Vorfall im Urlaub

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca: Neue Erkenntnisse zu den deutschen Verdächtigen

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Fünf junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen eine 20-Jährige aus Hannover auf Mallorca zum Sex gezwungen haben. Über die Verdächtigen wird immer mehr bekannt.

Playa de Palma – Sie stehen im Verdacht, eine ungeheuerliche Tat begangen zu haben. Fünf junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sitzen seit Sonntag (16. Juli) auf Mallorca in Untersuchungshaft – und müssen womöglich noch viele Tage hinter Gitter verbringen. Weil sie in einem Hotel der Urlaubsinsel eine 20-Jährige zum Sex gezwungen oder dabei zugeschaut haben sollen. Von der Tat gibt es auch ein Video, das der Polizei vorliegt.

Nun kommen weitere Details über die Clique ans Licht, zu der auch ein sechstes Mitglied gehört, das nach der Anhörung vor dem Richter ohne Auflagen wieder auf freien Fuß kam. So berichten die Lüdenscheider Nachrichten, dass die Verdächtigen aus Lüdenscheid stammen würden. Dort hätten sich die mittlerweile 21- bis 23-Jährigen bereits in Kindertagen kennengelernt. Sie seien teilweise verwandt und zum Teil gemeinsam zur Schule gegangen.

Mittlerweile sind demnach einige von ihnen berufs- oder studienbedingt weggezogen, würden aber weiterhin in der Region leben. Die Verbundenheit zur Bergstadt sei nach wie vor gegeben – etwa durch den Sport oder die in Lüdenscheid lebende Familie.

Gruppenvergewaltigung auf Mallorca? Verwirrung um Wohnort der Verdächtigen

Aus dem Umfeld will die Zeitung erfahren haben, dass die Freunde schon in der Vergangenheit gemeinsam auf Mallorca Urlaub gemacht haben. Bei ihnen handele es sich um deutsche Staatsangehörige, sie haben demnach verschiedenen Migrationshintergrund. Alle gelten als voll integriert, keiner von ihnen sei vorbestraft. Offiziell bestätigt sind diese Informationen jedoch nicht.

Die WAZ zitiert den Iserlohner Anwalt Andreas Trode, der einen der Beschuldigten vertritt, hinsichtlich der aktuellen Wohnorte: „Nach meinem Kenntnisstand kommen alle aus dem Märkischen Kreis.“ Zugleich heißt es von Ciro Krauthausen, Chefredakteur der Mallorca Zeitung, dass die Verdächtigen vor Gericht als Wohnort allesamt „Dortmund“ genannt hätten.

Vorführung beim Richter: Einer der Verdächtigen wird mit Handschellen zum Gerichtsgebäude gebracht.

Gruppenvergewaltigung auf Mallorca? Verfahren könnte auch in Deutschland stattfinden

Derweil befassen sich auch deutsche Behörden mit der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung auf Mallorca. Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen am Donnerstag (20. Juli): „Wir werden ein Ermittlungsverfahren einleiten.“ Dazu sei Kontakt zu den spanischen Behörden aufgenommen worden, wie auch die Bild berichtete.

Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli betonte, es bestehe eine Verpflichtung zu Ermittlungen hierzulande, wenn Deutsche im Ausland mutmaßlich eine Straftat begangen haben. Ein mögliches Verfahren könnte dann auch in Hagen stattfinden: „Wenn die spanischen Behörden das Verfahren abtreten würden.“ Bekannt sei ihm die Aussage eines Zeugen, der im Polizeigewahrsam mehrere Stunden neben den fünf jungen Männern gesessen und ihre Gespräche mitgehört haben will. Dieser Mann habe sich an die Polizei in Deutschland gewandt.

Gruppenvergewaltigung auf Mallorca? 20-Jährige lernt einen der Männer kennen

Die mutmaßliche Tat soll sich in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli ereignet haben. Wie die Mallorca Zeitung anhand von „Informationen aus Justiz- und Ermittlerkreisen“ berichtet, war die 20-Jährige aus Hannover mit Freundinnen unterwegs und lernte in einem der Vergnügungslokale am Ballermann einen der jungen Männer kennen. „Der Mann und die Frau feiern mit viel Alkohol, bandeln miteinander an, haben schließlich einvernehmlich Sex am Strand“, heißt es in dem Bericht.

Danach wollen sie gemeinsam in das Hotel gehen, in dem er untergekommen ist. Allerdings sei die 20-Jährige nicht auf sein Zimmer gelassen worden. Also seien sie in das nahegelegene Hotel gewechselt, in dem seine Freunde untergebracht sind. Dort haben sie noch einmal Sex. Doch dann gerät die Partynacht außer Kontrolle: „Was von nun an genau geschieht, ist nur schwer zu rekonstruieren und wird die Gerichte sicherlich noch jahrelang beschäftigen.“

Als gesichert gilt, dass seine Freunde auftauchen. Während sich einer auf das Sofa legt und einschläft, wollen die anderen Männer Sex. Zunächst habe die Frau in den Gruppensex eingewilligt, sich dann aber eines Besseren belehrt. Sie habe das nicht gesagt, soll sie bei der Vernehmung vor dem Ermittlungsrichter ausgesagt haben, doch gewollt habe sie es nicht. Gemutmaßt wird, dass sie in eine Schockstarre verfällt und sich nicht wehrt. Was zwischen der Männergruppe und ihr abläuft, hält einer der Freunde auf dem Handy fest.

Bloß nicht erkannt werden: Die jungen Männer verdecken ihre Gesichter mit ihren T-Shirts.

Gruppenvergewaltigung auf Mallorca? 20-Jährige flieht ins Badezimmer

Letztlich flüchtet sich die 20-Jährige ins Badezimmer. Einer der Freunde soll versucht haben, sie zu beruhigen und sie in das etwa zehn Minuten entfernte Hotel, in dem sie mit ihren Freundinnen untergebracht ist, begleitet haben. Nachdem die Nationalpolizei alarmiert wurde und die junge Frau die Anzeige aufgegeben hat, wird sie ins Krankenhaus gebracht und auf Spuren von sexueller Nötigung untersucht. So sieht es das Protokoll für Vergewaltigungsfälle vor.

Die Verdächtigen sollen darauf pochen, dass der Sex einvernehmlich war. Auf dem sichergestellten Video sind die genauen Umstände des Vorfalls offenbar nicht deutlich zu erkennen. Bei einer Verurteilung drohen den Männern Haftstrafen von zehn bis zwölf Jahren. Es heißt jedoch, ihre Chancen hätten sich durch den Austausch des Ermittlungsrichters gebessert. Der bisherige Richter Antoni Rotger gilt als rigoros und unnachgiebig, er hatte vor einem Jahr die sogenannten „Kegelbrüder“ aus Münster wegen des Verdachts der Brandstiftung zwei Monate in Untersuchungshaft festgehalten.

In Spanien wird der jetzige Fall mit einer Gruppenvergewaltigung aus dem Jahr 2016 verglichen. In Anlehnung daran werden die jungen Deutschen als „la manada alemana“ – also „das deutsche Rudel“ – betitelt. Vor sieben Jahren hatte eine Gruppe von fünf Spaniern, die sich selbst als „la manada“ bezeichneten, während des in Pamplona gefeierten San-Fermin-Festes eine damals 18-Jährige zum Sex gezwungen. Die Männer, unter denen sich ein Soldat und ein Polizist befand, wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. (mg)

Rubriklistenbild: © Carlos Herrera/TNN/dpa

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