemlich sicher, dass Omikron BQ.1.1 letztendlich für die nächste Welle sorgen wird. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Deutschland:
With 11 days more data, it is becoming quite clear that BQ.1.1 will drive a variant wave in Europe and North America before the end of November
— Cornelius Roemer (@CorneliusRoemer) October 2, 2022
Its relative share has kept more than doubling every week
It has taken just 19 days to grow 8-fold from 5 sequences to 200 sequences 1/ https://t.co/pPIi0wbNuR pic.twitter.com/NUpzCplcZB
„Hier ist, was in unserer Zukunft liegt. Die Varianten von Omikron explodieren“, schreibt indes der ehemalige Harvard-Professor Eric Feigl-Ding auf Twitter. Eine Entwicklung, die er gar als „beängstigend“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach sei das Schlimmste, dass viele ihre Mutationen zu sehr einzigartigen Kombinationen von Mutationen konvergierten, die sich wahrscheinlich der Immunität entziehen. Und normalerweise würden Mutationen aus verschiedenen Zweigen eben nicht konvergieren. Es müsse schon ein „guter Grund“ vorliegen, in diesem Fall die Flucht vor dem Immunsystem.
Omikron BQ.1.1. könnte Corona-Zahlen ansteigen lassen – und die Abwehr durch T-Zellen stärken
Eine neue Corona-Welle im Herbst, womöglich ausgelöst durch Omikron BQ.1.1., kann auch der Präventionsarzt Christoph Specht nicht ausschließen. Folgendes gibt er jedoch zu bedenken: „Die Immunflucht ist eigentlich nichts Besonderes, sondern eigentlich sogar totaler Standard, sie bezieht sich dabei meist nur auf die Antikörper“. Bei der angesprochenen Immunflucht funktionieren die Antikörper im menschlichen Körper nicht mehr so gut, mitunter auch gar nicht.
Das müsse grundsätzlich aber nicht irritieren, „denn Impfungen werden uns nicht in die Lage versetzen, Infektionen als solche zu verhindern“, sagt Specht. Und doch konnte wissenschaftlich bereits nachgewiesen werden, dass Corona-Impfungen dazu imstande sind, um schwere Verläufe zu reduzieren. Das geschieht über die zelluläre Abwehr, durch die T-Zellen. Eine Abwehr, welche durch die Impfung, vor allem aber durch eine natürliche Infektion gefördert wird. Das sollte doch Hoffnung schenken.
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