Im Herzen Südamerikas

Paraguay: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Asunción, Hauptstadt von Paraguay

Paraguay ist ein Staat in Südamerikas. Das Land war einst spanische Kolonie und konnte sich im 19. Jahrhundert unabhängig machen. Dennoch hatte der Staat bis in die Gegenwart immer wieder mit einer anhaltenden politischen Instabilität zu kämpfen.

  • Paraguay wurde im 16. Jahrhundert von der spanischen Kolonialmacht erobert.
  • Seit Jahrzehnten übt die konservative Colorado-Partei ihre Dauerherrschaft in der Regierung aus.
  • In den letzten Jahren kam es zu einem überraschenden Tourismusboom.

Asunción – Neben seinem Nachbarland Bolivien zählt das 406.752 Quadratkilometer große Paraguay zu einem der beiden Binnenstaaten des südamerikanischen Kontinents. Das Land blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nach dem Ende der kolonialen Vorherrschaft hatte es innenpolitisch immer wieder mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Nachdem jahrelang Sojaanbau, Rindfleisch und Wasserkraft das Wirtschaftswachstum des Landes vorangetrieben haben, steht nun auch der Tourismus in den Startlöchern.

Paraguay: Frühgeschichte und spanische Eroberung

Bereits um 9000 vor Christus sollen auf dem Gebiet des heutigen Paraguay Menschen gelebt haben. Bis ins 16. Jahrhunderte hinein machten sich immer wieder verschiedene Indio-Völker das Land streitig – zuletzt bildeten die Guaraní eine große Volksgruppe. 1516 erkundeten die ersten Spanier das Gebiet. 1537 errichtete Juan de Salazar y Espinosa die Festung Asunción. Sie war ein wichtiger Standort, um die Gebiete im Umland zu erobern.

1542 wurde Paraguay in das spanische Vizekönigreich Peru eingegliedert, das weite Teile Südamerikas umfasste. Die Indios wurden zu Zwangsarbeit auf den Landgütern genötigt. Viele Aufstände gegen die Kolonialmacht blieben allerdings erfolglos. 1588 fingen Jesuiten an, die Indios zu missionieren und führten sie ab 1609 in sogenannte Jesuitenreduktionen zusammen, um sie vor der Willkür spanischer Eroberer zu schützen. Daraus entstanden florierende Dorfgemeinschaften, auf welche Spanien keinen Einfluss hatte. 1767 sorgte der spanische König allerdings dafür, dass die Jesuiten vertrieben und die Dorfgemeinschaften zerschlagen wurden.

Paraguay: Eine unabhängige, aber instabile Republik

Im Laufe des 18. Jahrhunderts änderte sich noch einmal die Zugehörigkeit Paraguays. Ab 1776 bildete es mit Bolivien, Uruguay und Argentinien das Vizekönigreich Río de la Plata. Ein viertel Jahrhundert später setzten Unabhängigkeitsbewegungen in ganz Lateinamerika ein. Paraguay konnte dabei am 14. Mai 1811 seine Unabhängigkeit ausrufen. Unter José Rodríguez de Francia schottete sich Paraguay zunehmend ab. Das Land, das diktatorisch regiert war, wurde wirtschaftlich allerdings recht erfolgreich.

Sein Neffe Carlos López rüstete das Land militärisch auf, mit dem Plan, auch Nachbarländer zu erobern. Allerdings unterlag das Land im Tripel-Allianz-Krieg den verbündeten Nachbarländern Argentinien, Brasilien und Uruguay. Von 1870 bis 1954 erlebte Paraguay die Ära einer instabilen Republik. Es kam zu zahlreichen Militärputschen und wechselnden Machtinhabern. Ab 1932 kämpfte es erneut gegen Bolivien, nachdem vier Jahre zu vor im Chaco-Gebiet Öl entdeckt worden war. Bolivien unterlag und Paraguay konnte sich das Gebiet sichern.

Paraguay: Von der Diktatur in die Demokratie

1954 übernahm schließlich Alfredo Stroessner die Macht. Er war Mitglied der sehr konservativen Colorado-Partei und regierte bis 1989 das Land diktatorisch. Er verfolgte politische Gegner (vorwiegend Kommunisten) und ließ diese auch ermorden. Nach 35 Jahren Diktatur wurde Stroessner bei einem Militärputsch von General Andres Rodríguez gestürzt. Dieser leitete einen demokratischen Wandel ein und brachte dem Land eine neue Verfassung, die 1992 in Kraft trat.

1993 kam es zu ersten demokratischen Wahlen, aus denen Juan Caros Wasmosy (ebenfalls von der Colorado-Partei) als neuer Staats- und Regierungschef hervorging. Allerdings kam es auch in den Folgejahren immer wieder zu zahlreichen Unruhen und schweren Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und Anhängern der Opposition, die zu Putschversuchen und Staatsstreichen führten. Vor allem General Lino César Oviedo Silva, der zeitweise inhaftiert war und im Exil leben musste, erwies sich jahrzehntelang als die führende Stimme der Regierungsgegner. Er kam allerdings im Wahlkampf während der Präsidentschaftswahlen 2013 bei einem Helikopterabsturz ums Leben.

Paraguay: Das politische System

Paraguay ist eine präsidentielle Republik. Da seit Jahrzehnten die rechtskonservative Colorado-Partei die Führung des Landes übernimmt, hat ein vollständiger demokratischer Wandel durch ein pluralistisches Parteiensystem niemals stattgefunden. Die Strukturen des Staates sind eng mit der Partei verflochten. Das Land besitzt eine Gewaltenteilung auf Basis von Exekutive, Legislative und Judikative. Das Parlament wird vom Nationalkongress ausgeführt, der aus einer Abgeordnetenkammer und dem Senat besteht.

Die Dauer der Amtszeit des Präsidenten war in den letzten Jahren ein umstrittenes Thema in Paraguay. Diese ist nur auf eine Amtsperiode beschränkt. So kam es im Frühjahr 2017 zu Demonstrationen, nachdem der amtierende Präsident Horacio Cartes entgegen der Verfassung seine Wiederwahl anstrebte.

Paraguay: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Asunción
  • Amtssprache: Guaraní und Spanisch
  • Fläche: 406.752 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 7,1 Millionen (Stand 2020)
  • Währung: Guaraní (PYG)
  • Verwaltungsgliederung: 17 Verwaltungsregionen, zzgl. Landeshauptstadt Asunción
  • Religion: Katholisch (ca. 90 %)

Paraguay: Sprachen und Bevölkerung

Etwa 90 Prozent der sieben Millionen Einwohner sind Paraguayer. Diese sind in der Mehrheit Mestizen, also Nachfahren aus der Vermischung der indigenen Einwohner mit europäischen Einwanderern. Die Zu- und Abwanderung ist im Vergleich mit anderen Ländern Lateinamerikas verhältnismäßig gering. Zur bedeutendsten indigenen Volksgruppe zählen die Guaraní.

Die Sprache der Guaraní hat in Paraguay den Status der offiziellen Amtssprache. Sie wird laut einer Volkszählung aus dem Jahre 2002 von etwa 85,9 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Allerdings dominiert in offiziellen Texten Spanisch als Amtssprache, das allerdings gerade mal elf Prozent der Paraguayer als Muttersprache sprechen. Das Land gilt somit offiziell als zweisprachig. Insgesamt lassen sich aber mehr als 20 Sprachen in Paraguay ausfindig machen.

Paraguay: Geografie und Städte

Paraguay liegt im Herzen Südamerikas. Das Land besitzt im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern des Kontinents keinen Zugang zum Meer. Es grenzt an Bolivien, Brasilien und Argentinien. Der Staat ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der das Land in zwei Hälften teilt, die wiederum zwei völlig verschieden Naturräume bilden. Die Landschaft im Nordwesten nimmt dabei 60 Prozent der Gesamtfläche des Landes ein. Es ist bekannt als das Chaco-Gebiet, das am Fluss selbst viel Sumpfgebiet aufweist und nach Westen hin immer trockener wird. Hier leben gerade einmal fünf Prozent der Einwohner.

Die Mehrheit der Bevölkerung lebt auf der anderen Fluss-Seite im Südosten des Landes. Auch die Hauptstadt Asunción wurde am Río Paraguay errichtet und befindet sich unmittelbar an der Grenze zu Argentinien. Paraguay zählt zu den am wenigsten urbanisierten Ländern in Südamerika. Im Jahr 2020 lebten etwa zwei Drittel der Einwohner in Städten.

Die größten Städte Paraguays im Überblick

  • 1 Asunción: 524.200 Einwohner, Region Asunción
  • 2 Ciudad del Este: 296.600 Einwohner, Region Alto Paraná
  • 3 San Lorenzo: 254.400 Einwohner, Region Central
  • 4 Luque: 247.800 Einwohner, Region Central
  • 5 Capiatá: 228.400 Einwohner, Region Central
  • 6 Lambaré: 173.900 Einwohner, Region Central
  • 7 Fernando de la Mora: 170.400 Einwohner, Region Central
  • 8 Limpio: 136.300 Einwohner, Region Central
  • 9 Nemby: 131.100 Einwohner, Region Central
  • 10 Mariano Roque Alonso: 99.700 Einwohner, Region Central

Paraguay: Wissenswertes zum Land

Eines der wichtigsten wirtschaftlichen Erzeugnisse Paraguays sind Sojabohnen. Paraguay ist weltweit nicht nur der sechstgrößte Produzent, sondern auch viertgrößte Exporteur von Soja. Aber auch in Sachen Weidewirtschaft und Verarbeitung von Rindfleisch ist das Land sehr weit vorne. Neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist auch die Stromerzeugung wichtig für das Wirtschaftswachstum. Dies geschieht vor allem über Wasserkraft. Dafür wurden eigens am Fluss Paraná drei riesige Wasserkraftwerke errichtet, von denen es sich Paraguay eines mit Brasilien und ein weiteres mit Argentinien teilt.

Hinzu kommt, dass auch der Dienstleistungssektor stark am Wachsen ist. Während dieser sich in Banken, Restaurants und Handel bemerkbar macht, spielte der Tourismus bislang eine untergeordnete Rolle. Inzwischen sind aber auch hier Wachstumszahlen zu verzeichnen. Im Jahr 2015 kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Touristenzahlen. Obwohl das Land nicht am Meer liegt, haben sich die Strände von Encarnación und Carmen del Paraná am Río Paraná als wahre Geheimtipps erwiesen. Der Fluss ist an diesen Stellen mehrere Kilometer breit und hat sich inzwischen in ein beliebtes Ausflugsziel für Badetouristen verwandelt.

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