Aktivisten empört

Neue Strand-Regel in Italien-Gemeinde erhitzt die Gemüter – selbst Einheimische protestieren

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Das Strandbad Elena im Örtchen Posillipo am Golf von Neapel. (Archivbild)
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Mal eben an den Strand? Das ist im Badeort Posillipo in Italien nicht mehr möglich. Wer nicht am Vortag online reserviert, dem wird der Strandzugang verweigert.

Posillipo – Der italienische Badeort Posillipo bietet vom Strand aus eine atemberaubende Aussicht auf den Golf von Neapel. Seit Anfang Juni 2024 dürfen jedoch nur noch Personen mit vorheriger Online-Reservierung den Strand besuchen. Das gilt für Touristen und Einheimische gleichermaßen. Die neue Regelung sorgt bei Aktivisten und Anwohnern für Unmut.

Neue Regel in Italien entfacht Protest: Wer an den Strand will, muss am Vortag reservieren

Badegäste in Posillipo müssen nun ihre Plätze für drei Strände einen Tag im Voraus online reservieren. Laut Napoli Today stehen im Strandbad Ideal 25 Plätze, im Bad Elena ebenfalls 25 Plätze und im Strandbad Sirena 450 Plätze zur Verfügung. Jeder Nutzer kann bis zu drei Reservierungen pro Woche vornehmen, das System ist von 8 Uhr bis 23 Uhr zugänglich. Die Reservierungen sind grundsätzlich kostenlos. Das Problem sind aber die schnell ausgebuchten Plätze.

Auch Einheimische haben ohne Reservierung keinen Zutritt. Italienische Aktivisten der Gruppe „Freies Meer“ protestierten Anfang Juni, indem sie den Strand ohne Reservierung betraten. „Wir wollen den Neapolitanern das Meer ohne Einschränkungen zurückgeben“, sagte Giuliano Esposito von „Freies Meer“ laut der Zeitung Standard. Eine Ausnahme gibt es laut Angaben der Reservierungsplattform einzig für Menschen über 70 Jahre, die ohne Online-Reservierung Zugang haben, solange noch Plätze verfügbar sind. Fünf Prozent der Plätze würden dafür vorgehalten, heißt es.

Freier Strandzugang für alle? Weshalb sich auch hier Widerstände regen

Das Problem der eingeschränkten Strandnutzung beschränkt sich nicht nur auf die Gegend um Neapel: Viele italienische Strände sind in Privatbesitz. In Regionen wie der Toscana sind fast alle Strände privatisiert, berichtet Repubblica. In Lignano Sabbiadoro seien es 83 Prozent und in Ligurien über 80 Prozent. Die privaten Betreiber haben Konzessionen und verdienen durch die Vermietung von Liegen und Sonnenschirmen viel Geld. Zwei Liegen und ein Sonnenschirm können teils 45 Euro kosten, wie der Konsumentenschutzverband Codacons herausfand.

An manchen Stränden zahlen Familien für einen Tag am Meer laut Codacons sogar bis zu 700 Euro. Doch das könnte sich nun ändern: Die Gruppe „Freies Meer“ und der Konsumentenschutzverband Codacons verweisen auf ein Urteil des Staatsrates vom April 2024, wonach abgelaufene Konzessionen nicht mehr gültig seien. „Diese Strände sind wieder frei und jeder kann dort einen Sonnenschirm aufstellen oder ein Handtuch auslegen“, hieß es in einer Mitteilung der Aktivisten. Codacons betont ebenfalls, dass die Konzessionen abgelaufen seien und die Strände für alle Bürger frei zugänglich bleiben sollten.

Die Diskussion über die Strandkonzessionen ist allerdings komplex. Selbst die EU redet mittlerweile mit und forderte Italien auf, ab 2024 die Konzessionen europaweit und transparent auszuschreiben. Was die Aktivisten freuen könnte, stößt wiederum bei den Strandbad-Inhabern auf Widerstand. Viele Familien betreiben die Strandbäder seit Generationen – und sehen nun ihre Existenz bedoht.

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