VonJana Stäbenerschließen
„Großelternkonflikte sind tatsächlich ein größeres Problem“, äußert eine Erziehungs-Expertin. Sie benennt, welches Verhalten besonders bedenklich ist.
Zu Oma und Opa haben Kinder meist eine ganz besondere Bindung. Vielleicht, weil sie dort viele Kekse essen dürfen oder die Großeltern aufgrund der zeitlich begrenzten Besuche mit mehr Gelassenheit auf ihre Enkelkinder eingehen können. Doch nicht immer ist das Verhältnis zu den Großeltern gut. Manche Millennials beschweren sich gar, dass ihre Babyboomer-Eltern egoistisch sind und sie ihre Kinder deswegen alleine erziehen müssen.
„Großelternkonflikte sind tatsächlich ein größeres Problem“, sagt die Diplom-Pädagogin Susanne Mierau BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. In ihrem neuesten Buch „Emotional Load“, auf ihrem Blog „Geborgen Wachsen“ und auf ihren Social-Media-Kanälen schreibt sie über die emotionale Anstrengung, die manche Großeltern Eltern bereiten. „Manchmal sagen sie Sätze, die uns sehr belasten und an eigenen Verletzungen rühren oder eine Angst entstehen lassen, dass auch die eigenen Kinder von ihnen verletzt werden“, schreibt sie auf Instagram. Und manchmal zeigt sich dieses problematisches Verhalten ganz direkt.
„Red Flags“ für problematisches Großeltern-Verhalten – „die meisten meinen es gut“
„Prinzipiell ist es natürlich wichtig, zu beachten, dass die meisten Großeltern es gut meinen und nicht aus einer bösen Absicht handeln“, sagt Mierau BuzzFeed News Deutschland. Allerdings sei heute eben mehr über die psychische Entwicklung von Kindern bekannt als noch vor einigen Jahrzehnten. Erziehungssprüche wie „Hör auf zu weinen, sonst geb ich dir einen Grund zum Weinen“, nutzen viele Eltern heute nicht mehr. Ein Spiel, bei dem Kinder solche Sprüche ergänzen sollen, zeigt eindrücklich den Unterschied zwischen Boomer- und Millennial-Eltern.
„Kinder wachsen heute in einer anderen Welt auf als die heutigen Eltern oder Großeltern und ihre Zukunft stellt sie sehr wahrscheinlich auch vor andere Herausforderungen, als es früher der Fall war“, sagt die Pädagogin. „Was wir heute allerdings als negative Verhaltensweisen identifizieren können, sind Erziehungsansätze, die sich sehr auf Kontrolle fokussieren.“ Diese könnten Eltern als Red Flags für problematisches Großeltern-Verhalten dienen.
„Jungs weinen nicht“ und fünf andere „Red Flags“ bei Großeltern
Red Flags bei Großeltern sind für die Erziehungs-Expertin Aufforderungen wie „Der Teller muss leer gegessen werden!“ oder „Nur wer aufisst, bekommt einen Nachtisch!“. Sie erklärt, warum das problematisch ist: „Schließlich wollen wir Kindern beibringen, dass sie ein gutes Körpergefühl für Sättigung ausbilden können.“ Auch das Absprechen oder Unterdrücken von Gefühlen sei etwas, das in moderner Erziehung keinen Platz habe. Aussagen wie „Jungs weinen nicht!“, „Sei keine Heulsuse!“, oder „Das gehört sich nicht für ein Mädchen, so wütend zu sein!“ beispielsweise.
„Das Eingehen auf Gefühle ist für die Großelterngeneration manchmal noch immer schwierig. Gefühle werden ja oft geschlechtsspezifisch erlaubt oder verboten – wobei wir wissen, dass solche patriarchalen Muster eben auf beide Geschlechter negativ wirken“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Heute weiß man, dass gerade Jungs viel Kuscheln brauchen.
Aussagen wie „Du verwöhnst das Kind nur, wenn du auf jeden Piep eingehst!“ seien ebenfalls überholt: „Babys und junge Kinder brauchen verlässliche Bezugspersonen, die ihnen die Welt erklären, in der sie sich befinden – auch ihre eigene Gefühlswelt. Es ist wichtig, dass Eltern sich dem Kind zuwenden, wenn es ihm nicht gut geht und altersentsprechend reagieren.“ Sie erklärt, dass Kinder mit diesem „autoritativen“ oder auch „demokratischen“ Erziehungsstil, wie Studien belegten, lernten, sich demokratisch in die Familie einzubringen. „Sie erhalten Wärme, aber auch Orientierung. Die Zeiten von ‚Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, entscheide ich!‘ sind vorbei.“
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